Die Düsseldorfer Punkband inszenierte den Videoclip für ihre neue Single „Nur nach vorn“ im Freilichtmuseum als Stummfilm.
Videodreh im BergischenDie Toten Hosen: museumsreif in Lindlar

Im Stil eines alten Schwarz-Weiß-Stummfilms erzählt das Video vom Pech eines Landstreichers. Sänger Campino (M.) spielt die Hauptrolle.
Copyright: Robert Eikelpoth
In den ersten Zeilen singt Campino: „Es kommt mir so vertraut vor/ Ich muss hier schon mal gewesen sein.“ Allen regelmäßigen Besuchern des Lindlarer Freilichtmuseums geht es ähnlich. Das neue Video der Toten Hosen ist am Brückentag nach Christi Himmelfahrt auf dem Gelände aufgenommen worden. Der Schwarz-Weiß-Film zur Bebilderung der neuen Single „Nur nach vorn“ geht nämlich weit zurück in eine bäuerliche Welt, in der Andreas „Campino“ Frege als Landstreicher vom Pech verfolgt wird.
Das Video wurde vor einer Woche bei Youtube veröffentlicht. Im Kommentar teilt die Band mit: „Wir wollten immer schon einmal ein Video im Stil der Stummfilmklassiker von Charlie Chaplin oder Buster Keaton drehen.“ Der Song „Nur nach vorn“ schien jetzt dafür geeignet zu sein, meinen die Toten Hosen und loben ihren Regisseur: „Johannes Grebert hat den Clip mal wieder genial umgesetzt. Speziell die Wirtshausszene mussten wir viele Male neu drehen, weil wir dabei so lachen mussten.“ Ihren Fans wünschen die Musiker: „Wir hoffen, ihr habt beim Anschauen des Videos genauso viel Spaß, wie wir beim Drehen hatten.“
Die erwähnte Kneipenszene spielt in der Gaststätte Römer. Zu Beginn wird der arme Tramp auf dem Hof zu Eigen von einem herzlosen Bauern (Gitarrist Michael „Breiti“ Breitkopf) an die Luft gesetzt. Bei einem Nickerchen an der Allee beim Bandweberhaus klaut ein anderer armer Schlucker (Schlagzeuger Vom Ritchie) seinen Koffer. Vergeblich sucht der Landstreicher Hilfe beim Dorfpolizisten (Bassist Andy Meuer), der im Backhaus ansässig ist. Dass dieses gleich neben dem Wohnstallhaus auf dem Hof zum Eigen steht, an dem Campinos Wanderschaft ihren Anfang nahm, werden die Hosen-Fans nicht merken.
Lindlarer Museumbahn wurde eingebaut
Das Museumsteam hat für die Punkrockband sogar die Steinbruchbahn in Gang gesetzt, damit Campino darauf fahren kann, bevor er (wieder auf dem Hof zum Eigen) ein Huhn stehlen will. Ein wütender Bauer (Andreas „Kuddel“ von Holst) verhindert den Mundraub. Am Ende erlebt der traurige Vagabund eine gruselige Verwandlung.

Regisseur Johannes Grebert (l.) war bei den Dreharbeiten von der authentischen Atmosphäre des Museums begeistert.
Copyright: Robert Eikelpoth
Der erste potenzielle Hit des neuen, letzten Hosen-Albums „Trink aus, wir müssen gehen!“ ist also eine hervorragende Werbung für das Freilichtmuseum. Pressesprecherin Marie Kramm hat den Dreh dennoch geheim gehalten und will sich auch sonst nicht äußern, der Vertrag verpflichtet das Museum zur Verschwiegenheit. Die Musiker selbst sind derzeit mit den Konzerten ihrer ausverkauften Tour beschäftigt und haben keine Zeit für Interviews.
Regisseur Johannes Grebert erzählt dagegen gern vom Museumsdreh. Grebert hat bereits eine ganze Reihe von Videos mit der Band aufgenommen, für „Altes Fieber“, „Wannsee“, „Alles passiert“ oder „Scheiß Wessis“. Der frühere Theatermacher setzt die Musiker häufig als kostümierte Schauspieler in Szene, so auch hier im Freilichtmuseum. Mit dem Ergebnis ist er sehr zufrieden: „Es ist genau das herausgekommen, was wir uns vorgestellt hatten.“
Dass der Produktionsleiter bei der Google-Recherche auf das Freilichtmuseum gestoßen ist, sei „ein Riesenglück“. „Die historischen Gebäude ohne störende Straßenschilder und andere moderne Objekte waren ideal.“ Vor Ort wurde das Drehbuch noch geändert, eine Zugfahrt war ursprünglich nicht vorgesehen. „Die Eisenbahner und das übrige Museumsteam waren Feuer und Flamme und haben uns toll unterstützt“, sagt der Regisseur.
Ob die Musiker nun, da sie bald mehr Freizeit haben, noch einmal das Freilichtmuseum besuchen wollen, vermag Johannes Grebert nicht zu sagen. „Aber Campino hat ja jetzt wieder einen kleinen Sohn, mit dem könnte er von Düsseldorf mal dorthin fahren.“
