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„Mut zum Unmut“Warum wir mehr Widerspenstigkeit brauchen: Lesung und Gespräch in Neunkirchen-Seelscheid

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Paulina Löffelholz: "Mut zum Unmut" Lesung mit Matthias Meisner

„Die aktuelle Zeit verlangt einfach nach diesem Buch“: Paulina Löffelholz über „Mut zum Unmut“ von Matthias Meisner und Paul Starzmann.

Warum brauchen wir in der aktuellen Zeit Renitenz? Darum geht es in der Lesung mit dem Buchautor Matthias Meisner, die der Inhaberin der Buchhandlung Löffelholz besonders am Herzen liegt.

Paulina Löffelholz hat schon viele Lesungen organisiert, aber noch nie war ihr eine Veranstaltung so wichtig wie diese: „Die aktuelle Zeit verlangt einfach nach diesem Buch. Wenn wir jetzt nicht mutig sind und die Missstände ansprechen, dann wird das kein gutes Ende nehmen.“

„Mut zum Unmut - warum wir in heutigen Zeiten Renitenz brauchen“ heißt die Veranstaltung, die die Inhaberin der Neunkirchen-Seelscheider Buchhandlung Löffelholz in Zusammenarbeit mit unter anderem dem Buchautor Matthias Meisner organisiert. Renitenz - was ist das eigentlich? „Wenn man Renitenz googelt, klingt das erstmal irgendwie bösartig, aufrührerisch“, sagt Löffelholz. „Die Botschaft in dem Buch ‚Mut zum Umut‘ ist aber, ,seid renitent, aber bleibt dabei fair und gerecht und geht miteinander ins Gespräch.“

Paulina Löffelholz hofft, dass Besucher der Veranstaltung Mut zum Diskutieren schöpfen

Rechtsruck, steigende Auswirkungen des Klimawandels und zunehmende soziale Ungleichheit. Das Gefühl, politisch und gesellschaftlich unzufrieden zu sein, aber nicht zu wissen, was man dagegen tun soll, kennt auch Paulina Löffelholz. „Die Feinde der Demokratie formieren sich immer mehr und versuchen sich in der Mitte der Gesellschaft fest zu positionieren. Viele Demokratinnen und Demokraten dagegen ziehen sich immer mehr resigniert und mutlos zurück“, sagt Paulina Löffelholz. „Diesen Trend müssen wir umkehren und die Menschen mit Argumenten und neuem Mut ausstatten.“

Das Buch „Mut zum Unmut - Eine Anleitung zur politischen Widerspenstigkeit“ ist 2025 erschienen, geschrieben von den freien Journalisten Matthias Meisner und Paul Starzmann. Letzterer wird am 13. Januar in der Kirche Sankt Margareta Auszüge vorlesen und gemeinsam mit drei Gästen ins Gespräch gehen, die in dem Buch zu Wort kommen. Diese sind die Dozentin und politische Bildnerin Bahar Aslan, die Pädagogin Inke Hummel und die Politikerin und Verdi-Vertrauensfrau Conny Swillus-Knöchel. Die Moderation übernimmt Alexander Behrens, Lektor des Buches und Leiter des Bonner Dietz-Verlags.

Wenn wir jetzt nicht mutig sind und die Missstände ansprechen, dann wird das kein gutes Ende nehmen.
Paulina Löffelholz

Der Kontakt zu Matthias Meisner kam über Inke Hummel zustande, mit der Paulina Löffelholz schon einmal eine Veranstaltung zu deren Buch „Vom Müssen zum Wollen“ organisiert hat. Als Hummel die Idee zur Lesung und Diskussion von „Mut zum Unmut“ ansprach, sei sie sofort begeistert gewesen, sagt Löffelholz. In der Neunkirchen-Seelscheider Buchhandlung selbst würden aber nur maximal 70 Personen Platz finden, gerne wollte sie die Inhalte des Buches an mehr Menschen herantragen. Der Pastor der Kirche Sankt Margareta zeigte sich offen für die Veranstaltung, hier ist Platz für bis zu 300 Personen.

Da ihr das Thema des Buches so wichtig sei, hofft Paulina Löffelholz sehr, die Kirche auch füllen zu können: „Ich habe alle Hebel in Bewegung gesetzt“. So habe sie alle Schulen im Umkreis angeschrieben und die Bürgerinitiativen „Siegburg zeigt Haltung“, „Neunkirchen-Seelscheid ist bunt“, „Mucher Bündis für Demokratie“, „Unverpackt Seelscheid“, „Laut für Demokratie in Hennef“ und die Flüchtlingsinitiative Lohmar-Siegburg mit ins Boot geholt.

Für wen der Ticketpreis zu hoch ist, soll sich in der Buchhandlung Löffelholz melden

Am Ticketpreis solle es nicht scheitern, wem zehn Euro zu viel sind oder wer es sich nicht leisten kann, könne sich gerne bei ihr melden, sagt Paulina Löffelholz: „Hauptsache, die Leute kommen“. Alle Erlöse, die aus dem Ticketverkauf entstehen, werden in Abstimmung mit der Kirche an das Kindermissionswerk der Sternsinger gespendet.

Der Zeitpunkt am 13. Januar sei passend, „weil viele vielleicht Neujahrsvorsätze haben, mit der Gesellschaft oder Politik unzufrieden sind und aktiv werden wollen, aber nicht wissen, wie“, sagt Paulina Löffelholz. „Vielleicht ist das ein guter Vorsatz: Ich möchte den Mund aufmachen, wenn ich Missstände und Ungerechtigkeiten erkenne.“

Man muss natürlich auch Wissen haben und argumentieren können, um zum Beispiel mit Feinden der Demokratie zu reden. Das fällt vielen schwer.
Paulina Löffelholz

Ihrer Beobachtung nach seien viele Menschen bei Diskussionen unsicher und wollen niemanden verärgern. „Man muss natürlich auch Wissen haben und argumentieren können, um zum Beispiel mit Feinden der Demokratie zu reden. Das fällt vielen schwer“, sagt Löffelholz. Sehr verständlich sei auch, dass viele Menschen, gerade in Zeiten politischer und gesellschaftlicher Unbeständigkeit, in ihrem persönlichen Umfeld nach Harmonie suchen. Das dauerhafte Vermeiden von Diskussionen sei jedoch gefährlich, sagt Löffelholz. Sie hofft, dass im Rahmen der Veranstaltung Menschen zusammentreffen und sich dazu austauschen können, wie sie in ihrem Alltag für demokratische Werte einstehen können.

In „Mut zum Unmut“ werden mehrere Themen angesprochen, bei denen man als Leserin oder Leser auch die eigene Lebesgeschichte reflektiert, sagt Löffelholz. Beispielsweise geht es darum, wie vielen schon im Kindesalter die Renitenz aberzogen wird. „Ich bin jetzt 40 – ich  gehöre noch zu dieser Generation, für die es hieß, Kinder müssen lieb und brav sein, Kinder sollen still sein und sich anpassen“, sagt Paulina Löffelholz. „Wenn man das von kleinauf gelernt hat, übernimmt man solche Verhaltensweisen natürlich in das Erwachsenenalter.“

Eine „Anleitung zur Renitenz“ am Ende des Buches zeigt in zwölf Geboten, wie man seine eigene Widerspenstigkeit zurückgewinnen und einsetzen kann, um politisch und gesellschaftlich etwas zu bewegen. Daran gefalle ihr besonders gut die Perspektive, dass auch kleine Schritte wirksam sein können, sagt Löffelholz: „Einzelne bewusste Handlungen im Alltag können vieles verändern. Wichtig ist nur, anzufangen.“