BerufsbildungWiehler Unternehmen will Nachwuchs für Technik begeistern

Firmenchef Rainer Poppek (M.) mit den Azubis Fynn Pritzkau (l.) und Jonas Mizrahi sowie den Schülern Ben Brand (2.v.l.) und Pascal Reckerth, die ein Fischertechnik-Laufband steuern.
Copyright: Michael Kupper
Wiehl-Bomig – Ihren 19 Auszubildenden stellt die Firma drei eigene Elektroautos zur Verfügung. Damit können sie zur Berufsschule nach Wipperfürth fahren, aber auch am Wochenende in die Disco. Unitechnik-Geschäftsführer Rainer Poppek weiß: „Man muss etwas anbieten, um sich von anderen Betrieben abzuheben.“ Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wiehl-Bomig konnte zum Start des neuen Ausbildungsjahrs zwar alle Lehrstellen besetzen, „aber teils erst auf den letzten Drücker“, schränkt Poppek ein. „Der Fachkräftemangel trifft uns mit aller Härte.“
Um in der Konkurrenz um den Nachwuchs bestehen zu können, beteiligte sich Unitechnik auch an der Mint-Herbstakademie mit einem Ferienworkshop. 19 Jugendliche lernten den Betrieb einen Tag lang mit praxisnahen Übungen kennen.
Herbstakademie
Kostenlose Workshops für Schüler rund um Technik und Natur stehen in den Ferien auf dem Programm der Herbstakademie des ZDI-Zentrums investMINT Oberberg und seiner 13 Kooperationspartner. Diese reichen vom eintägigen Angebot „Auf der Spurensuche vom Sonnenstrahl bis zum Lebewesen“ bis zum mehrtägigen Schnupperstudium für Mädchen an der Fachhochschule. Das Kürzel „ZDI“ bedeutet „Zukunft durch Innovation“.
Im ZDI-Zentrum investMINT Oberberg haben sich 51 Partner zusammengeschlossen. „Mint“ steht für die Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Ziel ist es, „den technisch- und naturwissenschaftlichen Nachwuchs zu fördern und auf einem hohen Niveau zu etablieren“. Träger des zdi-Zentrums investMINT Oberberg ist der Oberbergische Kreis. Landesweit gibt es derzeit 34 zdi-Zentren. (tie)
Die Jungen und Mädchen programmierten Fischertechnik-Laufbänder, verdrahteten einfache elektrische Schaltungen und erkundeten ein virtuelles Logistikzentrum mit einer VR-Brille – alles Aufgaben, die der tatsächlichen Arbeit bei Unitechnik sehr nahe kommen.
Seit mehr als 50 Jahren beschäftigt sich das Unternehmen mit Logistiksystemen, Produktionsautomation und Schaltanlagenbau. Die Unitechnik-Produkte seien dem Konsumenten nicht so geläufig wie Tapeten, Plastikeimer und was andere oberbergische Unternehmen sonst herstellen, sagt Poppek. Um so wichtiger ist ihm, die Firma bekannter zu machen. Der Firmenchef, selbst Vater eines 15-Jährigen, bedauert, dass die jungen Leute meist keine Ahnung haben, was sich in solch einer Firma abspielt und welche „interessanten und sehr zukunftsträchtigen Ausbildungsberufe“ dort angeboten werden.
Die Elektronik- und Fachinformatik-Azubis bei Unitechnik haben das Programm des Schnupperworkshops selbst entwickelt. Jonas Mizrahi (18) und Fynn Pritzkau (16) sind im ersten Lehrjahr und zeigen den Schülerinnen und Schülern, wie sie mit einem Computerprogramm ein Fischertechnik-Förderband steuern. „Es ist für die Schüler cool, dass sie das Ergebnis sofort sehen können“, findet Fynn. Jonas freut sich, dass die Schülerpraktikanten motiviert und geschickt sind.
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Das ist allerdings kein Wunder, haben sie sich doch freiwillig dafür gemeldet, einen Ferientag bei Unitechnik zu verbringen. Sowohl Henrik (14) aus Engelskirchen, der eifrig auf der Tastatur tippt, als auch Carolina (14) aus Bielstein, die an einem Schaltschrank konzentriert herumschraubt, kennen technische Berufe aus der Familie. Vorbilder bieten offenbar immer noch die wirksamste Berufsorientierung. Aber eigene Erfahrungen müssen dazu kommen.



