Gegen hochkochende Emotionen gibt es ein Rezept, das hat Neunkirchen-Seelscheid mit der Bürgerinformation bewiesen. Das Zauberwort: Transparenz.

HochemotionalesThemaNeunkirchen-Seelscheid zeigt, wie Transparenz funktioniert

Sandra Knipp und Stephan Franken (v.r.) vom Familienamt Neunkirchen-Seelscheid stellten das Konzept vor, Bürgermeister Guido Vierkötter begrüßte die Zuhörer.
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Verwaltung ist für den Bürger da, eine Binsenweisheit, eigentlich. Viel zu oft erscheint der Satz nur als hohle Phrase, fühlen sich Menschen nicht rechtzeitig informiert und nicht gehört. Die Gemeinde Neunkirchen-Seelscheid hat jetzt gezeigt, wie es besser laufen kann. Nämlich mit größtmöglicher Transparenz. Und das bei einem hochemotionalem Thema: der Unterbringung von Geflüchteten.
Da war in der Vergangenheit viel Porzellan zerschlagen worden, fanden Entscheidungen hinter verschlossenen Türen statt, wurden Fakten geschaffen und wichtige Informationen erst danach mitgeteilt. Als Reaktion gründete sich eine Bürgerbewegung, die letztendlich ihr Ziel erreichte und einen Beschluss kippte. Ein Schatten auf der sonst so glänzenden Erfolgsbilanz der Bürgermeisterin.
Zuerst werden die Bürger gehört, danach entscheidet der Rat von Neunkirchen-Seelscheid
Die CDU hatte schon vor der Wahl die Weichen gestellt, beharrte auf einem Gesamtkonzept. Eine gute Basis für den neuen Bürgermeister Guido Vierkötter (CDU). Der veränderte Fahrplan zeigt: Man hat gelernt. Der von der Verwaltung erarbeitete, detaillierte Konzeptentwurf wurde zunächst den Bürger präsentiert, gut strukturiert, ausführlich, aber nicht ausufernd. Die Sprache: kein verklausuliertes Amtsdeutsch, sondern klar und deutlich. So sollte es immer sein.
Jeder Zuhörer und jede Zuhörerin, die wollten, kamen zu Wort. Ohne Zwischenrufe, ohne Unterbrechungen. Selbst provokant klingende Fragen wurden seitens des Familienamtes sachlich und geduldig beantwortet. Nach fast dreistündiger Bürgerinformation gab es das Versprechen, alle Einwände und Anregungen schriftlich zu beantworten. Und diese ins Netz zu stellen.
Klar ist: Einen Konsens in allen Punkten kann es nicht geben, zu unterschiedlich sind die Meinungen zum Thema. Die Krise mit Wohnungsnot und steigenden Kosten belastet viele Bürger, die zu Recht die Frage nach den Kosten der Integration stellen – und wer diese am Ende trägt.
Das Gros des Publikums war merklich beeindruckt von so viel Bürgernähe. Und von der maximalen Transparenz. Die Entscheidungen muss nun die Politik treffen. Die Bürger können diese nun besser verstehen. Und vielleicht auch akzeptieren.
