HochkulturPianomuseum Eller in Bergheim bietet zarte Töne auf dem Clavichord

Theresa Hagmeyer präsentierte ein musikalisch und technisch breit gefächertes Programm.
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Bergheim-Ahe – Hochkultur wird in der Regel in Großstädten verortet. Die Elbphilharmonie in Hamburg, das Grüne Gewölbe in Dresden, das Residenz-Theater in München. Immer wieder aber gibt es Initiativen und Projekte, die versuchen, anspruchsvolle Kunst auch in Gegenden abseits der Metropolen zu entwickeln. Das Pianomuseum Eller mit der Sammlung Dohr ist so ein Ort, denn es liegt nicht in Köln, Düsseldorf oder Frankfurt, sondern in Bergheim-Ahe.
Die Sammlung Dohr, benannt nach ihrem Spiritus Rector Christoph Dohr, trägt seit 1998 „besaitete Tasteninstrumente zusammen“, wie es auf der Internetseite heißt. Auch ein versierter Pianist dürfte nachdenklich werden, wenn er die Gattungen an historischen Tasteninstrumenten betrachtet, die man dort vorfindet: Hammerflügel, Tafelklaviere, aufrechte Klaviere, Clavichorde, Cembali, Spinette und Virginale, Toy-Pianos, Truhenorgel, Harmonien, stumme Klaviaturen und andere mehr. Die ältesten Exemplare wurden um 1750 gebaut.
Klassische Reminiszenzen und rhythmische Dynamik
Am Sonntag spielte Theresa Hagmeyer aus Metzingen an einem Clavichord von 1932 aus der Sammlung Dohr. Ihr Programm war zeitlich und musikalisch breitgefächert. Die „Suite Première pour Clavecin“ stammte aus dem 18. Jahrhundert. Die „Fantasia for Clavichord“ komponierte der 1982 geborene Timur Ismagilov.
Weitere Termine im Pianomuseum Eller
Sonntag, 23. Oktober, 18 Uhr: Takahiko Sakamaki, Aachen, Clavichord.
Sonntag, 13.November, 18 Uhr: Theresa Hinz, Albstadt-Ebigen, Clavichord.
Samstag, 19.November, 15 Uhr: „Wie zupft man ein Cembalo? Wo steckt der Hammer im Klavier?“ Führung für Kinder und Jugendliche.
Sonntag, 20. November, 15 Uhr: Geschichte der besaiteten Tasteninstrumente aus der Zeit von 1750 bis 1970 – eine öffentliche Führung durch die Ausstellung im Pianomuseum Ahe.
Sonntag, 27.November, 18 Uhr: „Wege in die Abstraktion“ – Vernissage einer Ausstellung mit Werken von Hermann Möbius, Erkelenz.
Dem 16. und 17. Jahrhundert sind die sechs Variationen über „Mein junges Leben hat ein End“ zuzuordnen. Und der 1958 geborene Christoph Weinhart steuerte die Uraufführung seiner „Fragmentenfantasie für Clavichord“ bei.
Die älteren Kompositionen erinnerten an den großen Johann Sebastian Bach; die modernen Stücke waren ein kunstvolles Amalgam aus Schönbergscher Atonalität mit klassischen Reminiszenzen, gepaart mit enormer rhythmischer Dynamik.
Das Publikum war mucksmäuschenstill
Ein Clavichord ist ein extrem leises Instrument. Es gibt nur eine sehr einfache Mechanik, die Tastenverlängerung berührt auf direktem Weg die Saiten, der Resonanzraum ist klein. Die Folge: Das Publikum war mucksmäuschenstill, auf Beifall während der Aufführung wurde verzichtet, um die Anpassung der Ohren an die Stille nicht zu beeinträchtigen.
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So hatte die Pianistin, studierte Kirchenmusikerin und Organistin, die Chance, ihre beeindruckenden technischen und musikalischen Fähigkeiten zur Geltung zu bringen. Sie hatte als Stipendiatin des Fördervereins des Pianomuseums über einen längeren Zeitraum ein Clavichord zur Verfügung.
Das Pianomuseum ist auf jeden Fall ein verzaubertes Kleinod mit anspruchsvollem Programm. Im Oktober und November gibt es noch einige Konzerte und Führungen.



