Seit Jahren ist er Tradition, der „Eichthaler Archäologie-Tag“. Dann erlaubt Amt für Bodendenkmalpflege einen Einblick in seine Arbeit.
Geschichte vor der Haustür Archäologen auf Gut Eichthal machen verborgene Schätze sichtbar

Gruben beim Archäologietag ein Gefäß aus: die Zwillinge Jonathan und Cornelius.
Copyright: Christoph Konkulewski
Der Boden vergisst nichts. Man muss ihn nur lesen können. Genau das tut das Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland. Am Wochenende tat es das nicht im stillen Kämmerlein, sondern dort, wo Geschichte greifbar wird: auf Gut Eichthal in Overath. Zum „Eichthaler Archäologie-Tag“ – einer Tradition, die das Amt hier seit mindestens 1998 alle zwei Jahre pflegt. Das Ziel heißt aufklären, gewiss. Vor allem aber zeigen, was unsichtbar unter den Füßen liegt.
Wer Archäologie für eine verstaubte Wissenschaft hält, bei der Gelehrte im Schlamm hocken, wurde auf Gut Eichthal eines Besseren belehrt. Die Leiterin des Amtes Dr. Yvonne Weiler-Rahnfeld erzählt begeistert was es an diesem Tag alles gibt: Die Archäologinnen und ehrenamtlich Engagierten der Außenstelle zeigen in einer eigenen kleinen Ausstellung die neuesten Funde aus ihrem Arbeitsgebiet. Die aktuellsten Forschungsergebnisse wurden zudem in einem umfangreichen Vortragsprogramm mit Themen von der Steinzeit bis zum Zweiten Weltkrieg präsentiert. Und nicht nur das: Mit Hilfe von naturwissenschaftlichen Analysemethoden zeigen Experten der Paläontologie, Geoarchäologie und Archäobotanik sogar Ausschnitte aus der Jahrmillionen alten Geschichte des Bergischen Landes.
Eine Wurfmaschine präsentierte der Archäologie-Tag den Besuchern
Was die Besucher außerdem lernen konnten: Geschichte ist kein Zustand. Geschichte ist Wucht. Besonders spürten das Kinder und Erwachsene an der Wurfmaschine. Ein hölzernes Ungetüm, das mit schierer Hebelkraft schwere Geschosse gegen eine Mauer schleuderte, die man zu jeder Demonstration wieder aufbaute.

Eine Wurfmaschine galt es auf Gut Eichthal zu bestaunen.
Copyright: Christoph Konkulewski
Ab und zu krachte ein gewaltiger Böller. Er simulierte die Weiterentwicklung. Irgendwann musste man den Zug nicht mehr aufwendig spannen. Die Schwarzpulvermischung sorgte für die Beschleunigung. Das Gemisch aus Steinen und Metall wurde auf die Angreifer geschossen.
Ein kleiner Stand machte die Entwicklung von Feuerwaffen greifbar
Was aussieht wie ein Spektakel für Schaulustige, ist experimentelle Archäologie. Hier wird bewiesen, wie viel Zerstörungskraft die Belagerungs- und Verteidigungstechniken vergangener Jahrhunderte tatsächlich besaßen. Wenn die Steine einschlagen, begreift der Betrachter das Mittelalter besser als durch jedes Lehrbuch.
Jochen Ponjée zeigt an seinem kleinen Stand die Entwicklung der kleinen Feuerwaffen. Ein Sprichwort wie „Du hast nichts auf der Pfanne“ hat hier seinen Ursprung. Der Soldat hatte kein Schwarzpulver mehr auf der Pfanne, konnte seine Waffe nicht mehr zünden. Oder „der hat Lunte gerochen“: Die Lunte, mit der das Schwarzpulver gezündet wurde, hatte einen besonderen Geruch. Stand der Wind schlecht, roch der Feind die Lunte.
Unter jedem Neubau liegt eine Schicht Heimat
Wenige Meter weiter: die Archäologen von morgen. Das Amt hatte ein eigenes Grabungsareal für Kinder eingerichtet. Ausgestattet mit Kellen und Bürsten buddelten sie nach den Spuren von gestern.

Jochen Ponjée zeigte an seinem Stand die Entwicklung kleiner Feuerwaffen.
Copyright: Christoph Konkulewski
Die Zwillinge Jonathan und Cornelius zeigen selbstbewusst das Gefäß, das sie mit Begeisterung ausgegraben haben. Wer als Kind den Stolz spürt, ein Stück Vergangenheit aus der Erde zu befreien, versteht später, dass unter jedem Neubau eine Schicht Heimat liegt, die Schutz braucht.
Video zeigt ein Bodendenkmal aus Meerbusch
Das Amt selbst steuerte die zentrale Ausstellung bei, um über die Aufgaben der Denkmalpflege im Rheinland zu informieren. Einmal sieht man das Video eines Bodendenkmals aus Meerbusch: Im Frühmittelalter eine Machtzentrale, eine Motte , oder präziser – eine Turmhügelburg. In den Schaukästen erkennt man einen römischen Helm. Oder Steine, die nicht natürlich gebrochen sind, sondern als Werkzeug genutzt und bearbeitet wurden.
Draußen gießt Adrian Gujahr eine Brosche aus karolingischer Zeit. Er selbst hat sie gefunden und daraus ein Negativ aus Fimo (eine Art Kunststoff) gefertigt. Nun kann er die Scheinfibel, oder einfach Fibel genannt, nachgießen. Im Original fehlte der Emailleschmuck, der nun ergänzt wird. Poliert und geschliffen zeigt das Stück wieder seine alte Pracht.
Die Kernbotschaft: Geschichte findet nicht irgendwo statt
Flankiert wurde die Schau von lokaler Expertise: Der Bergische Geschichtsverein dokumentierte an seinem Stand die Entwicklung des Erzreviers Bensberg. Im Mittelpunkt dabei: der Lüderich, die ganz in der Nähe liegende, prominenteste Grube der Region. Ein Mahnmal des Bergbaus, das über Jahrhunderte das Leben der Menschen prägte.
Die Kernbotschaft dieses Tages auf Gut Eichthal: Geschichte findet nicht irgendwo statt. Sie wartet direkt unter dem Rasen.
