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Viel Staub, wenig PestizideErftstädter Landwirte testen neue Methode gegen Unkraut

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Die Methode des Striegelns wirbelt viel Staub auf. Das Aufbrechen der Krume kommt aber der Bodenbeschaffenheit zugute.

Erftstadt-Dirmerzheim – Lebensmittel erzeugen, ohne umweltschädliche Gifte zu gebrauchen, die Flora und Fauna schaden – das wäre der Idealzustand in der Landwirtschaft. In Erftstadt wird nun eine Methode praktiziert, die den Einsatz von Spritzmittel senken kann: das sogenannte Striegeln.

Die Landwirte der Erftstädter Erzeugergemeinschaft Rheinbauern wirbeln dabei ordentlich Staub auf. Rollzinken oder Federzinken? Das war die große Frage bei einem Striegeltest, den sie kürzlich durchführten. Martin Richrath und Thomas Neiße waren sich unmittelbar im Anschluss einig: Die Rollzinken, auch Rollstriegel genannt, haben den Vergleich gewonnen. „Wir überlegen, uns gemeinsam diese Maschine anzuschaffen“, sagte Richrath.

Rollstriegel zieht schonend Unkraut aus dem Boden

Um das rheinische Korn ohne chemische Unkrautvernichter anzubauen, haben die Landwirte der Erzeugergemeinschaft bereits in den vergangenen Jahren ihre Felder im Frühjahr gestriegelt. Je nach Unkrautlast auf den Anbauflächen mussten sie dafür mehrmals über die Felder fahren. Die Zinken am Striegel ziehen das unerwünschte Grün aus dem Boden.

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Die Rheinbauern fachsimpeln über Funktionsweise und Vorzüge des neuen Geräts mit Rollzinken.

Nichts anderes macht auch der Rollstriegel. Mit seinen Zähnen an den Rollen lockert er den Boden aber gleichzeitig auch auf, sodass der Effekt größer ist. „Die Kunst ist es ja, die Bodenkruste aufzubrechen und die Beikräuter herauszuziehen, ohne die Kulturen dabei zu beschädigen“, erklärte Landmaschinenkonstrukteur Professor Till Meinel von der Technischen Hochschule in Köln.

Zudem erziele der Rollstriegel eine gute Durchlüftung des Bodens, das komme ebenfalls der Kultur zugute. Meinel bildet Maschinenbauer mit Schwerpunkt Landmaschinen aus. Aus reinem Interesse an der Technik, aber auch, weil er sich möglicherweise ein gemeinsames Projekt mit den Rheinbauern vorstellen könnte, waren er und Doktorand Phillip Müller zum Striegeltest gekommen.

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Müller beschäftigt sich als aktiver Landwirt auch mit einem Forschungsprojekt der ultraflachen Bodenbearbeitung. „Ein normaler Pflug gräbt die Erde bis zu einer Tiefe von 25 bis 30 Zentimetern um“, erläuterte der Professor. Bei der ultraflachen Bodenbearbeitung gehe es darum, die Bodenoberfläche nur ein bis drei Zentimeter tief aufzulockern und dabei die Wildkräuter zu ziehen, ohne die Kulturen zu schädigen.

Mehl an die Ukraine gespendet

Flott geht das Striegeln mit dem Rollstriegel auch, sehr flott sogar. Legt doch die optimale Arbeitsgeschwindigkeit des Gerätes bei 15 bis 30 Stundenkilometern. Richrath gab zunächst noch etwas zögerlich Gas, dann beinahe Vollgas, um mit Tempo 25,6 Stundenkilometern das Weizenfeld zu striegeln, umgeben von einer dichten braunen Staubwolke.Das Korn, das die Rheinbauern in der Horbacher Mühle mahlen lassen, ist vom vergangenen Jahr.

Um den Menschen in der Ukraine zu helfen, spendet die Erzeugergemeinschaft eine Tonne. In jeweils 200-Kilogramm-Portionen liefern sie ihr Mehl an den in Hürth gegründeten Verein „Life Cologne“. Dieser setzt sich für die Hilfe in der Ukraine ein. Dazu rufen die etwa 60 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer regelmäßig zu Spenden auf, die sie an die ungarisch-ukrainische Grenze bringen.