Über 80.000 Quadratmeter Feld, Wald und Böschung brannten am Sonntag nieder. Kreisverwaltung plant Anschaffung eines dritten Spezialfahrzeuges für Vegetationsbrände.
Nach Vegetationsbrand in BergheimSind die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis technisch gut gerüstet?

Auch auf unwegsamem Gelände hat der Unimog in Wald und auf den Feldern keine Probleme.
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Der Wind fachte die Flammen immer wieder neu an. Innerhalb weniger Stunden verwüstete ein Großbrand am Sonntag zwischen Bergheim-Oberaußem und Quadrath-Ichendorf rund 81.500 Quadratmeter Feld, Wald und Böschung. Rund 120 Einsatzkräfte kämpften mehr als sechs Stunden unter der Einsatzleitung von Mark Giesen gegen das Feuer. Mit einer Drohne der Feuerwehr Kerpen wurde die Ausbreitung der Flammen aus der Luft beobachtet, Großtanklöschfahrzeuge aus Frechen, Kerpen und der Werkfeuerwehr von RWE sicherten die Wasserversorgung. Der Einsatz zeigte eindrucksvoll, wie schnell sich Vegetationsbrände bei der derzeitigen Trockenheit und Wind zu einem bedrohlichen Großbrand ausbreiten können.
Dass solche Einsätze künftig häufiger werden könnten, stellt niemand mehr in Frage. Auch im Rhein-Erft-Kreis mussten die Feuerwehren in den vergangenen Wochen mehrfach zu Wald-, Wiesen- und Böschungsbränden ausrücken. Zwar konnten diese wie kürzlich an der Autobahnböschung in Kerpen (A4) schnell gelöscht werden, doch längere Trockenperioden und hohe Temperaturen stellen die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis vor immer größere und neue Herausforderungen.

Die Wege im Wald zwischen Bergheim-Oberaußem und Quadrath-Ichendorf waren noch so beschaffen, dass herkömmliche Tankfahrzeuge zu den Brandstellen fahren konnten.
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Nach Angaben des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft entstehen Wald- und Vegetationsbrände nur selten allein durch die Witterung. Häufig sind die achtlos weggeworfene Zigarette, der Grill oder auch auf trockenen Wiesen abgestellte Autos die Ursache für die Brände. Mit Warnschildern an Waldeingängen wird deshalb auf die hohe Brandgefahr hingewiesen. Landrat Frank Rock und Kreisbrandmeister Thomas Weiler appellieren an die Bevölkerung, Rauch oder Feuer sofort über den Notruf 112 zu melden und den Standort möglichst genau zu beschreiben.
Bund und Land fördern die Anschaffung, Kommunen entwickeln Einsatzkonzepte
Für Peter Berg, Leiter der Feuerwehr Brühl, steht fest, dass Wald- und Vegetationsbrände die Feuerwehren künftig deutlich stärker beschäftigen werden. Deshalb werden Ausrüstung und Ausbildung seit Jahren konsequent ausgebaut. Bund und Land fördern die Anschaffung spezieller Technik, während Kommunen wie Bedburg spezielle Einsatzkonzepte für Vegetationsbrände entwickeln.

Aussteigen ist nicht notwendig: Beim Unimog kann von einer Dachluke aus gelöscht werden.
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Ein wichtiger Baustein ist der Unimog der Feuerwehr Brühl. Das geländegängige Spezialfahrzeug steht seit drei Jahren zur Verfügung und bewährte sich bereits kurz nach seiner Indienststellung. „Wir hatten ihn gerade zwei Tage, da konnten wir damit die Ausdehnung eines Vegetationsbrands am Rastplatz Am alten Hau an der A553 verhindern“, erinnert sich Hauptfeuerwehrmann Ralf Heckermann, der das Fahrzeug regelmäßig fährt.
Der Unimog verfügt über einen 3.000-Liter-Wassertank und über hitzebeständige Spezialreifen und Sprühdüsen im Frontbereich, mit denen Bodenbrände bereits während der Fahrt bekämpft werden können. Eine Reifendruckregelanlage sorgt dafür, dass das Fahrzeug auch schwieriges Gelände sicher bewältigt. Über eine Dachluke können die Einsatzkräfte zudem die auf dem Fahrzeug montierte Löschkanone bedienen, ohne den geschützten Bereich verlassen zu müssen.
Unimog als Tanklöschfahrzeug für schwer zugängliches Gelände
Wie wertvoll diese Technik ist, zeigte sich auch bei einem Waldbrand an der Hürther Straße in Brühl. „Aufgrund der unebenen Bodenbeschaffenheit wären wir ohne den Unimog dort motorisiert gar nicht zur Einsatzstelle in den Wald gekommen. Wir hätten laufen müssen“, berichtet Berg. Gerade bei Vegetationsbränden könne dieser Zeitverlust entscheidend sein, weil sich die Flammen je nach Wind rasend schnell ausbreiten. Sein Wunsch ist deshalb, dass künftig möglichst alle Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis über ein solches Spezialfahrzeug verfügen. „Aktuell gibt es bei den Feuerwehren in Brühl und in Erftstadt jeweils einen Unimog, der als Tanklöschfahrzeug auch für Wald- und Vegetationsbrände konzipiert ist. Als Rhein Erft-Kreis sind wir zudem gerade dabei, die Anschaffung eines weiteren solchen Unimogs anzustoßen“, erklärt der Sprecher des Rhein-Erft-Kreises,Thomas Schweinsburg, auf Nachfrage.

Zwischen Bergheim-Oberaußem und Quadrath-Ichendorf brannt eine Fläche von 81.500 Quadratmetern nieder. RWE rollte über die Schiene mit einem Tanklöschfahrzeug an.
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Neben moderner Fahrzeugtechnik setzen die Feuerwehren verstärkt auf eine bessere Einsatzplanung. Karten mit Wasserentnahmestellen an den Ville-Seen und befahrbaren Waldwegen erleichtern die Orientierung. Die Kreisleitstelle kann zudem gezielt Spezialfahrzeuge alarmieren, bei größeren Bränden stehen auch Löschhubschrauber bereit. Regelmäßige Übungen und die enge Zusammenarbeit der Feuerwehren über Stadt- und Kreisgrenzen hinweg sorgen dafür, dass größere Einsatzlagen gemeinsam bewältigt werden können.
Der Großeinsatz zwischen Oberaußem und Quadrath-Ichendorf hat eindrucksvoll gezeigt, dass sich die Feuerwehren im Rhein-Erft-Kreis auf die Folgen zunehmender Trockenheit einstellen. Moderne Spezialfahrzeuge, eine gute Vorbereitung und die enge Zusammenarbeit der Einsatzkräfte werden künftig immer wichtiger. Denn bei Wald- und Vegetationsbränden entscheidet oft jede Minute darüber, ob ein Feuer schnell eingedämmt werden kann – oder sich zu einer großflächigen Katastrophe entwickelt.
