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Microsoft-Ansiedlung36 Dieselaggregate sollen Notstrom für Bergheimer Rechenzentrum liefern

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Zu sehen sind Menschen in Schutzwesten und mit Helmen bei einem Spatenstich.

Spatenstich im März für das Rechenzentrum bei Paffendorf und Glesch: Elsdorfs Bürgermeister Andreas Heller, Bergheims Bürgermeister Volker Mießeler, NRW-Ministerin Mona Neubaur, Microsoft-Deutschland-Chefin Agnes Heftberger, Bundesdigitalminister Karsten Wildberger, Regierungspräsident Gregor Lange und Bedburgs Bürgermeister Sascha Solbach (v.l.).

Die Bezirksregierung gab Kritikern des Rechenzentrums bei einem Erörterungstermin die Gelegenheit, Microsoft Fragen zu stellen.

Eigentlich ging es gar nicht um das Rechenzentrum selbst. Im Mittelpunkt der Gespräche standen so genannte Netzwerkersatzanlagen, landläufig als Notstromaggregate bekannt. Doch beim Erörterungstermin der Bezirksregierung im Hotel Bedburger Mühle in Bedburg, zu dem allerdings nur zwei Bürger gekommen waren, wollten Vertreter des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) schon aus Prinzip ein paar Pflöcke einhauen.

„Es war unser Wunsch, Transparenz herzustellen“, sagt Dirk Jansen vom BUND über den Erörterungstermin, bei dem es darum ging, dass Kritiker ihre Einwendungen vorbringen konnten und Microsoft als Auftraggeber für das Vorhaben Stellung beziehen sollte. Die Genehmigung der Rechenzentren – geplant sind die sogenannten Hyperscaler in Bergheim, Bedburg, Elsdorf und im angrenzenden Grevenbroich in Rhein-Kreis Neuss – sei in viele kleine Verfahren aufgeteilt. „Das macht es uns schwierig, die Auswirkungen abzuschätzen, vieles ist noch nicht öffentlich.“

Bergheim: Tankanlagen nehmen bis zu 1400 Kubikmeter Diesel auf

Für das Rechenzentrum bei Paffendorf, das auf rund 24 Hektar Fläche entsteht, will Microsoft zur Sicherung der Stromversorgung insgesamt 36 Notstrom-Dieselmotor-Aggregate aufbauen. Vorgesehen sind Tankanlagen, die bis zu 1400 Kubikmetern Kraftstoff aufnehmen. Im Fall eines Stromausfalls sollen zunächst Batterien die Versorgung des Rechenzentrums für maximal eine Stunde übernehmen, dann setzen die Dieselmotoren ein, die für bis zu 48 Stunden Strom liefern sollen. Ebenfalls geplant: zehn Schornsteine mit einer Höhe von 35 Metern.

Den Verbrauch von wertvollem Ackerland oder die Nutzung der Abwärme wollte die Bezirksregierung in dem Termin nicht diskutiert wissen, weil es zu einer anderen Genehmigung gehöre. Doch der BUND brachte seine Kritik an zu Themen wie fossilen Brennstoffen, einem fehlenden Blick auf Alternativen ohne Diesel, auf die risikobehaftete Lagerung großer Mengen Diesels oder auch die Nähe des Rechenzentrums zu einem potenziellen Störfallbetrieb, der benachbarten Biogasanlage.

Dass Microsoft für seine Notstromversorgung auf althergebrachte Dieselaggregate zurückgreift, ist aus Sicht des BUND „verwunderlich“. Immerhin gebe es Alternativen. „Und Microsoft hat angekündigt, bis 2023 klimaneutral zu sein“, sagt Jansen. „Das passt nicht zusammen.“ So seien für das Rechenzentrum in Bergheim 1,6 Millionen Tonnen CO2 an Jahresausstoß angegeben, während die gesamte Kreisstadt Bergheim derzeit lediglich 360.000 Tonnen als CO2-Ausstoß angibt.

Vertreter von Microsoft waren bemüht, Einwände und Kritik an den Planungen zu entkräften, was nicht immer überzeugend gelang. Dass es am Standort in NRW „technisch nicht möglich“ sei, eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ohne Dieselaggregate herzustellen, wurde zwar behauptet, aber nicht mit Argumenten untermauert. Einzig: Vergleiche mit anderen Ländern wie Schweden, wo es andere Lösungen gebe, seien nicht möglich, da man die Gegebenheiten vor Ort nicht kenne.

BUND fordert Prüfung von alternativen Notstromlösungen

„Das ist nicht akzeptabel, wenn man klimaneutral werden will“, sagte Jansen. „Die technischen Möglichkeiten sind da, die finanziellen Mittel sicher auch. Microsoft will auf Kosten des Klimas die billigste Lösung implementieren.“ Laut Microsoft sind für die Dieselaggregate pro Jahr 50 Stunden Test- und Wartungsbetrieb vorgesehen und sicherheitshalber bis zu 350 Stunden Notstrombetrieb. Eine Entscheidung der Bezirksregierung zur Genehmigung der Dieselaggregate steht noch aus, ebenso weitere Erörterungstermine für die weiteren geplanten Rechenzentren.