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"Menschenunwürdig"Wipperfürth will marode Unterkunft abreißen lassen

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Das Foto zeigt die Obdachlosenunterkunft an der Lenneper Straße 32.

Das Haus an der Lenneper Straße 32 dient zur Zeit als Obdachlosenunterkunft.

Die Stadt  Wipperfürth will die Obdachlosenunterkunft an der Lenneper Straße 32 abreißen lassen, weil das Gebäude marode ist. Die Entscheidung über einen Neubau wurde vertagt. 

Das Haus Lenneper Straße 32 war einmal eine Gaststätte. Die Stadt nutzt das Gebäude seit vielen Jahren als Unterkunft, aktuell wohnen dort fünf obdachlose Personen. Der Schul- und Sozialausschuss und der Bauausschuss empfahlen einstimmig, das marode Gebäude abreißen zu lassen, die AfD enthielt sich.

„Die Nutzung dort ist nicht mehr menschenwürdig“, so die einhellige Meinung von CDU, SPD und Grünen. „Das ist doch nur eine Flüchtlingsunterkunft“, sagte dagegen Nicole Kißling (AfD) im Schulausschuss – was Widerspruch hervorrief. Weil die Politik noch viele offene Fragen hat, wurde die Entscheidung über einen möglichen Neubau auf die Ratssitzung am 7. Juli vertagt.

Pläne für Neubau vorgestellt

Renate Brüning, Leiterin des Gebäudemanagements, und Projektleiter Uwe Sander stellten im Bauausschuss die Pläne für einen Neubau für bis zu zu 55 Menschen vor. Das dreigeschossige Haus soll aus kleinen, abgeschlossenen Wohneinheiten bestehen, zwischen 22 und 26 Quadratmeter groß, mit eigener Kochzeile und Duschbad und Platz für ein bis zwei Personen. Geplant sind zudem einige 36 Quadratmeter große Wohnungen für bis zu vier Personen.

Als Bewohner kommen neben Geflüchteten und Obdachlosen auch Menschen mit kleinem Einkommen infrage. Denn gerade für sie fehlt es in Wipperfürth an bezahlbarem Wohnraum. Die Stadt rechnet mit Baukosten von 4,85 Millionen Euro. Die Politik ist skeptisch, ob es am Ende dabei bleibt, auch aus Erfahrungen mit anderen Bauprojekten.

AfD will Kosten für eine Sanierung erfahren

Kann die neue Wohnungsbaugenossenschaft das Projekt umsetzen? Gibt es Fördermittel? Können die Container der Unterkunft an der Bahnstraße – für die Baurecht nur bis 2029 besteht – wiederverwendet werden? Diese Fragen von Alexander Liehn (CDU) will die Stadt bis zur Ratssitzung beantworten.

Die AfD lehnt einen Neubau ab. AfD-Fraktionsvorsitzende Sabine Förster will von der Stadt die Kosten für eine Sanierung des Hauses Lenneper Straße 32 erfahren. Es gebe genügend freie Plätze in den drei Sammelunterkünften, die Unterkunft an der Bahnstraße lasse sich vielleicht aufstocken oder länger nutzen. Förster forderte, stattdessen bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, auch für „nicht alimentierte Personen.“

Heftige Reaktionen waren die Folge. „Sie versuchen, Einheimische gegen Geflüchtete auszuspielen, das finde ich nicht gut“, sagte Bärbel Schröder (SPD). „So zu tun, als gebe es einen Unterschied zwischen Asylbewerbern und Menschen deutscher Staatsbürgerschaft finde ich unerträglich“, sagte Hans-Peter Müller (CDU). Bürgermeisterin Anne Loth betonte, die Stadt stehe bei den Anwohnern der Bahnstraße im Wort. Sie lud Förster ein, sich vor Ort selbst ein Bild zu machen vom Zustand des Gebäudes an der Lenneper Straße 32.