Die Bürgerinitiative „Uns stinkt’s“ beklagt die Rückkehr der Geruchsbelästigung und fordert die Behörden zum Handeln auf – auch drei Städte machen Druck.
Viele BeschwerdenGestank verursacht laut Initiative Übelkeit und Kopfschmerz in Hürth und Brühl

Willi Koch von der Bürgerinitiative „Uns stinkt's“ fordert die Behörden zum Handeln auf.
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Willi Koch schlägt Alarm. „Es muss dringend etwas passieren“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative „Uns stinkt’s“. Seit einigen Wochen habe die Geruchsbelästigung in Teilen von Brühl, Erftstadt und Hürth ein unerträgliches Ausmaß angenommen. Zehn Meldungen über Gestank seien bei der Bürgerinitiative binnen der vergangenen 24 Stunden eingegangen, 180 seit Anfang Juli, erklärt der Brühler am Dienstagmorgen (28. Juli).
Hinzu komme eine hohe Dunkelziffer, denn längst nicht alle Menschen meldeten sich, die die Belästigung wahrnähmen, so Koch. Eigentlich brauche er aber nur die eigene Nase, um zu erkennen, dass der Gestank zurück ist. Denn der Brühler Stadtteil Heide, in dem der Sprecher zu Hause ist, gehört zu den am stärksten betroffenen Gebieten und das Thema ist nicht neu.
Erftstadt: Ursachen schienen gefunden und behoben
Schon vor rund fünf Jahren klagten Bürger in den drei Städten über wiederkehrenden, unangenehmen Geruch. Als faulig und vergoren wurde dieser damals beschrieben. „Und die Situation ist heute dieselbe“, sagt Koch. Seinerzeit suchten die Behörden monatelang fieberhaft nach den Ursachen. Anfang 2022 verkündeten diese dann das Resultat: Als einen der Verursacher habe man das Brühler Eisenwerk ausgemacht, die Quellen für die fauligen und säuerlichen Gerüche in einer Kompostieranlage der Firma Reterra und einer Sortieranlage für Hausmüll des Unternehmens Remondis gefunden.
In den Verursacherbetrieben im Verwertungszentrum seien Mängel aufgedeckt worden, darunter große Löcher in einer Kompostierhalle, durch die Gerüche ins Freie hätten dringen können, berichtete damals eine Dezernentin bei der Bezirksregierung Köln. Die Halle sei saniert, weitere Maßnahmen ergriffen worden.
„Es war tatsächlich zwischenzeitlich besser“, erklärt Koch. Doch dies sei vorbei. Besonders intensiv sei die Belästigung nun in der Nacht und bei bestimmten Wetterverhältnissen. „Bei Hitze und westlichem und südwestlichem Wind ist der Gestank in Brühl und Hürth am stärksten. Manche Leute berichten von Übelkeit und Kopfschmerz, andere sind genervt, weil sie die Wohnung nicht mehr unbesorgt lüften können“, sagt Koch.
Er hat zusammen mit den weiteren führenden Köpfen der inzwischen rund 200 Unterstützer zählenden Bürgerinitiative an Kommunen, Ratsfraktionen, Landesregierung, Landrat und Bezirksregierung geschrieben. „Der Rücklauf war enttäuschend. Entweder haben wir gar keine Antwort erhalten oder die Behörden spielen Pingpong und schieben die Verantwortung hin und her“, sagt er.
Man fordere eine transparente Kommunikation, klare Verantwortlichkeiten sowie wirksame Maßnahmen zur schnellen Aufklärung und Beseitigung der Ursache. „Der Staat muss Menschen vor Gefahren, erheblichen Belästigungen und gesundheitlichen Beeinträchtigungen schützen“, ist Koch überzeugt. Ob der Gestank wieder von Unternehmen im Erftstädter Verwertungszentrum komme, wie mancher vermute, müssten Experten klären.
Bürgermeister von Brühl und Hürth sowie die Erftstädter Amtskollegin sehen Aufsichtsbehörden am Zug
Die Verwaltungen der betroffenen Städte sehen die Verantwortung bei den übergeordneten Aufsichtsbehörden. Die Zuständigkeit für die Überwachung der betroffenen Anlagen liege je nach Betrieb bei den Immissionsschutzbehörden des Rhein-Erft-Kreises sowie der Bezirksregierung Köln.
Mit deren bisherigen Ergebnissen sei man unzufrieden, teilten die Bürgermeister Dr. Marc Prokop (Brühl), Dirk Breuer (Hürth) und Bürgermeisterin Carolin Weitzel (Erftstadt) in einer gemeinsamen Erklärung mit. Denn: „Trotz zahlreicher Beschwerden aus der Bevölkerung treten die Geruchsbelästigungen weiterhin unverändert auf.“ Man fordere „die zuständigen Behörden eindringlich auf, die Ursachen der Geruchsbelästigungen umfassend aufzuklären und wirksame Maßnahmen zu ergreifen“.
Jede Meldung erhöht den Handlungsdruck
Die drei Städte teilten mit, die Bezirksregierung Köln habe erklärt, die in ihre Zuständigkeit fallenden Betriebe überprüft zu haben. Geruchsrelevante Abweichungen vom genehmigten Betrieb seien jedoch nicht festgestellt worden. „Diese Einschätzung ist nicht zufriedenstellend“, so die drei Kommunen. Der Druck auf die zuständigen Stellen werde daher aufrechterhalten, bis die Geruchsbelästigungen dauerhaft abgestellt sind.
Die Städte Brühl, Hürth und Erftstadt bitten ihre Bürger, erhebliche Geruchsbelästigungen über die vorgesehenen Meldewege anzuzeigen. Man wolle sämtliche Hinweise dokumentieren und unverzüglich an die zuständigen Fachbehörden weiterleiten. Schließlich erhöhe jede Meldung den Handlungsdruck.
