Die Wipperfürther Musikschule hat ihre Gebühren gerade erst heraufgesetzt, jetzt sollern weitere, massive Erhöhungen folgen.
Knappe EntscheidungMusikschulgebühren in Wipperfürth sollen massiv steigen

Der Untrricht an einer Musikschule.
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Der Unterricht an der Musikschule Wipperfürth wird zum 1. Januar 2027 deutlich teurer. Nach langer, kontroverser Diskussion votierte der Ausschuss für Sport, Freizeit und Kultur mehrheitlich für einen entsprechenden Antrag der Verwaltung, mit den Stimmen von CDU und AfD. Ein Gegenantrag der SPD, der von UWG und Grünen unterstützt wurde, bekam eine Stimme weniger und war damit abgelehnt.
Wie sieht das neue Gebührenmodell aus?
Zum 1. Januar 2027 werden die Gebühren für den Unterricht um zehn Prozent erhöht. Auch die Ausleihgebühren für Instrumente steigen um zehn Prozent. Parallel dazu führt die Musikschule erstmals einen Auswärtigen-Tarif ein, mit einem Aufschlag von zehn Prozent. Ausgenommen davon bleiben die Schüler der Bläserklassen am EvB-Gymnasium und den Grundschulen St. Antonius und Kreuzberg.
Stand Ende Juni zählt die Musikschule rund 230 Schüler mit Wohnsitz außerhalb von Wipperfürth, das sind 40 Prozent aller rund 600 Schüler. Nochmals 15 Prozent mehr zahlen künftig alle Musikschüler ab 18 Jahren, ausgenommen Schüler, Studierende und Azubis bis zum Alter von 27 Jahren. Bereits zum 1. Januar 2026 war eine allgemeine Gebührenerhöhung von plus 15 Prozent in Kraft getreten.
Warum werden die Gebühren so stark erhöht?
Aufgrund des „Herrrenberg-Urteils“ des Bundessozialgerichts (wir berichteten) sind jetzt fast alle der 30 Dozenten sozialversicherungspflichtige Angestellte. Sie teilen sich 8,4 Vollzeitstellen, dadurch entstehen laut Stadt Mehrkosten von rund 225.000 Euro jährlich. Die CDU hatte Ende 2025 beantragt, diese Mehrkosten zu kompensieren.
Die jetzt beschlossenen neuen Gebühren sollen im kommenden Jahr zu 70.000 Euro Mehreinnahmen führen. Vorausgesetzt, die Schülerzahlen bleiben stabil und es kommt nicht zu Kündigungen im größeren Stil. Ein Auswärtigen-Tarif sei angemessen, so die Verwaltung, da die Musikschule Wipperfürth kulturelle Aufgaben anderer Kommunen wahrnehme. Während der Jugendbereich zu Bildungszwecken essenziell sei, stuft die Stadt den Musikunterricht Erwachsener als Hobby ein, was einen höheren Erwachsenentarif rechtfertige.
Welche Kritik gibt es an den neuen Gebühren?
Kritik kommt sowohl von SPD, UWG und Grünen als auch vom Förderverein der Musikschule. Die zentralen Punkte: Noch steht nicht fest, welche Auswirkungen die 15-prozentige Gebührenerhöhung vom Januar 2026 hat. Auch der künftige Standort der Musikschule ab Juli 2027 ist noch unklar.
Auf scharfe Kritik stößt der Auswärtigenzuschlag, zumal viele der Betroffenen eine Wipperfürther Schule besuchen und damit „Teil des Bildungs- und Lebensraumes sind“, so der Fördervereinsvorsitzende Joachim Guhra. Gebührenerhöhungen ohne valide Zahlen seien ein „Blindflug“ kritisierte SPD-Fraktionsvorsitzender Frank Mederlet.
Aus einem konkreten SPD-Antrag, ergänzt von den Grünen, entstand in der Sitzung ein Kompromissvorschlag. Danach sollte die Verwaltung bis November die noch fehlenden Zahlen liefern, dann könne man über neue Gebühren abstimmen. Nach einer kurzen Beratung lehnte die CDU dies ab.
Wie geht es jetzt weiter?
Die endgültige Entscheidung fällt am 7. Juli im Rat. Die Verwaltung ist beauftragt, die Vor- und Nachteile einer Ausgliederung der Musikschule und anderer kultureller Einrichtungen wie der Stadtbibliothek in eine gGmbH zu prüfen. Außerdem gibt es erste Gespräche über eine mögliche Musikschul-Kooperation mit Nachbargemeinden wie Hückeswagen und Wermelskirchen, deren Musikschulen allerdings anders organisiert sind. Gesucht wird außerdem ein Ausweichstandort für die Musikschule, denn ab Juli 2027 steht die Hauptschule wegen des Baus des neuen Schulcampus nicht mehr zur Verfügung.
