In Wiehl feiert das Museum für Schreibkultur sein zehnjähriges Bestehen mit Einblicken in seltene Schreibkunst.
SchreibkunstWiehler Museum feiert zehnjähriges Bestehen

Der Raum, in dem die seltenen Schreibmeisterbücher präsentiert werden, hat die Atmosphäre eines klösterlichen Skriptoriums.
Copyright: Heickmann
Man kann sagen, dass er Museumsgeschichte geschrieben hat. Sein halbes Leben lang sammelt Martin Heickmann schon Schreibutensilien. Später lernt er auch, damit kunstfertig umzugehen. 2016 hat er dann in Wiehl zusammen mit seiner Frau schließlich das „Museum für Schreibkultur“ eröffnet. Das zehnjährige Bestehen feiern die beiden nun mit einem Tag der offenen Tür.
Historisches Kirchgut wurde zum Museum für Schreibkultur
Das alte Kirchgut Koppelweide im Alpetal wurde 1555 erstmals urkundlich erwähnt, der Johanniterorden gründete hier einst die erste Fischzucht im Alpetal. Später war das Haus die Dienstwohnung des Pfarrers, schließlich über viele Jahre eine Gastwirtschaft. Die Heickmanns stießen auf das Anwesen, als sie sich von Münster aus auf die Suche nach einem neuen Wohnsitz machten. Was vor zehn Jahren als „Herzensprojekt“ begann, habe sich zum kulturellen Anlaufpunkt in der Region etabliert, sagt Heickmann.
Zum runden Geburtstag hat der Museumsleiter die Ausstellungsräume neu geordnet, um den Fokus auf besondere Kostbarkeiten der Sammlung zu lenken. Ein Schreibplatz mit historischer Anmutung dient nun als Raumteiler und schafft den Rahmen für eine „Schatzkammer der Schreibkunst“. Heickmann präsentiert dort seine seltenen Schreibmeisterbücher. Jeder Buchstabe darin sei ein Kunstwerk, schwärmt Heickmann.
Etwa das „Liber Artificiosus Alphabeti Maioris“ (1782 – 1785) des Elberfelders Johann Merken. Dieses hat zudem einen historischen Bezug zu Wiehl: Eine enthaltene Entfernungstabelle führt vor über 200 Jahren den heutigen Wiehler Stadtteil Drabenderhöhe als „Drabenderhove“ auf. Heickmann geht es nach eigenen Angaben darum, Regionalgeschichte lebendig und mit Liebe zum Detail anschaulich zu machen. Er legt Wert auf Authentizität. „Abgegriffene Einbände und Fingerflecken auf den Seiten sind für uns keine Mängel, sondern kostbare Spuren der Zeit. Sie erzählen von Generationen von Schülern und Schreibmeistern, die diese Bücher als tägliche Werkzeuge nutzten.“ Die Sammlung historischer Schreibgeräte bleibe weiterhin ein wichtiger Teil des Rundgangs.
Das Museum lädt anlässlich des zehnten Geburtstags zu einem Tag der offenen Tür. Am Samstag, 13. Juni, kann jedermann von 11 bis 17 Uhr in Koppelweide einen Blick in die „Schatzkammer der Schreibkunst“ werfen. Und jeder kann selbst mit Feder und Tinte sich einmal der Kalligraphie widmen.
