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Vier Tote, ein junger FahrerEin Jahr nach der Tragödie im Dürschtal trauert eine ganze Region

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Eine Gedenkstätte für vier junge Unfalltodesopfer steht neben der Dürschtalstraße im Wald.

Zeichen der Trauer: Seit dem 16. August 2025 ist in der Kurve der Dürschtalstraße kaum noch etwas, wie es war. Auch am ersten Jahrestag kamen viele Menschen zur Unfallstelle.

Vier Jugendliche verloren ihr Leben – bis heute wirkt der Unfall in der Region nach – Leitplanke fehlt weiterhin.

Kerzen, Blumen, Kreuze – die Stelle im Dürschtal ist seit einem Jahr nicht mehr einfach nur eine Kurve an einer Landstraße. Am 16. August 2025 endete hier das Leben von vier jungen Menschen im Alter von 14 bis 19 Jahren. An diesem Sonntag jährte sich der schwere Verkehrsunfall bei Kürten-Dürscheid zum ersten Mal.

Eine Warntafel steht in einer Kurve der Dürschtalstraße. Im Graben neben der Straße ist eine Gedenkstätte für hier ums Leben gekommene Teenager zu sehen.

Bis heute fehlt eine Leitplanke an der Außenseite der Unfallkurve vom 16. August 2025

„Vier Lebensläufe, unvergessen“, schreibt Trauerbegleiterin Stephanie Witt-Loers zum Jahrestag. Sie möchte an die jungen Menschen erinnern, „die ihr Leben und ihre Träume für immer verloren haben“. Bei vielen hätten sie Spuren hinterlassen und lebten in Erinnerungen weiter. Gleichzeitig blieben „der tiefe Schmerz, das Vermissen und das Leid“.

Vier Teenager aus Bergisch Gladbach, Overath und Köln starben bei verheerendem Unfall im Dürschtal

Es war gegen 4.30 Uhr am 16. August 2025, als ein mit fünf jungen Menschen besetzter Toyota auf der Dürschtalstraße zwischen Kürten-Dürscheid und Overath von der Fahrbahn abkam und gegen einen Baum prallte. Zwei 19-Jährige sowie zwei Mädchen im Alter von 14 und 16 Jahren starben noch an der Unfallstelle. Der damals 16 Jahre alte Fahrer, der keine Fahrerlaubnis besaß, überlebte schwer verletzt.

Stephanie Witt-Loers steht im Sargraum eines Bestatters.

Trauerbegleiterin Stephanie Witt-Loers bot nach dem tödlichen Unfall vor einem Jahr Hilfe für die Hinterbliebenen an.

Die Tragödie erschütterte weit über Kürten hinaus. Schon wenige Stunden später legten Menschen Blumen nieder und stellten Kerzen auf. Freunde, Mitschüler, Sportkameraden und Familien mussten mit einem Verlust umgehen, der von einem Moment auf den anderen in ihr Leben gebrochen war.

Schulen nutzen Angebote zur Trauerbegleitung für Freunde und Mitschüler der Verstorbenen

Eine, die damals schnell reagierte, war Stephanie Witt-Loers. Die Bergisch Gladbacher Trauerbegleiterin richtete mit „#NotAlone“ eine Anlaufstelle für betroffene Jugendliche ein und beriet Schulen. Auch Vereine und Familien nahmen Unterstützung in Anspruch.

Ein Gedenkkreuz steht im Graben neben der Dürschtalstraßen-Kurve, in der am 16. August 2025, vier junge Menschen starben.

Im Herbst 2026 soll der Prozess um den tödlichen Unfall aus dem August 2025 beginnen.

Zum Jahrestag richtet Witt-Loers den Blick besonders auf die Angehörigen: „Lasst uns besonders in Gedanken bei den Familien sein, deren Kinder und Geschwister zu Tode gekommen sind.“ Die vier Todesfälle zeigten, „wie wertvoll und wie zerbrechlich das Leben ist“. Ihr Appell: „Wir sollten es schätzen, schützen und füreinander da sein.“

Auch juristisch ist die Tragödie noch nicht abgeschlossen. Gegen den jungen Fahrer soll im Herbst der Prozess beginnen. Weil er zum Unfallzeitpunkt minderjährig war, soll die Verhandlung nach den Regeln des Jugendstrafrechts weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Nach den bisherigen Ermittlungen soll der Wagen mit hoher Geschwindigkeit unterwegs gewesen sein.

Wegen der fehlenden Schutzplanken entlang der Dürschtalstraße gilt weiterhin Tempo 50

Nach dem Unfall war zudem über die Verkehrssicherheit auf der Dürschtalstraße diskutiert worden. An der Außenseite der Kurve, in der das Auto von der Straße abkam, fehlte seit Jahren eine Schutzplanke. Nach einer früheren Straßensanierung hatten dort wegen Versorgungsleitungen keine neuen Planken montiert werden können. Bis heute fehlen sie.

Ein Tempo-50-Schild steht an der Dürschtalstraße. Darunter der Hinweis „Fehlende Schutzeinrichtung“.

Wegen der seit Jahren entlang der Dürschtalstraße vielerorts  fehlenden Schutzplanken gilt weiterhin Tempo 50 auf der Landstraße. Aber viele halten sich nicht daran.

Ob eine Schutzplanke den Unfall oder seine schweren Folgen hätte verhindern können, ist allerdings offen. Angesichts der mutmaßlich hohen Geschwindigkeit des Autos wäre eine solche Schlussfolgerung spekulativ. Nach dem Unfall wurde die zulässige Geschwindigkeit in der Kurve für einige Monate auf Tempo 30 reduziert.

Lasermessungen zeigten: Etliche Autofahrer sind auf der Dürschtalstraße deutlich zu schnell unterwegs

Messungen zeigten später, dass auch auf dem übrigen Teil der Landstraße, auf der wegen der an mehreren Stellen fehlenden Leitplanken Tempo 50 gilt,   etliche Verkehrsteilnehmer deutlich zu schnell unterwegs sind. Für Angehörige und Freunde aber ging es an diesem Sonntag nicht um Leitplanken, Ermittlungen oder einen bevorstehenden Prozess. Es ging und geht um vier Menschen, die fehlen.

Trauerbegleiterin Stephanie Witt-Loers und ihre Mitstreiter unterstützen weiterhin trauernde Kinder, Jugendliche und Familien im Projekt „Leben mit dem Tod – trauernde Familien begleiten“. Das Angebot ist kostenfrei und wird von ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren getragen. Am ersten Jahrestag steht vor allem die Erinnerung: an vier junge Menschen, an ihre Familien und Freunde – und an all das, was für sie noch vor ihnen lag. „Vier Lebensläufe, unvergessen.“