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In Gladbach herrscht weiterhin eine Betreuungsmisere im offenen Ganztag

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Kinder sitzen an Holztischen in einem Klassenraum.

Insgesamt fehlen auf Gladbacher Stadtgebiet fast 190 Plätze. (Symbolbild)

Die Stadt ist sich der fehlenden OGS-Plätze bewusst, will gegenüber dieser Zeitung aber keine Planungsfehler einräumen.

Noch gut zwei Monate bis zum neuen Schuljahr, dann beginnt für Eltern von Erstklässlern das Recht auf Ganztagsbetreuung. Die Stadt kann den neuen Anspruch, Stand jetzt, an sechs Grundschulen im Stadtgebiet nicht erfüllen. Die Umsetzung des Rechtsanspruchs bedeutet zudem, dass bei den Älteren Plätze eingespart werden. Schnelle Hilfe für die Betreuungsmisere im offenen Ganztag ist nicht in Sicht.

Die Suche nach einem OGS-Betreuungsplatz in der Stadt ist für viele Eltern der reinste Horror. Zwei Familien aus Moitzfeld haben keinen anderen Ausweg mehr gesehen, als mit ihrer Sorge und Wut an die Öffentlichkeit zu gehen. Die beiden Mütter berichteten in dieser Zeitung über ihre ausweglose Situation. Dass sie Absagen erhielten, obwohl ihre Kinder ganz oben auf der Warteliste standen, von der Angst ihren Job als Lehrerinnen aufgeben zu müssen, von Intransparenz bei der Platzvergabe, dem Gefühl von der Stadt alleine gelassen zu werden. Beide Familien glauben, nur noch mit anwaltlicher Hilfe gegen die Ungerechtigkeit ankämpfen zu können.

Bauliche Lösungen sind kaum kurzfristig umzusetzen.
Patrick Ortmanns, Stadtsprecher

Die Stadt dagegen will gegenüber dieser Zeitung keine Planungsfehler einräumen. „Bauliche Lösungen sind kaum kurzfristig umzusetzen“, sagt Stadtsprecher Patrick Ortmanns, aber die Stadtverwaltung würde „kontinuierlich“ an der Schaffung von neuen Plätzen für den offenen Ganztag arbeiteten. Insgesamt 32 Erstklässler sind momentan noch unversorgt, berichtet Ortmanns. Unabhängig vom individuellen Rechtsanspruch des Kindes vertreten durch seine Eltern, bestehe jedoch auch eine objektiv-rechtliche Verpflichtung des Jugendamtes, „ausreichend und am Bedarf orientierte OGS-Plätze zu schaffen“, räumt die Stadtverwaltung ein.

Trotzdem sind in Moitzfeld 13 i-Dötzchen bislang noch unversorgt, sieben sind es in Heidkamp, vier in Hand, jeweils drei in Frankenforst und Paffrath sowie zwei an der OGS Steinbreche in Refrath. „Wir sind im Austausch mit den OGS-Trägern in Bezug auf eine mögliche kurzfristige Erweiterung des Angebots“, versichert Ortmanns. Für Kinder der Klassenstufen zwei bis vier schießt die Zahl fehlender OGS-Plätze stadtweit auf 157 Plätze in die Höhe.

Betroffenen Familien da gar nichts anzubieten, tut mir leid, das verstehe ich nicht. Das Problem wird einfach ausgesessen.
Jennifer Hamel, betroffene Mutter

Als Grund nennt die Stadt: Erstklässler müssten aufgrund des Rechtsanspruchs bei der Platzvergabe bevorzugt werden, so sähen es die kürzlich im Jugendhilfeausschuss verabschiedeten Aufnahme- Kriterien vor. „Von daher kann es sein, dass ein Kind, beziehungsweise die Eltern im letzten Schuljahr die Information erhalten haben, in diesem Schuljahr berücksichtigt zu werden, das Kind sich jetzt aber im zweiten Schuljahr befindet und aufgrund des bundesrechtlich vorgegebenen Rechtsanspruchs keinen Platz erhält“, erklärt Ortmanns.

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„Das ist ein absolutes Unding“, sagt Jennifer Hamel. Die dreifache Mutter aus Moitzfeld ist von der Reaktion der Verwaltung enttäuscht: „Ich hätte von der Stadt erwartet, dass sie sagt, was sie jetzt zu tun gedenkt.“ Insgesamt fast 190 Plätze, die fehlen, dies sei in ihren Augen eine richtige Pleite: „Betroffenen Familien da gar nichts anzubieten, tut mir leid, das verstehe ich nicht.“ Stattdessen passiere nichts: „Das Problem wird einfach ausgesessen.“

Die Grundschule in Moitzfeld hat seit Jahren große Platznot

So habe sie jetzt einen Sohn hier, den anderen da. Hamels jüngerer Sohn, Erstklässler, bekommt einen Platz in der OGS, dagegen sind die Chancen für den mittleren Sohn, der ab Sommer die zweite Klasse besucht, für die kommenden drei Schuljahre Jahre aussichtslos. Der eine hat eine Ferienbetreuung, der andere nicht: „Und nach der zweiten Klasse habe wir dann für unseren Älteren gar keine Betreuung mehr.“ Denn in Moitzfeld gibt es ab der 3. Klasse dann noch nicht einmal eine Randstundenbetreuung.

Die Grundschule in Moitzfeld gehört zu den Schulen in der Stadt, wo die Platznot seit Jahren besonders groß ist. Im kommenden Schuljahr, so die Verwaltung, komme erschwerend dazu, dass die Grundschule eine dritte Eingangsklasse aufnehme. Die räumlichen Kapazitäten insbesondere in Bezug auf die Essenversorgung würden nicht ausreichen. Die Stadt bestätigt zudem, dass in den vergangenen Jahren Kinder aus Bensberg aufgrund dort fehlender Kapazitäten an der GGS Moitzfeld eingeschult worden seien. „In diesem Jahr wurden die Schulplätze aber zum großen Teil an Kinder aus Moitzfeld vergeben“, betont die Verwaltung, ohne Zahlen zu nennen.

Wir können jetzt nur noch abwarten, was unsere Klage bringt
Jennifer Hamel, betroffene Mutter

Warum Bensberger Familien sogar Extra-Sozialpunkte bei der Vergabe erhalten, diese Frage beantwortet die Stadtverwaltung ebenso wenig wie die Frage, warum kurzfristige Lösungen wie etwa die Nutzung des Pfarrsaals für den Mittagstisch oder das Aufstellen eines Containerbaus nicht schon längst in Angriff genommen worden sind. Eltern und der Verein „Ein Haus für die Jugend“ als Träger der OGS sind es gewesen, die diese Ideen ins Spiel gebracht haben.

Hamels Mann hat vor zwei Wochen einen Brief an den Leiter der zuständigen Abteilung geschrieben. Eine Antwort liegt immer noch nicht vor. „Wir können jetzt nur noch abwarten, was unsere Klage bringt“, ärgert sich Jennifer Hamel.