Geschäfte sollten auch an Sonntag öffnen dürfen, sagen Vertreter des Handelsverbands. Es gibt aber auch die Sorge um die Beschäftigten.
Noch ein VerkaufstagDas sagen Geschäftsleute aus Rhein und Erft zu Öffnungen am Sonntag

Einkaufen am Sonntag würde vielen Kunden gefallen, meinen Geschäftsleute, hier ein Bild von der Frechener Fußgängerzone.Alexa Jansen
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Nach der Ankündigung der Bundesregierung, die Öffnungszeiten für Bäckereien und Konditoreien an den Sonntagen auszuweiten, ist auch die Diskussion um die allgemeinen Ladenöffnungszeiten an Wochenenden entfacht. Auf Anfrage äußerte sich jetzt der NRW-Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands, Dr. Peter Achten, dazu: „Auch aus unserer Sicht bedürfen die Ladenschlussregelungen an Sonntagen einer grundlegenden Überarbeitung."
Achten begründet dies damit: „Die derzeitigen Vorschriften stammen vielfach aus einer anderen Zeit und entsprechen häufig nicht mehr den heutigen Konsum- und Freizeitgewohnheiten.“ Dabei gehe es gar nicht darum, dass jeder sein Geschäft am Sonntag öffnen wolle oder solle.
Achten: „Aber wir sehen auch keine Notwendigkeit mehr für ein gesetzliches Verbot von Sonntagsöffnungen bis auf ganz wenige Ausnahmen, die komplizierter Antrags- und Genehmigungsverfahren bedürfen. Der Handel kann und sollte selbst entscheiden, wann sich eine Öffnung lohnt, nämlich wenn seine Kunden einkaufen wollen. Wir plädieren daher für klare und verlässliche Regelungen für verkaufsoffene Sonntage sowie für präzisere Sortimentsdefinitionen. Im Sinne einer verbesserten Nahversorgung befürworten wir zudem, personallose Minisupermärkte vom Anwendungsbereich des LÖG auszunehmen.“
Seit 10 Jahren keine verkaufsoffenen Sonntage in Hürth
Im Hürth-Park verfolge man die aktuelle Diskussion über Lockerungen beim Sonntagsverkauf mit Interesse, sagt Center-Managerin Hella Dubrowsky. Seit zehn Jahren gab es in Hürth keine verkaufsoffenen Sonntage mehr. Zuletzt hatte das Verwaltungsgericht Köln im Dezember 2018 eine von der Stadt bereits genehmigte Sonntagsöffnung im Einkaufszentrum nach einer Klage der Gewerkschaft Verdi kurzfristig gekippt. Der Anlass – ein Weihnachtssingen – sei nicht bedeutend genug, um eine flankierende Ladenöffnung zu genehmigen, urteilte das Gericht damals.
Aus wirtschaftlicher Sicht seien verkaufsoffene Sonntage interessant, so Dubrowsky: „Für ein regionales Einkaufszentrum wie den Hürth-Park bieten sie die Chance, Einkauf, Gastronomie und Freizeitangebote miteinander zu verbinden und auch neue Kundengruppen in den Hürth-Park zu ziehen.“ Bei vielen Händlern gebe es ein Interesse an zusätzlichen Verkaufsmöglichkeiten, insbesondere vor dem Hintergrund des Wettbewerbs durch den Online-Handel.
Pauschal lasse sich die Frage aber nicht beantworten. Die Händlerstruktur im Hürth-Park sei sehr heterogen, gibt die Center-Managerin zu bedenken. Nicht jeder Händler habe ausreichend Personal für die Sonntagsöffnung. Auch die Belastung für die Beschäftigten dürfe nicht außer Acht gelassen werden. „Gerade bei Unternehmen mit dünner Personaldecke stellt ein zusätzlicher Verkaufstag eine Herausforderung dar“, betont Dubrowsky. „Eine mögliche Ausweitung von Sonntagsöffnungen sollte deshalb mit Augenmaß erfolgen und sowohl die wirtschaftlichen als auch die Interessen der Beschäftigten angemessen berücksichtigen.“
Aktivkreis Frechen ist geteilter Meinung
Bianka Pauli, stellvertretende Vorsitzende des Aktivkreises Frechen, hat eine ganz klare Meinung: „Eine Sonntagsöffnung fände ich mega!“ Die Inhaberin einer Boutique für Damenmode und Dekoartikel in der Frechener Fußgängerzone berichtet, sie fahre selber oft sonntags nach Holland, wo die Geschäfte geöffnet seien und genieße dann die Ruhe beim Einkaufen. „Ich wäre voll dabei und hätte kein Problem damit, regelmäßig sonntags zu öffnen. Schließlich haben die Leute dann frei und können gemeinsam bummeln gehen“, so Pauli. Zum Ausgleich könne sie sich vorstellen, dann montags oder dienstags geschlossen zu haben.
Der Vorsitzende des Aktivkreises Frechen, Hotelier Michael May, kann die Begeisterung von Bianka Pauli verstehen, zeichnet von den Geschäftsleuten allgemein aber ein anderes Stimmungsbild. Der Aktivkreis habe kürzlich zu den Sonntagsöffnungen eine Umfrage gestartet und rund 600 Fragebögen im Stadtgebiet verteilt. „Die Resonanz finde ich beschämend“, so May.
Nur 40 Befragte hätten geantwortet, davon seien lediglich vier für die Lockerung der Öffnungszeiten am Sonntag gewesen. Dies sei für ihn überraschend, im Hotel- und Gastronomiegewerbe sei es für ihn ganz normal, samstags und sonntags zu arbeiten. Er vermutet, dass das Personalproblem der Grund für die Zurückhaltung sei. Großes Interesse habe er aber an der Aktion „Late Night Shopping“ mit längeren Öffnungszeiten an Werktagen verzeichnen können.
Interessensvertretung aus Brühl will mehr verkaufsoffene Sonntage
Die Zeit für fortwährendes Shopping am Sonntag sieht Frank Pohl, Chef der Brühler Einzelhandelsinteressenvertretung, noch nicht gekommen. Geschäftsleute bräuchten auch regelmäßig freie Tage, um durchzuatmen und zuverlässiges Personal sei nicht so leicht zu finden und müsse bezahlt werden. Derzeit gibt es in Brühl vier verkaufsoffene Sonntage im Jahr. „Zwei zusätzliche könnten interessant sein“, so Pohl. Auch sei es sinnvoll, den Zwang zu beseitigen, nur anlassbezogen sonntags öffnen zu dürfen. „Das würde dem Handel mehr Flexibilität verschaffen“, glaubt er.
Roel van Doorne, Vorstandsmitglied im Aktionsring Pulheim, reagiert zurückhaltend. „Wir werden in der Jahreshaupt ansprechen, inwieweit die Ladenöffnungszeiten an Sonntagen ausgeweitet werden können.“ Derzeit sehe er allerdings keine Aussichten auf Erfolg, so van Doorne mit Blick auf die vier verkaufsoffenen Sonntag im Zentralort. Seit der Pandemie sei der Kreis der Einzelhändler, die an verkaufsoffenen Sonntagen ihre Geschäfte öffneten, kleiner geworden. „Es lohnt sich mehr in Ballungsgebieten und an Orten mit Einkaufszentren.“
