Die Gedenktafel erinnert an Maria Herbrand, die 1941 im Rahmen der „Aktion T4“ der Nationalsozialisten vergast wurde.
ErinnerungskulturRefrath bekommt einen neuen Stolperstein

Ein Stolperstein für Maria Herbrand wurde in Refrath verlegt. Ihre Urenkelin Claudia Wiskirchen kennt sie nur von einem Foto.
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Claudia Wiskirchen hält einen grünen Beutel in der Hand. Darin ist ein kleiner Rosenkranz. Den wird sie gleich herausholen. Für die 61-Jährige ist es ein bewegender Moment, der gleich kommt. Sie holt den Namen ihrer Urgroßmutter Maria Herbrand zurück in ihren Heimatort an die Stelle, wo einst ihr Ehemann Lehrer an der Volksschule war. Heute ist der Standort als Kreativitätsschule in der Stadt bekannt.
Claudia Wiskirchen kannte ihre Urgroßmutter nur von einem Foto, das im Schlafzimmer ihrer Eltern hing: „Ihr Blick hat mich immer gefesselt. Und ich habe mich gefragt: Was hast du erlebt?“ Über ihren Leidensweg sei in der Familie nie gesprochen worden. Deshalb machte sich die Urenkelin auf den Weg, um mehr über ihr Schicksal zu erfahren.
Maria Herbrand wurde 1889 als eines von neun Kindern geboren
Maria Herbrand wurde am 2. Mai 1941 in Hadamar vergast, im Rahmen der sogenannten „Aktion T4“, verantwortlich für den systemischen Massenmord an mehr als 70.000 Menschen mit körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderungen sowie psychischen Erkrankungen.
Jetzt ist es 11 Uhr: Frank-Matthias Mann ist mit seinem roten Transporter vorgefahren, sein Werkzeug liegt schon bereit. Er macht sich sofort an die Arbeit, während Claudia Wiskirchen in einer kleinen Ansprache die Lebensstationen ihrer Uroma nachzeichnet: „Sie hatte kein einfaches Leben.“ Maria Herbrand wurde 1889 als eines von neun Kindern geboren. Ihre Mutter und vier Geschwister waren schon tot, als sie mit 20 Jahren den Lehrer Josef Herbrand heiratete. Sie bekam zwei Töchter und zog mit ihrem Mann zweimal um. Im Ersten Weltkrieg musste der Volksschullehrer an die Front. 1925 wurde ihr Ehemann dann nach Refrath versetzt, wo die Familie in die Lehrerwohnung der Volksschule einzog.
Was sie bei den letzten Schritten ihres Lebens wohl dachte oder empfand? Ich möchte mir das noch nicht einmal vorstellen
„Ob die Umbrüche, die Trauerfälle oder andere Gründe dazu führten, dass meine Uroma Maria psychische Auffälligkeiten zeigte, ist nicht bekannt“, sagt Claudia Wiskirchen. Aber in den 1930er Jahren wurde sie in die Heilanstalt Galkhausen bei Langenfeld aufgenommen.
Am 2. Mai 1941 wurde sie nach Hadamar, Tötungsanstalt im Rahmen der NS-Euthanasie, gebracht: Sie habe 16 Stufen hinunter in den Keller hinabsteigen müssen, wo die als Duschkabine getarnte Gaskammer auf sie gewartet habe. „Was sie bei den letzten Schritten ihres Lebens wohl dachte oder empfand? Ich möchte mir das noch nicht einmal vorstellen“, sagt die Urenkelin.
Tafeln „tragen dazu bei, die Gedächtniskultur wachzuhalten“
„Die kleinen Gedenktafeln im Boden finde ich richtig gut“, sagt Sigrid Brenner, Leiterin der Kreativitätsschule, „sie tragen dazu bei, die Gedächtniskultur wachzuhalten.“ Für ihre Einrichtung würde sich die Chance bieten, mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ins Gespräch zu kommen: „Ich hoffe viele Menschen werden über sie stolpern und zu einem Austausch anregen.“
„Für mich ist der kleine Würfel wie ein Grabstein, den meine Uroma ja nie hatte“, meint Claudia Wiskirchen. Sie vermutet, dass ihre Asche im Massengrab entsorgt worden sei.
