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KunstreiheKünstlerin baut in der Synagoge Stommeln das Atelier ihres Vaters nach

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Eine Frau steht in einem Atelier, in Regalen befinden sich mehrere Skulpturen.

Die Künstlerin Paloma Varga Weisz in ihrem Atelier. https://www.albrechtfuchs.com/albums/since-2020/content/anys-r/

Paloma Varga Weisz wusste lange nicht, dass ihr Vater Jude war. Sein Schweigen hat das Leben der Künstlerin nachhaltig geprägt.

Die Künstlerin Paloma Varga Weisz setzt das renommierte Synagogenprojekt der Stadt Pulheim fort. Die ausgebildete Bildschnitzerin hat sich mit ihren Holz- und Keramikskulpturen einen Namen gemacht. Die Wesen scheinen einer anderen Zeit und einer anderen Wirklichkeit anzugehören. Die 59-Jährige ist international anerkannt, ihre Werke waren auf der Biennale von Venedig und im Museum of Modern Art in New York zu sehen.

Für die Synagoge Stommeln rekonstruiert Paloma Varga Weisz das Atelier ihres Vaters, einen winzigen Raum im zweiten Stock eines Gründerzeithauses in Neustadt an der Weinstraße. Dem Alltag entrückt, umgeben von Erinnerungen, malte Feri Varga Weisz und schuf seine Werke. Das Atelier befand sich Tür an Tür mit dem Kinderzimmer seiner Tochter, der er ausführlich von seinem Leben in Ungarn und später in Paris berichtete, von wo er 1940 nach Cagnes-sur-Mer flüchtete. Bereits in Paris legte er seine jüdische Herkunft ab und nannte sich fortan nur noch Varga.

Pulheim: Eine Leerstelle in der eigenen Biografie

1961 folgte er seiner Frau Leonore von Cagnes-sur-Mer nach Neustadt. Der Schritt in diese deutsche Provinzstadt bedeutet für ihn einen tiefen Bruch – und als gebürtiger Jude die Rückkehr in ein Land, mit dem er auf traumatische Weise verbunden war. Über seine Herkunft schwieg er. Dieses Schweigen, ein unsichtbares Erbe, hat das Leben und Wirken von Paloma Varga Weisz nachhaltig geprägt. 

In der ehemaligen Synagoge an der Hauptstraße, die für jüdisches Leben, Verdrängung und Überleben steht, ist der Vater anwesend, ein schweigendes Wesen, quasi eine Leerstelle. Betreten können die Besucherinnen und Besucher den Raum nicht. Die Vergangenheit ist unerreichbar und wirkt doch bis in die Gegenwart. Die Arbeit trägt den Titel „Paloma Varga WEISZ“.

Ein Mädchen mit ihrem Vater.

Paloma Varga Weisz mit ihrem Vater Feri Varga. Die Aufnahme entstand vermutlich 1972.

Paloma Varga Weisz, geboren in Mannheim, hat Holzbildhauerei in Garmisch-Partenkirchen studiert, von 1990 bis 1998 folgte ein Studium an der Staatlichen Kunstakadademie Düsseldorf bei Tony Cragg und Gerhard Merz. Ihre Arbeiten waren in diversen bedeutenden Einzelausstellungen zu sehen und sind weltweit in wichtigen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten. 

Die 1882 errichtete Synagoge war der Zerstörung in der Pogromnacht 1938 entgangen, weil Bauer Anton Pütz es vor dem Krieg erstanden und dort einen Schuppen und später einen Schweinestall eingerichtet hatte. 1981 begannen die Renovierungsarbeiten, 1983 wurde die Synagoge eingeweiht. Seit Beginn der renommierten Kunstreihe im Jahr 1991 haben national und international bekannte Künstlerinnen und Künstler mit wenigen Ausnahmen jährlich eine Arbeit für das ehemalige jüdische Gebetshaus im Herzen von Stommeln entwickelt.

Um die öffentliche Wahrnehmung des Projektes dauerhaft zu steigern, hat der Stadtrat Anfang des Jahres beschlossen, das Programm  auszuweiten. Ein Vortrag und eine Performance haben schon stattgefunden. Die künstlerische Leitung liegt auch künftig bei der Kulturabteilung, ein Kunstbeirat unterstützt sie.

Ihm gehören beispielsweise der Konzeptkünstler Mischa Kuball an, der 1994 in der Synagoge die Arbeit „refraction house“ realisiert hat, Ursula Frohne, Professorin für Kunstgeschichte mit dem Schwerpunkt Moderne an der Universität Münster, und Luzia Kilias, Vorsitzende der 2012 gegründeten Initiative für zeitgenössische Kunst und Musik in Pulheim (IzKuMP).


Für Eröffnung anmelden

Die Neuauflage des Synagogenprojektes wird am Dienstag, 8. September 2026, um 19 Uhr, im Martinus-Haus in Stommeln, Venloer Straße 546, eröffnet. Um Anmeldung per E-Mail wird gebeten. Anschließend kann die Ausstellung bis Sonntag, 6. Dezember, immer freitags von 15 Uhr bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 Uhr bis 17 Uhr besichtigt werden. Vom 7. Dezember bis zum 12. März 2027 kann die Ausstellung auf Anfrage besucht werden. Anmeldung ebenfalls per E-Mail.