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Prozess in KölnHaftstrafe für Enkeltrick-Betrüger – Taten auch in Bergheim

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Symbolbild

Köln – Die „Keiler“ saßen in Polen, telefonierten Seniorinnen und Senioren in Leverkusen, Kerpen, Bergheim, Göttingen und Iserlohn ab und wickelten sie mit dem sogenannten Enkeltrick ein. Dabei richteten sie einen Schaden bei den insgesamt zehn Geschädigten von rund 200.000 Euro an. Der in Deutschland tätige Abholer (34) der Enkeltrick-Betrüger ist nun am Mittwoch vom Kölner Landgericht zu einer Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden.

Am Telefon behauptet, Verwandte hätten Autounfall gehabt

Angesichts der Masche sprach der Vorsitzende Prof. Jan F. Orth von einem „erschreckenden System, dem wir Einhalt gebieten müssen“. Das Gericht ordnete die Unterbringung des kokainabhängigen Mannes in einer Entziehungsanstalt sowie die Einziehung von rund 156.000 Euro Erträgen aus den Straftaten an. Laut dem Urteil hatten die sogenannten Keiler – die Anrufer beim Enkeltrick – ihren Opfern vorgespielt, ein naher Verwandter habe einen Autounfall verursacht und müsse in Haft, wenn nicht sofort eine Kaution gestellt werde. Dabei hielten sie die Senioren teilweise über Stunden am Telefon, setzten sie so unter Druck und verhinderten gleichzeitig, dass sie sich hilfesuchend an andere oder die Polizei wenden konnten.

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Orth hielt dem Vater einer neunjährigen Tochter jedoch sein Geständnis zu Gute. Das sei von einer Qualität gewesen, die er in seiner „beruflichen Laufbahn bisher selten erlebt“ habe. Der Angeklagte habe Reue gezeigt, sich bei den Geschädigten entschuldigt und „viel mehr gesagt, als er sagen musste“. Damit habe er „Aufklärungsarbeit“ auch im Hinblick auf die Hinterleute in Polen geleistet. „Das ist selten, und das haben wir honoriert“, sagte Orth. (bks)