In Moskau sollte es darum gehen, inwieweit der Satiriker angeblich russische Staatsorgane verunglimpft habe, darunter die russische Armee und den russischen Präsidenten Wladimir Putin.
Putin-SatirikerProzess in Moskau verschoben – das sagt Jacques Tilly

Jacques Tilly, Karnevals-Wagenbauer, steht neben seiner kreierten Figur, die Putin zeigt, wie er an der Ukraine erstickt.
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Tilly, der durch die Rundschau die Nachricht vom verschobenen Verfahren erfuhr, gab sich wie zuletzt auch weiter gelassen. „Ich werte das jetzt mal als psychologische Kriegsführung“, sagte er. Er werde halt einfach weitermachen. Das Gericht habe den Termin neuansetzen müssen, weil Zeugen in dem Verfahren nicht erschienen seien, sagte ein Gerichtssprecher in Moskau. Richter Konstantin Otschirow hatte den Prozess schon Ende Dezember verlegt und dies mit der Abwesenheit der Pflichtverteidigerin Tillys begründet, die auf Dienstreise sei. Ob es diesmal wieder um die Pflichtverteidigerin gegangen sei, konnte Tilly aus der Ferne nicht beantworten. „Ich kenne sie nicht, habe nicht den geringsten Kontakt. Ich werde mich bei der deutschen Botschaft erkundigen“, sagte er. Die soll, so sein Kenntnisstand, einen Vertreter in das berüchtigte Moskauer Basmanni-Gericht, das schon russische Dissidenten und Oppositionelle wie Michail Chodorkowski und Alexej Nawalny verurteilt hat, zur Prozessbeobachtung geschickt haben.
Keine Kenntnis von genauen Vorwürfen
Ebenso wenig, wie er seine Pflichtverteidigerin kennt, hat er Kenntnis von den genauen Vorwürfen. „Es ist einigermaßen absurd“, so Tilly, „ich habe keinen Brief oder irgendeine Information zu dem Verfahren bekommen. Ich bin nur durch die Botschaft darüber informiert worden.“ Die russische Justiz sei für ihn eine „Blackbox“, so der Düsseldorfer, der seit 43 Jahren für die politischen Wagen im Rosenmontagszug in der Landeshauptstadt verantwortlich zeichnet und dabei Jahr für Jahr Aufmerksamkeit erregt.
Der russische Präsident stand und steht dabei immer wieder im Mittelpunkt der bissig-satirischen Mottowagen. So ließ er 2025 unter dem Motto „Hitler-Stalin-Pakt 2.0“ die Pappfiguren Wladimir Putin und Donald Trump den kleinen Wolodymyr Selenskyj in ihren Händen blutend zerquetschen. 2023 gab es auf dem Wagen eine Putin-Karikatur, die in einer ukrainisch gelb-blauen Badewanne voller Blut badet. Und 2022, kurz nach der russischen Vollinvasion in die Ukraine, schob sich ein von Tilly kreierter Papp-Putin die Ukraine in seinen weit aufgerissenen Rachen. Die darauf platzierte begleitende Botschaft war simpel: „Erstick dran!“
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Mich kann man nicht so leicht aus der Ruhe bringen
Warum ausgerechnet die Motive des Düsseldorfer Künstlers Moskau so erzürnen, erklärt sich Tilly zum einen so: „Sie waren ja auch anderswo zu sehen.“ Eines seiner Werke, „Putin in Jail“ – eine Figur von Putin in Handschellen, brachte Tilly nach Den Haag zum Internationalen Strafgerichtshof. Zum Zweiten gehe es aber wohl um das Thema Angst. „Angst ist deren Waffe“, sagt Tilly. „Aber mich kann man nicht so leicht aus der Ruhe bringen.“ Im Gegenteil: „Ich freue mich, dass Satire so eine Wirkung hat.“
Dass er als Satiriker nun Einschränkungen ausgesetzt ist, wegen Auslieferungsabkommen mit Russland nach eigenen Angaben nicht mehr in Länder wie die Türkei, Ägypten, Indien und Indonesien reisen kann, ficht ihn ebenfalls nicht an. Das sei doch ein Luxusproblem – und nichts im Vergleich dazu, was russische Oppositionelle in den Straflagern erleiden müssten. Das Verfahren in Moskau ist der Nachrichtenagentur dpa zufolge auf den 26. Februar verschoben – dann ist Rosenmontag 2026 auch schon Geschichte. Ob ein weiterer Papp-Putin Teil des Zochs sein wird, lässt Tilly offen. „Wir machen unsere Arbeit“, sagt er. Und der nächste Urlaub finde dann eben in Frankreich oder Italien statt.
