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„Wäre was für Köln-Chorweiler“ Pläne für Neubauten in Lindlar werden massiv kritisiert

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 Luftaufnahme Neubaugebiet an der Jugendherberge.

Lindlar – Auf deutlichen Widerstand der Anwohner und der CDU stoßen die Pläne von SPD, Grünen und FDP für das Neubaugebiet „An der Jugendherberge“. Rund 100 Besucher waren in das Kulturzentrum gekommen, wo die Pläne im Bau- und Planungsausschuss erstmals öffentlich vorgestellt wurden.

„An der Jugendherberge“ sollten mal 70 Einfamilienhäuser entstehen

Der bisherige Plan, im vorigen Jahr noch mit der CDU-Mehrheit verabschiedet, sah eine Wohnbebauung mit 70 Einfamilienhäusern und einem Kindergarten vor. SPD und Grüne hatten die Pläne heftig kritisiert und eine moderate Quartiersentwicklung gefordert.

Das Architekturbüro Geddert stellte die Pläne, die nach Vorgaben von SPD, Grünen und FDP erstellt worden waren, vor. Das Gebiet umfasst jetzt zwei zusätzliche Hektar, da die Bau-, Grundstück- und Wirtschaftsförderungs GmbH (BGW) Grundstücke östlich des alten Plangebietes erworben hat.

Die Vorgaben an die Architekten lauteten: die Böhler Straße erhalten, möglichst viele Gärten, auch für Geschosswohnungen, sowie ein Angebot für alle Alters- und Wohnformen. Von außen soll der Charakter einer Einfamilienhaussiedlung entstehen.

„An der Jugendherberge“: Neubaugebiet in Lindlar jetzt viel größer geplant

Die neuen Pläne sehen 69 Einfamilien-, 29 Reihenhäuser und 132 Wohnungen in Mehrfamilienhäusern vor. Zum Ortskern hin soll das Quartier mit einem Platz geöffnet werden, an dem auch Geschäfte möglich sind. Nach Norden werden über Tiefgaragen Mehrfamilien und Reihenhäuser erschlossen.

Eine Shared-Space-Straße und ein grünes Band sind zentrale Gestaltungselemente. Zu jeder Wohneinheit gibt es einen Garten. Das Konzept ist modular aufgebaut, es kann zugunsten von Einfamilien- auf Mehrfamilienhäuser verzichtet werden.

Die Kritik der Bürgerinitiative fiel umfangreich aus. Sprecher Kleff warf SPD und Grünen eine Kehrtwende vor. Sie hätten eine moderate Entwicklung gefordert, jetzt sei das Gegenteil erfolgt. Die ausführliche Stellungnahmen findet sich im unten stehenden Artikel.

Neubaugebiet in Lindlar: „Würde mir gefallen, wenn wir an Chorweiler angrenzen würden"

Die CDU äußerte massive Kritik. „Der Plan ist toll, er würde mir gefallen, wenn er an Chorweiler angrenzen würde, aber nicht für Lindlar“, sagte CDU-Fraktionschef Hans Schmitz. Die CDU wolle weiterhin, dass dort Einfamilienhäuser gebaut werden könnten. Der Bebauungsplan sei vom Rat beschlossen, aber nicht veröffentlicht worden.

Er schlug vor, einen neuen B-Plan zu erstellen und eine Änderung für den bestehenden Plan vornehmen, um zügig mit der Umsetzung zu beginnen und den Interessenten das Bauen ermöglichen zu können.

SPD Lindlar zu Neubauplänen: „Nicht in Stein gemeißelt“

Die SPD äußerte Verständnis für die Kritik und dankte der Bürgerinitiative für die sachlich vorgetragene Kritik. „Die Planung ist nicht in Stein gemeißelt, im Gegenteil“, so SPD-Fraktionschef Michael Scherer. Er könne sich die Planung sehr gut für Lindlar vorstellen, 70 Einfamilienhäuser im Schachbrettmuster nicht.

Die Planung sei attraktiv und berücksichtige soziale und ökologische Aspekte. Man habe die Bürger nicht früher beteiligen können, da es ein Projekt der BGW und daher nicht öffentlich sei. Man nehme die Kritik ernst und wolle im demokratischen Prozess mit den Bürgern die Pläne entwickeln, so Scherer.

Die Grünen führten aus, warum sie ihre Meinung zu dem Projekt geändert hätten. „Uns war sehr wichtig, dass verschiedene Wohnformen zusammenkommen, wir wollen eine gute Durchmischung des Gebietes und ökologische Aspekte integrieren“, so Jörg Schlichtmann. Um möglichst wenig Fläche zu verbrauchen sei es sinnvoll, die Bebauung möglichst zu verdichten.

Bezahlbarer Wohnraum: FDP Lindlar unterstützt Bauvorhaben

Auch die FDP lobte die Pläne, die die Erwartungen übertroffen hätten. Man plane groß, da man von Verwaltung und CDU gelernt habe, dass die Nachfrage nicht gedeckt werden könne, so FDP-Fraktionschef Harald Friese.

Und es sei wichtig, auch Angebote für Menschen zu schaffen, die sich kein Einfamilienhaus leisten könnten. Mit dem neuen Gewerbegebiet werde auch die Nachfrage nach bezahlbaren Wohnraum bedient.

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Der Beschluss, die Pläne zustimmend zur Kenntnis zu nehmen, fiel mit sechs Stimmen von SPD, Grünen und FDP gegen fünf Stimmen der CDU . Einstimmig beschlossen die Politiker dagegen, dass die Verwaltung möglichst schnell eine über die gesetzlichen Forderungen hinausgehende Bürgerbeteiligung in die Wege leitet.

Bürgerinitiative „Lindlar like“ kritisiert Pläne für Neubaugebiet „An der Jugendherberge“

In einem offenen Brief an die Parteien und bei der Sitzung des Bauausschusses kritisierte die neu gegründet Bürgerinitiative „Lindlar like“ die neuen Pläne als absolut überdimensioniert für die Gemeinde. Sprecher Christian Kleff zitierte Aussagen von SPD und Grünen zum ursprünglichen Plan der CDU und hielt ihnen Wortbruch vor.

Hier die Kritik in Auszügen: „Mit Entsetzen haben wir die Planungsentwürfe für das Neubaugebiet „Jugendherberge“ zur Kenntnis genommen. SPD, GRÜNE und FDP hatten die ursprüngliche Bauplanung vor der Kommunalwahl scharf kritisiert.

Und diese Kritik haben wir Nachbarn und Anlieger nachvollziehen können. Wir hatten die Hoffnung, dass eine Neuplanung unter der neuen politischen Mehrheit in Lindlar zu einer ,dorfgerechteren’ Variante führen würde.

Neubaugebiet „An der Jugendherberge“: Neue Pläne sind Verschlechterung

Das Gegenteil ist eingetreten: Statt 70 Einfamilienhäusern sollen auf derselben Fläche nun knapp 70 Einfamilienhäuser, rund 30 Reihenhäuser und über 130 Wohneinheiten in bis zu dreistöckigem Geschosswohnungsbau entstehen. Diese massive Überplanung der Fläche lässt uns Bürgerinnen und Bürger fassungslos zurück.

Unser Fazit: Die Neuplanung des Baugebiets ,Jugendherberge’ ist noch einmal eine klare Verschlechterung gegenüber der ursprünglichen Planung. Der dörfliche Charakter Lindlars wird

zerstört. Die Interessen der Anlieger und Nachbarn werden ignoriert. Die Zunahme der Verkehrsströme ist insbesondere für Schulkinder eine extreme Gefahr. Deshalb muss der Prozess jetzt gestoppt und eine erneute Planung unter Einbeziehung der Anlieger und Nachbarn angegangen werden. Wir wollen volle Transparenz. Wir wollen mitentscheiden.“

https://lindlarlike.de