Die heißen Temperaturen an Pfingsten schreckten die Besucher der Kirmes nicht im Geringsten ab.
FreizeitEin Spektakel in Gladbachs Stadtmitte bei der Pfingstkirmes

Fäßchen anstechen: Das stand in diesem Jahr auf der To-Do-Liste von Gladbachs Bürgermeister Marcel Kreutz (2.v.l.) und Kirmesorganisator Burkhardt Unrau ( 1.v.l.).
Copyright: Christopher Arlinghaus
Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen über 30 Grad zum Trotz drängten sich am Samstagvormittag die Kirmesfans auf dem Konrad-Adenauer-Platz. Ehrenschausteller Burkhardt Unrau, seine Gäste aus der Lokalpolitik, Kreisdechant Norbert Hörter und Bürgermeister Marcel Kreutz schickten sich an, Punkt 12 Uhr die diesjährige Pfingstkirmes zu eröffnen.
„Es ist alles angerichtet“, verkündete der „Kirmesmacher“, wie schon seit vielen Jahrzehnten. Alles wie immer? Nicht ganz. Denn auch die 184. Kirmeseröffnung in Bergisch Gladbach brachte Neues mit sich. Neben Burkhardt Unrau stand diesmal sein „neunter Bürgermeister“. Für Marcel Kreutz war es die erste Kirmeseröffnung im Amt – eine Aufgabe, die ihm sichtlich Freude machte. Mit einem Augenzwinkern und Blick auf Arne von Boetticher ergänzte Unrau: „Auch der Landrat ist neu.“
Schausteller sind Weltkulturerbe
Besonders stolz verkündete Unrau: „Die Schausteller sind seit dem 27. März Weltkulturerbe.“ Die Anerkennung durch die Deutsche UNESCO-Kommission sei dabei Auftrag und Versprechen zugleich für eine Kultur, die seit gut 1200 Jahren Menschen verbinde und begleite. Gleichzeitig nutzte er die Gelegenheit für mahnende Worte. Mit der Auszeichnung müsse ein „klarer Auftrag an Schausteller und Gesellschaft“ verbunden werden, verlässliche Rahmenbedingungen für Volksfeste und deren dauerhaften Erhalt zu schaffen. Weite Anfahrten, stark gestiegene Transportkosten sowie immer umfangreichere Vorschriften und Auflagen bereiteten der Branche große Sorgen. „Wenn das nicht besser wird, wird es schon bald keine Weltkultur-Schaustellerei mehr geben“, warnte Unrau.
Für ihn ist die Kirmes weit mehr als nur ein Freizeitangebot: „Sie ist Begegnung, Austausch und gelebte Gemeinschaft.“ Mit jährlich rund 200 Millionen Besuchern präge diese Kultur das gesellschaftliche Leben wie kaum eine andere. Sie vermittle Freude, Integration und schaffe Erinnerungen über Generationen hinweg. Dann fand „Mr. Kirmes“ wieder versöhnlichere Töne und rief Kinder wie Erwachsene dazu auf, gemeinsam eine friedliche und fröhliche Kirmes zu feiern.

Zu Gast war auch Rhein-Bergs Landradt Arne von Boetticher (rundes Bild).
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Kreisdechant Norbert Hörter erinnerte an die Wurzeln der Pfingstkirmes, die aus dem Schützenfest der Schützenbruderschaft St. Laurentius hervorgegangen ist und seit jeher Gemeinschaft vermitteln solle. Er wünschte den Schaustellern und allen Menschen in der Stadt „ganz, ganz viel Gemeinschaft miteinander“, damit es gelinge, „die Probleme des Alltags einmal hinter sich zu lassen und mit Freude im Herzen gemeinsam zu feiern“.
Viele Besucher verbanden mit der Kirmes persönliche Erinnerungen. Für Helene Hammelrath, die seit vielen Jahren zur Eröffnung kommt, war es früher stets ein Höhepunkt, wenn ihre älteren Geschwister ihr eine Fahrt im Autoscooter ermöglichten. „Aber total glücklich war ich immer auf dem Kinderkarussell“, erzählte sie schmunzelnd. Eine Besucherin, inzwischen Großmutter, erinnerte sich daran, wie ihre beiden Söhne im Kindergartenalter vor rund 25 Jahren darum stritten, wer zuerst in das Feuerwehrauto auf eben diesem Karussell steigen durfte, das noch heute fast unverändert seine Runden dreht.
Ein Fest der Erinnerungen
„Wenn ich an Kirmes denke, fallen mir leuchtende Kinderaugen und Familien ein, die einfach eine Auszeit vom Alltag nehmen“, sagte Landrat Arne von Boetticher. Auch er verbindet mit dem Volksfest Kindheitserinnerungen und besondere Momente mit der Familie: „Es freut mich sehr zu sehen, wie sich das heute mit meinen eigenen Kindern wiederholt.“
Eine Besucherin erinnerte sich daran, Ende der 1990er-Jahre stets eine kleine Fußbank mitgebracht zu haben, damit ihr Sohn hoch genug stand, um erste Erfolge am Schießstand erzielen zu können. Ein junger Mann, heute beruflich weltweit unterwegs, erzählte, dass er noch immer einen Chip des Kinderfliegers zu Hause aufbewahre, mit dem er früher so gerne gefahren sei.

Großer Beliebtheit erfreut sich die Pfingstkirmes in Bergisch Gladbach seit Generationen.
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Martin Lucke wiederum bewundert heute vor allem die logistische Leistung und aufwendige Arbeit der Schausteller sowie den besonderen Trubel jeder Kirmes. „Aber jedes Mal, wenn ich den Duft von gebrannten Mandeln rieche, fühle ich mich wieder wie damals, als ich mit großen, staunenden Augen vor dem Riesenrad stand“, sagte er. „Besonders freut es mich, diese Faszination heute wieder in vielen Kinderaugen zu sehen.“
Für Caroline Bosbach ist die Kirmes ebenso eng mit Erinnerungen an Kindheit, Jugend und „Heimatgefühl pur“ verbunden. Dabei denke sie auch oft an Burkhardt Unrau, „der diese Kirmes seit Jahrzehnten mit unglaublichem Herzblut zusammenhält“.
Bürgermeister Marcel Kreutz freute sich, dass „die Familienkirmes hier mitten im Ort ausgerichtet wird und Bekannte aus allen Stadtteilen gekommen sind.“ Als Zeichen der Anerkennung für Unraus großes Engagement und stellvertretend für alle städtischen Kolleginnen und Kollegen, „die hinter den Kulissen für Sicherheit und einen reibungslosen Ablauf der Kirmes sorgen“, überreichte er „Mister Kirmes“, eine Miniatur des Bergisch Gladbacher „Selfie-Herzens“. Danach eröffnete er mit einem vorangegangenen Unrau-Zitat die Pfingstkirmes: „Seid lieb zueinander, aber feiert trotzdem schön ausgelassen bis Dienstagabend.“
