Landesligaabstieg des BCV in die Kreisliga bringt FC Berrenrath in Not
Undurchsichtige InstanzenDie Causa Viktoria Glesch-Paffendorf spitzt sich zu

Der Auslöser einer Debatte der Instanzen um Gerechtigkeit im Fußball ist die Viktoria aus Glesch-Paffendorf (in Gelb).
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In wenigen Tagen starten die Amateur-Fußballer des Kreises in den Ligabetrieb der Spielzeit 2026/27 und streben dabei größtmögliche Erfolge an. Eigentlich könnten die Kreis-Vereine mit ihren Fußballern dabei voller Vorfreude auf das Ende der fußballfreien Zeit blicken. Der ein oder andere Verein aus der Kreisliga A bis zur Kreisliga D ist aktuell allerdings nicht gut auf die Verantwortlichen des Fußballkreises Rhein-Erft und des Fußball-Verbands Mittelrhein (FVM) zu sprechen, weil nicht jeder glücklich darüber ist, unter welchen Vorzeichen der Landesliga-Absteiger BC Viktoria Glesch-Paffendorf einen Platz in der Kreisliga A vorgefunden hat.
Was ist die Vorgeschichte
Zum Ende der zurückliegenden Spielzeit hätte Glesch-Paffendorf als Tabellenletzter der Landesliga, Staffel 2, eigentlich nur den Abstieg in die Bezirksliga antreten müssen. Für die Vereinsverantwortlichen aus Bergheim war jedoch vor dem feststehenden Abstieg klar, dass der Herrenbereich aus mehreren Gründen einen kompletten Neustart braucht. Frühzeitig wurde daher unter anderem der Plan aufgestellt, dass die 1. Herren des BCV im Falle eines Abstieges den Platz der 2. Herren in der Kreisliga A übernehmen sollten.
Zwei Abstiege in einer Spielzeit
Da allerdings auch die Reserve aus Glesch-Paffendorf nach dem Saisonende einen Abstiegsplatz innehatte und somit in die Kreisliga B hätte heruntergehen müssen, musste der BCV seinen Ligaverbleib in der Kreisliga A letztendlich per Antrag absichern. Das blieb allerdings nicht folgenlos für andere Vereine: So musste unter anderem die SpVg Frechen 20 III in der Kreisliga A als 13. der Tabelle einen Abstieg hinnehmen, obwohl diese Platzierung im Normalfall für den Klassenerhalt ausreichend ist.
Mit welcher Begründung der FVM dem Antrag des BCV stattgab, das ist allem Anschein nur dem FVM und dem Antragssteller bekannt. So schildert Andreas Erdmann, Geschäftsführer des Fußballkreises: „Über einen solchen Antrag entscheidet nicht der Fußballkreis Rhein-Erft. Die Prüfung und Entscheidung obliegt dem Präsidium des Fußball-Verbandes Mittelrhein. Auch die konkreten Gründe, mit denen der BCV Glesch-Paffendorf seinen Antrag begründet hat, liegen dem zuständigen Präsidium des FVM vor. Der Fußballkreis Rhein-Erft hat keinen vollständigen Einblick in diese Antragsbegründung und kann daher weder die Beweggründe des Vereins bewerten noch hierzu Auskünfte erteilen.“
Die Begründung des Verbandes wirft Fragen auf
Nach der Entscheidung des FVM sei der Fußballkreis lediglich dazu verpflichtet, diese Entscheidung entsprechend der geltenden Ordnungen in seinem Spielbetrieb umzusetzen, so Erdmann weiter. Großes Unverständnis Die Aussagen Erdmanns und die Entscheidung des FVM lösen bei Dirk Heller, Vereinsvorsitzender des FC Berrenrath aus der Kreisliga D, wenig Verständnis aus. Seine Berrenrather fielen aufgrund der Zustimmung für den Glescher Antrag aus der Kreisliga C, wogegen die Hürther ihrerseits alle möglichen Mittel in die Hand nahmen, um den Abstieg ebenfalls per Antrag zu verhindern – allerdings erfolglos. Dirk Hellers Vorwurf in Richtung der Verbände und des BCV Glesch-Paffendorf lautet daher grob zusammengefasst: Das aktuelle System und die Verbände schützen Vereine, die sich verhoben haben und bietet ihnen ein Fallnetz.

Dirk Heller, der Vorsitzende des FC Berrenrath.
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„Solide wirtschaftende Vereine wie der FC Berrenrath, bei denen kein Spieler Geld bekommt, sondern alle noch Mitgliedsbeiträge zahlen, um überhaupt kicken zu dürfen, zahlen dafür die Zeche“, zeigt der Berrenrather auf und befindet weiter: „Wenn der Kreis diese eklatante Ungerechtigkeit mit einem Achselzucken und dem Verweis auf starre Satzungen abtut, verliert der Verband an der Basis jegliche moralische Glaubwürdigkeit. Ich kämpfe hier für jeden einzelnen Verein in unserem Kreis. Denn nächstes Jahr steht der nächste Verein vor finanziellen Trümmern, zieht kurzfristig zurück, zerschlägt die Ligen, die Strukturen und reißt wieder den nächsten grundehrlichen, solide wirtschaftenden Amateurverein mit in den Abgrund. Wenn wir diesen Wahnsinn und diese ‚Nach-uns-die-Sintflut-Mentalität‘ jetzt einfach so hinnehmen, können wir die Schlüssel für den gesamten Kreis-Fußball bald direkt beim Verband abgeben.“
Der Fußballkreis Rhein-Erft sieht trotz der Vorwürfe aus Berrenrath derzeit keinen direkten Handlungsbedarf, um Änderungen an dem bestehenden System voranzutreiben. „Die gültigen Satzungen und Ordnungen des WDFV und des FVM sind für uns verbindlich und bilden die Grundlage eines einheitlichen und rechtssicheren Spielbetriebs. Unabhängig davon ist es selbstverständlich legitim, nach einem solchen Fall zu prüfen, welche Auswirkungen bestehende Regelungen in der Praxis haben und ob sich daraus Änderungs- oder Diskussionsbedarf ergibt. Die Erfahrungen und Rückmeldungen unserer Vereine nehmen wir dabei ernst und werden diese auch gegenüber den zuständigen Stellen entsprechend einbringen“, verspricht Andreas Erdmann.
Verärgerung der Berrenrather nur allzu verständlich
Wirklich ernstgenommen fühlte sich der FC Berrenrath um Dirk Heller in dieser Sache bislang allerdings noch nicht. Und so schiebt der Vereinsvorsitzende zur bisherigen Kommunikationskultur zwischen Verein und Verband abschließend kritisch nach: „Der Kreis duckte sich weiterhin weg, hat unser Angebot zu einem Gespräch bis heute nicht angenommen und tritt somit das Ehrenamt mit Füßen. Ich ärgere mich bisher am meisten darüber, das keiner der Verantwortlichen es geschafft hat, überhaupt mit uns zu sprechen.“
