Für Wohnungslose, Obdachlose und Menschen in anderen Notsituationen gibt es jetzt ein kostenloses Angebot für eine medizinische Versorgung.
MedizinDas Caya-Mobil macht jetzt in Bergisch Gladbach Halt

Kostenlose ärztliche Versorgung bringt das Caya-Mobil nach Bergisch Gladbach
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Gerade ist Zeit für die Suppenküche. Der Saal am Laurentiushaus in Bergisch Gladbach ist gut besucht, wie immer. Für die Wohnungslosen, für die Obdachlosen und die Hilfebedürftigen der Stadt gibt es mittwochs ab halb eins immer eine warme Mahlzeit. Der Zustrom ebbt an diesem Tag kaum ab, die Ehrenamtlichen von St. Laurentius geben viele Teller mit Essen aus. Armut und Wohnungsnot sind präsent in der Stadt.
An diesem Mittwoch parkt zum ersten Mal das Caya-Mobil vor dem Eingang zur Suppenküche an der Laurentiusstraße, ein umgebautes Sprinter-Fahrzeug. Caya steht für: Come as you are, komm wie du bist. Der Transporter ist, etwas vereinfacht erklärt, eine Hausarztpraxis auf vier Rädern. Im Inneren gibt es alles, was für eine ärztliche Untersuchung erforderlich ist. EKG, Ultraschall, Blutabnahme, vieles ist auf engstem Raum vorhanden.
An den Seitenwänden im Inneren gibt es Fächer für Dokumente oder auch für Verbände. Auf einer Liege kann der Patient untersucht werden. Ein Arzt oder eine Ärztin ist immer mit dabei, ebenso eine Medizinische Fachangestellte und ein Fahrer. Diejenigen, die als Hilfebedürftige zur Suppenküche kommen, sollen ab jetzt an jedem Mittwoch bei Bedarf im Caya-Mobil vorsprechen können.
Kostenloses Angebot
Kostenlose Hilfe für die Nächsten, das ist das Ziel. Die Suppenküche ist von 12.30 bis 14 Uhr offen, das Caya-Mobil steht von 13 bis 16 Uhr an der Suppenküche. Das Schamgefühl am Rande der Gesellschaft oder außerhalb zu leben, soll mit dem Angebot überbrückt werden. Stünde die rollende Arztpraxis auf dem Konrad-Adenauer-Platz, würden die Menschen, die Hilfe brauchen, wohl nicht kommen, aus Schamgefühl. Der Raum der Suppenküche dient als Wartezone, niemand soll stigmatisiert werden.
Am Mittwochnachmittag: großer Auflauf an der rollenden Arztpraxis. Bürgermeister Marcel Kreutz (SPD) spricht lobende Worte zum Engagement des sich aus Spenden tragenden Vereins, Stadtpfarrer Norbert Hörter von St. Laurentius ist als Kooperationspartner da, Peter Lautz als Stellvertreter des Landrats, Vertreter des Ökumenecafés Himmel un Ääd aus Schildgen, Dr. Sabine Kieth, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes, und Beamte der Gladbacher Polizeiwache. Mitten hinein in die Festreden klatscht Ali Misini kräftig Beifall. Er ist Ehrenamtler im Verein Die Platte, der sich seit vielen Jahren engagiert um die Menschen kümmert, die Hilfe brauchen.
Lücke wird geschlossen
„Ein Segen, ein großer Segen ist das neue Angebot“, sagt er, und man merkt wie ihn die Situation berührt. Misini ist mit dem Fahrzeug des Vereins, dem Platte-Mobil, draußen. Er gibt den Menschen, die in der Fußgängerzone ihren Tag verbringen oder am Busbahnhof und die abends wieder in die Notschlafstelle am Ahornweg müssen, Hoffnung. „Die Menschen sind sehr dankbar“, sagt er zum neuen Angebot.
Er ist überzeugt, dass die Idee mit der ärztlichen Versorgung gelingt. Nicht nur reden, machen. Damit war Initiator Andreas Teipel vor einem Dreivierteljahr gestartet. Er spricht von der Lücke in der medizinischen Versorgung, von den Menschen, die nicht „wartezimmertauglich“ sind und von den Ärzten weggeschickt werden.
Die meisten von ihnen hätten keine Krankenversicherung. Professor Dr. Mark Oette und Dr. Heinz-Wilhelm „Doc“ Esser sind als Vorstände von Caya auch da, mit Michael Kubaschewski ein weiteres Mitglied. Sie haben das Angebot in Köln-Mülheim gegründet, die Zahl der Hilfesuchenden sei dort mittlerweile auf rund 600 gestiegen.
Bis zu 250 Personen
„Wir tragen alle Kosten“, erklärt Kubaschewski, auch die kostenlose Abgabe von Medikamenten sei darin inbegriffen. In Bergisch Gladbach gibt es einen symbolischen Zuschuss der Stadt, 100 Euro pro Einsatz, 400 im Monat. „Wir erreichen Menschen, die keinen Zugang zum regulären Gesundheitssystem haben“, sagt Gladbachs Bürgermeister im Gespräch.
Die Zusammenarbeit mit allen Akteuren sei unkompliziert gewesen, das Angebot von großer Bedeutung für die Stadt. Ali Misini schätzt, dass rund 200 bis 250 Personen in Bergisch Gladbach das Hilfeangebot in Anspruch nehmen könnten. Er ist an diesem Nachmittag fleißig dabei, kleine Infozettel zu verteilen. Darauf abgebildet ist die rollende Arztpraxis, auf der Rückseite gibt es in Leichter Sprache Informationen. „Du bist krank, hast keine Krankenversicherung, kein Geld? Komm zu uns, wir helfen dir!“
Termin und Ort der Beratung werden genannt, und ein Ausschnitt aus der Straßenkarte zeigt, wo die Praxis in der Gladbacher Innenstadt zu finden ist. Der Vereinsvorsitzende Mark Oette setzt auf den Erfolg: „Unser Ziel ist es, medizinische Versorgung dorthin zu bringen, wo sie dringend benötigt wird.“
