Regina Junga ist als Dienstellenleiterin im Auftrag des Landes NRW für die Geschicke der Schlösser Augustusburg und Falkenlust zuständig.
Mein LieblingsplatzRegina Junga ist glücklich, wo einst der Kurfürst in Brühl residierte

Regina Junga hat ihren Lieblingsplatz mit ihrer Arbeitsstätte, dem Brühler Schloss Augustusburg, gefunden.
Copyright: Wolfram Kämpf
Regina Junga genießt ein Privileg. Sie zählt ihre Arbeitsstätte zu ihren persönlichen Lieblingsplätzen. „Manchmal muss ich mich selbst daran erinnern, was ich für ein Glück habe, hier tätig zu sein“, sagt die 65-Jährige. Ihr Arbeitsplatz, das ist die weitläufige Anlage der Brühler Schlösser.
Es ist ein Ort, der Geschichte atmet. Und wie. Das gilt für den kunstvoll gestalteten Garten, den Landschaftspark und die Bauten, die seit 1984 zum Unesco-Welterbe zählen. Das gilt aber auch für Jungas Büro. Kein Geringerer als Kurfürst Clemens August nutzte einst dieses Zimmer, von dem aus er die Gottesdienste in der benachbarten Schlosskirche St. Maria von den Engeln verfolgen konnte.
Jahr für Jahr kommen Tausende Besucher nach Brühl
Drei Jahrhunderte später zählen die Brühler Schlösser Augustusburg und Falkenlust zu den eindrucksvollsten Zeugnissen seines Wirkens. „Er hat im selben Raum gesessen wie ich, auch wenn es heute das Fenster zur Kirche nicht mehr gibt“, erklärt Junga, die als Dienstellenleiterin im Auftrag des Landes NRW die Geschicke der Schlösser leitet und damit ein Ensemble unter ihren Fittichen weiß, das Jahr für Jahr Tausende Besucher beeindruckt.
Zuletzt befanden sich darunter auch wieder führende Köpfe der Weltpolitik. Bundeskanzler Friedrich Merz empfing Mitte Juli den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron in Schloss Augustusburg. „Als ich sie das von Balthasar Neumann entworfene Treppenhaus hinaufgeführt und ihnen das Haus und seine Geschichte ein wenig erläutert habe, war Macron sichtlich beeindruckt“, so Junga.
Diese Emotion ist ihr bestens vertraut. So ging es ihr, als sie kurz vor Antritt des neuen Jobs in Brühl im Mai 2020 erstmals Schloss Augustusburg sah, um sich dort an der Seite ihres Mannes noch undercover umzuschauen. Und so geht es ihr seither oft morgens, wenn sie vom Bahnhof kommend durch das Tor in Richtung Schloss geht. „Dieser Ort macht etwas mit einem“, sagt Junga, die inzwischen jeden Winkel kennt und dank eines gewaltigen Schlüsselbundes alle Türen öffnen kann.
An diesem Zauber will sie möglichst viele Menschen teilhaben lassen. Das ist ihr Auftrag und die große Überschrift des Schaffens. Die Besucher kommen aus aller Welt. „Und es gibt auch viele, die hier im Umland zu Hause sind, vom Schloss gehört haben, aber noch nicht hier waren“, so Junga. Zu dieser Gruppe zählte auch sie lange Zeit. Zu Beginn ihrer Berufstätigkeit in den 1990er-Jahren bei der Bezirksregierung Köln habe sie am Rande mit den Brühler Bauten zu tun gehabt und sie von Fotos gekannt. „Die Vorstellung, dort zu arbeiten, fand ich immer faszinierend“, sagt sie. Doch erst mit dem Jobantritt in Brühl erlebte die studierte Juristin und Journalistin diese Faszination hautnah.

Regina Junga durfte unlängst Bundeskanzler Friedrich Merz (l.) und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron das Brühler Schloss zeigen.
Copyright: Verena Meier, Schlösser Brühl
2017 habe das nordrhein-westfälische Bauministerium entschieden, dem Haus größere öffentliche Präsenz zu verschaffen. Diese Ambition verfing bei Junga. „Als der Posten neu besetzt werden sollte, habe ich dann den Finger gehoben, weil man hier so viel bewegen kann“, erklärt sie. Dass die Schlösser Brühl die letzte Station vor dem Gang in den Ruhestand sein werden, hat ihre Motivation nochmals gesteigert.
Junga, die sich als Allrounderin bezeichnet, weil sie während ihres vielseitigen Berufslebens schon Gerichtsreportagen verfasst, sich in der Bezirksregierung etwa um Abfallentsorgungsanlagen gekümmert, in der Staatskanzlei Großveranstaltungen des Landes organisiert und diverse Referate geleitet hat, brennt für ihre Aufgabe. „Dieser Ort zeigt mir jeden Tag, wofür ich mich einsetze“, sagt sie. Es ist ihr und ihrem Team gelungen, immer mehr Menschen für Führungen und weitere Veranstaltungen zu begeistern. In diesem Jahr wird erstmals in ihrer Amtszeit eine Ausstellung zur Baugeschichte, „Rokoko Under Construction“, angeboten.

Regina Junga hat ihren Lieblingsplatz mit ihrer Arbeitsstätte gefunden und mit Amtsantritt einen großen Schlüsselbund erhalten.
Copyright: Wolfram Kämpf
Von 116.000 auf 138.000 ist die Besucherzahl in den Schlössern seit Jungas Start in Brühl gestiegen. Das sind Zahlen, die die Mutter zweier Söhne im Erwachsenenalter mit Stolz erfüllen und zugleich antreiben, bis zum Abschied im kommenden Frühjahr nicht nachzulassen. Dieser Ort sei einfach traumhaft schön, betont sie. „Eigentlich begeistert mich in der Architektur die Schlichtheit des Bauhaus-Stils, aber hier beeindrucken mich Formen, Farben, Pracht und Vielfalt immer wieder aufs Neue“, so die Kölnerin. Besonders schön sei es, wenn abends die Sonne mit ihren letzten Strahlen Vestibül und Treppenhaus in ein güldenes Licht tauche, findet sie, aber auch der große Inselweiher und das gelbe Apartment hätten ihren Reiz.
„Wir haben dieses Haus nur eine Weile geliehen. Nach mir werden andere kommen. Das Schloss aber wird hoffentlich noch lange bleiben“, sagt sie. Dazu beizutragen, es zu bewahren und ein Bewusstsein für diese Bauten zu schaffen, mache sie glücklich und ihre Arbeitsstätte zu einem Lieblingsplatz.
Serie findet Fortsetzung in Wesseling
Für die eine ist es der Friedhof, für den anderen ein Sportplatz oder ein verstecktes Wegekreuz – ganz individuell fällt die Wahl des Lieblingsplatzes im Kreis aus. In jeder Ausgabe während der Sommerferien stellen wir mit der Serie „Mein Lieblingsplatz“ einen Ort in den zehn Kommunen vor, der für einen Menschen eine besondere Bedeutung hat, und laden zur Entdeckungstour ein. Am Samstag, 8. August, zeigt Dirk Collin seinen Lieblingsplatz: es ist ein historischer Eisenbahn-Triebwagen. (red)
