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Von Schussbatterie getroffen71-Jährige verklagt Feuerwerkshersteller Weco aus Eitorf

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Blick auf ein Plakat vor der Firma Weco.

Die Batterie „Goldfinger“ von Weco soll laut Klägerin eine Fehlkonstruktion gewesen sein.

Die Firma bestreitet die Vorwürfe und geht von einem nicht unüblichen Bedienungsfehler aus. Ein pyrotechnischer Gutachter soll Klarheit schaffen.

Es war kurz nach Mitternacht, das neue Jahr 2025 keine zehn Minuten alt. Die Partygäste – eigens zum Jahreswechsel von einem befreundeten Ehepaar nach Magdeburg geladen – hatten sich an einem Feldacker versammelt, wo die Feuerwerksbatterien bereits aufgestellt worden waren. Alle schauten gen Himmel, um den bunten Pyro-Zauber nicht zu verpassen. Plötzlich jedoch jagten die Raketen nicht in die Höhe, sondern traten seitlich aus einer der Feuerwerksbatterien aus und irrten in Bodennähe über das Feld.

Panik brach aus, alle versuchten sich zu retten, eine 71-Jährige fiel schlagartig zu Boden. Einer der Irrläufer hatte die Besucherin mit großer Wucht am Unterschenkel getroffen. Nichts war zu sehen, zunächst: kein Blut, keine Wunde, aber dann schwoll die Gewebestelle an, wurde ein monströser Bluterguss, der sich später entzündete. Ein halbes Jahr lang war die Seniorin aus Sankt Augustin in Kliniken unterwegs. Der Schmerz ist ihr bis heute geblieben.

Rentnerin verklagt Weco auf Schmerzensgeld

Vor dem Bonner Landgericht hat die 71-Jährige jetzt den Hersteller der Feuerwerksbatterie – das Pyrotechnische Unternehmen Weco aus Eitorf – auf 6000 Euro Schmerzensgeld verklagt. Die Klägerin ist sich sicher, dass „Goldfinger“, so der Name der Batterie mit 21 Schuss und einer „Effekthöhe“ von 70 Metern, eine Fehlkonstruktion war, da die Schüsse nicht senkrecht nach oben ausgeworfen worden seien, sondern seitlich ins Feld.

Einen Bedienungsfehler schließt sie aus. Die für das Feuerwerk verantwortlichen Freunde hätten sich für die Pyro-Show eingehend vorbereitet und im Internet die Funktionsweise des Feuerwerks minutiös erklären lassen. Ihre Argumentation: Weco hafte für die Schäden und damit auch für die Verletzung ihres linken Beins.

Anwalt von Weco vermutet Bedienungsfehler

Die Pyrotechniker aus Eitorf jedoch bestreiten alle Vorwürfe. Der Anwalt des Unternehmens, offenbar versiert in dem Thema, erklärte im Gütetermin vor der 7. Zivilkammer, dass ihm das Schadensbild plausibel, aber auch bekannt sei. Er gehe davon aus, dass es sich – wie in den meisten Fällen – um einen Bedienungsfehler der Käufer gehandelt habe: Möglicherweise sei die Batterie nicht ordnungsgemäß plan aufgestellt worden. Da „Goldfinger“ durch die Wucht des Abschusses durchaus auch umkippen könne, hätten die Entwickler der Batterie vier „Füße“ gegeben, die vor Gebrauch zwingend ausgeklappt werden müssten.

Zu einem gütlichen Vergleich, so stellte der Rechtsvertreter von Weco gleich klar, sei die Firma nicht bereit. Was wirklich in der Silvesternacht passiert sei, könne letztlich nur ein Gutachter an der abgefackelten Batterie feststellen, die damals auf dem Feld bei Magdeburg auch gesichert wurde. Von all den Zeugen, die die Klägerin, unter anderem auch ihren Ehemann, angeboten hat, verspricht sich Weco wenig: „Bei einem Feuerwerk schauen alle in der Regel nach oben, aber keiner hat die Position der Abschuss-Batterie im Blick“, sagte der Anwalt der Beklagten.

Pyrotechnischer Gutachter soll beauftragt werden

Einen pyrotechnischen Gutachter zu beauftragen, hielt auch die Vorsitzende Richterin Andrea Schlütter für sinnvoll, um zu erfahren, ob besagte „Goldfinger“-Batterie möglicherweise einen Konstruktionsfehler hatte oder ob sie schlichtweg falsch bedient wurde. Nicht zuletzt auch, weil sämtliche, nachtdunkle Videos, die die Klägerin eingereicht habe, als Beweismittel nicht besonders hilfreich seien, da keines den konkreten Unfall zeige.

Die Klägerin, die nur ein verhaltener Fan von Feuerwerk ist und wohl ihr Leben lang mit dem Schmerz leben muss, hätte ihren Fall gern schneller abgeschlossen. „In der Nacht“, erinnerte sich die 71-Jährige nach dem Gerichtstermin, „stand ich von dem Feuerwerk am weitesten weg – und wurde am schwersten getroffen.“