Ralf Bauer ist Vorsitzender des Inklusionsbeirats in Brühl. Sein Ziel ist es, allen Bürgern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Vorsitzender des InklusionsbeiratsRalf Bauer findet: „Brühl kann noch besser werden“

Ralf Bauer ist Vorsitzender des Inklusionsbeirats in Brühl. Sein Ziel ist es, allen Bürgern gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
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Ralf Bauer (57) ist Vorsitzender des Brühler Inklusionsbeirats. Das Gremium berät Politik und Verwaltung, um auf die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderungen hinzuweisen, und er ist für Letztere zugleich Ansprechpartner. Mit Bauer, der beruflich in der Verwaltung einer großen Handelsgesellschaft tätig ist, sprach Wolfram Kämpf über die Herausforderungen seines Engagements.
Herr Bauer, unlängst wurden Sie erneut zum Vorsitzenden des städtischen Inklusionsbeirats in Brühl gewählt. Was motiviert Sie, weiterhin Ihre Freizeit mit der Arbeit an der Spitze dieses Gremiums zu verbringen?
Ralf Bauer: Neben meinem Job sind das in der Tat einige Stunden ehrenamtliche Arbeit die Woche. Es lohnt sich, die Früchte aus der ersten Legislatur einzufahren. Viele Aufgaben liegen noch auf dem Tisch, da konnte ich nicht aufhören: der barrierefreie Bahnhof ist fast fertig, die Neuordnung Innenstadt steht an, den barrierefreien Zugang zum Max-Ernst-Museum haben wir im Blick – um nur einige Themen zu nennen.
Sie vertreten die Rechte und Sichtweisen der Menschen mit Behinderung. Wie viele Menschen in Brühl zählen zu dieser Gruppe?
Nimmt man alle Menschen mit – auch geringfügiger – Behinderung, kommen wir auf fast 10.000, etwa 20 Prozent der Brühler Bevölkerung. Auf den gesamten Rhein-Erft-Kreis hochgerechnet sind dies rund 100.000 Menschen.
Zu ihren Aufgaben gehört es, die politischen Entscheidungsträger und die Verwaltung zu beraten und ihnen die Perspektive von Menschen mit Behinderung aufzuzeigen. Werden Sie eher als Ratgeber oder als Akteur mit ständig erhobenem Zeigefinger wahrgenommen?
Natürlich müssen wir den Finger häufig in die Wunde legen, werden aber überall als zielorientierte Partner wahrgenommen. Wir bringen häufig Lösungsideen mit und möchten ab Anfang die Prozesse mitgestalten. Nacharbeiten sind immer teuer.
Ein wichtiges Thema lautet Barrierefreiheit. Nur wenn alle Menschen unabhängig von Ihrer Mobilität oder anderen Einschränkungen ihre Ausbildungs- oder Arbeitsstätte sowie Geschäfte, Behörden und Kulturveranstaltungen erreichen können, ist Teilhabe möglich. Sie haben bereits die Brühler Innenstadt unter die Lupe genommen. Wie ist die Lage und gab es zuletzt Fortschritte?
Das ist ein Kernthema: Inklusion bedeutet Teilhabe von allen Menschen. Probleme von mobilitätseingeschränkten Menschen, die also etwa auf Rollstuhl und Rollator angewiesen sind, sind offensichtlich. Es geht aber auch um Hindernisse für Sehbehinderte, Barrieren für im Hören oder im Reden behinderte Menschen. Dazu kommen die Herausforderungen für Intelligenzgeminderte, Neurodivergenz, also der Bereich der „Nicht-Sichtbaren-Behinderungen“. Wir veranstalten am 20. Oktober wieder eine stille Demo zum Thema in Brühl. Unsere Bestandsaufnahme vor rund drei Jahren hat interessante Ergebnisse gebracht und kleinere Erfolge im Bereich der Sensibilisierung der Geschäfte und deren Mitarbeiterinnen erreicht. Der große Wurf fehlt noch. Die Verwaltung hat eine Kartierung mit neuralgischen Punkten angekündigt. Wir warten gespannt auf diese Ergebnisse. Ein weiteres Thema sind Veranstaltungsorte. Hier kann Brühl noch besser werden, zumindest was die klaren Beschreibungen zur Barrierefreiheit der Veranstaltungsorte vor der Buchung angeht.
Gibt es einen Austausch mit den Inklusionsbeiräten oder vergleichbaren Gremien der übrigen Städte im Rhein-Erft-Kreis?
Noch nicht, aber wir haben dieses Thema angestoßen. Noch im Jahresverlauf erwarten wir erste Ergebnisse. Eine initiale Vernetzung der Beiräte im Kreis würde wenig kosten, aber uns eine wichtige Möglichkeit zum Austausch verschaffen.
Vor einigen Wochen haben Sie eine Podiumsdiskussion zum Thema Eingliederungshilfe auf die Beine gestellt. Ist das der Weg, das Wirken des Inklusionsbeirats noch breiter aufzustellen und das Gremium noch bekannter zu machen?
Die Frage trifft es gut! Eingliederungshilfe ist nicht mein Kernthema. Aber wir vertreten viele Menschen, die nur mit diesen Entlastungen leben und arbeiten können, diese Hilfe ist existentiell. Es war ein ziemlicher Kraftakt, aber ein klasse Format, um die Politik direkt mit den Menschen und ihren Herausforderungen zu konfrontieren. Ich gehe davon aus, dass wir spätestens im nächsten Jahr weitere Diskussionen anbieten.
Wenn Sie sich von der Verwaltung etwas wünschen dürften, was wäre das?
Weniger Bürokratie, mehr Flexibilität! Es gibt Vorgänge, da ist Verwaltung formal und rechtlich immer korrekt. Das kommt aber auch redundant rüber und viele Dinge wären schneller lösbar. Mehr Geld wäre auch schön (lacht). Nein, wir kommen gerade so klar. Unsere Arbeit ist ehrenamtlich und unsere Einbringungen in Politik und Verwaltung kosten wenig Geld.
