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AktionstagTagesmütter werben für ihre Arbeit in der Gladbacher Fußgängerzone

3 min
Um den Stand der Tagesmütter stehen viele Personen und unterhalten sich.

Viele Besucher waren zum Aktionstag gekommen.

Das Thema lautet „Rückenwind statt Gegenwind“, womit die Tagesmütter sowie -väter auf sich und ihre Probleme aufmerksam machen wollten.

Ihre wertvolle Arbeit für die breite Masse sichtbar machen, das war das Ziel der Interessengemeinschaft Kindertagespflege Bergisch Gladbach. Dafür präsentierte sie sich mit einem Stand in der Fußgängerzone.

Das Thema lautet „Rückenwind statt Gegenwind“, womit die rund 84 Tagesmütter sowie -väter auf sich und ihre Probleme aufmerksam machen wollen. „Wir haben das Gefühl, von politischer Seite als Notlösung gesehen zu werden, dabei wollen und müssen wir gar nicht in Konkurrenz mit den Kitas stehen. Wir haben viel eingefangen, jetzt werden überall Kitas gebaut und wir links liegen gelassen“, so Jenni, Sarah und ihre Mitstreiter der Interessengemeinschaft.

Eltern „haben Angst, keinen Anschlussplatz zu bekommen“

Genügend Betreuungsplätze für alle Kinder seien in der Stadt nämlich vorhanden, bevorzugt würden in den Kindergärten mittlerweile allerdings oft Kinder unter drei Jahren, weil sie den Einrichtungen mehr Geld bringen. Jedoch dreht es sich hierbei um genau die Altersgruppe, die die Kindertagespflege hauptsächlich anspricht.

„Es wurde mit Wachstum gerechnet, den wir nicht haben. Wirtschaftlich ist es nicht tragbar für uns, sich nur auf Ü-3-Plätze zu konzentrieren, dafür ist die Förderung zu gering. Tagesmütter und -väter, die nicht voll besetzt sind, verdienen zudem nicht genug Geld, um davon zu leben“, kritisieren sie das System. „Auch bei den Eltern ist das noch nicht angekommen und sie haben oft Angst, nach der Zeit in der Kindertagespflege keinen Anschlussplatz mehr im Kindergarten zu bekommen.“

Tagesmütter „sind viel näher am Kind, arbeiten in kleinen Gruppen“

In ihrem Modell sehen Jenni, Sarah und die anderen jede Menge Vorteile für den Nachwuchs sowie die Familien. „Wir sind viel näher am Kind, arbeiten in kleinen Gruppen mit maximal fünf Kindern, bindungsorientiert und flexibler. Wir können so ganz anders auf die Bedürfnisse der Kinder eingehen. Die Kindertagespflege wurde in den letzten 20 Jahren extrem professionalisiert und es gibt keinen schöneren Beruf, den ich mir für mich vorstellen könnte“, sagt Jenni.

„Ich biete Einzeltagespflege an, der ‚Fuchsbau‘ ist in meinen eigenen Räumlichkeiten in Herkenrath. Von 7 bis 15 Uhr bin ich alleine mit fünf Kindern. Wir gehen viel raus, die Musikschule kommt zu uns, wir turnen. Es ist also längst mehr als nur spielen hinter dem Herd“, fügt sie hinzu.

300 Stunden Unterricht sind für die Ausbildung Voraussetzung

„Jedes Konzept ist anders, zu mir passen Kinder ab zwei Jahren, Ende offen. Ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen. Der Beruf macht mich glücklich. Deswegen kämpfen wir alle darum, damit wir bestehen bleiben“, so die junge Frau, die zunächst Erzieherin gelernt hat, sich aber in der bisherigen Form nicht mehr vorstellen konnte, so zu arbeiten. 300 Stunden Unterricht sind für die Ausbildung für künftige Tagesmütter und -väter Voraussetzung, Fortbildungen jährlich. Und was, wenn sie mal als Einzeltagespflegerin ausfallen sollte? „Wir sind in der Interessengemeinschaft gut miteinander vernetzt“, so Jenni.

Mit dem Andrang und dem Interesse der Besucher am Stand zeigten sich die Mitglieder der Interessengemeinschaft zufrieden. „Wir konnten den Leuten viele Fragen beantworten, aufzeigen, was sie noch nicht wussten, wo sie sich melden können, wenn sie Bedarf haben und den Kindern eine Freude machen. All das ist uns heute geglückt“, resümierten Jenni und Sarah.