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„Weit über den Fußball hinaus“Troisdorfer nimmt Abschied von der WM in den USA

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Reporter Olaf Pohl legt seine Arme auf Schultern von Männern, die links und rechts von ihm stehen.

Olaf Pohl (Mitte) kam bei seinem zehntägigen Aufenthalt in Kalifornien mit Sportfans aus aller Welt ins Gespräch.

Reporter Olaf Pohl war bei der Fußball-WM in Kalifornien vor Ort. Nach dem letzten Stadionbesuch bleiben ihm vor allem die Begegnungen im Kopf.

Irgendwann endet jede Reise. Auch mein zehntägiger Ausflug zur Fußball-WM in Kalifornien ist nun zu Ende. Das letzte Spiel im Stadion führte mich noch einmal mitten hinein in das bunte Treiben vor den Toren der San Francisco-Arena. Paraguay gegen die Türkei lautete die Paarung: Und wieder zeigte sich, dass die Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko weit mehr ist als nur Fußball.

Zu meinen ersten Gesprächspartnern gehörten Ugur Develioglu (26), Yasin Obuz (37) und Barbaros Tekin (25), die eigens aus Istanbul angereist waren. Obuz ist in der Türkei durch die Reality-Show „Survivor“ bekannt geworden. Develioglu hatte Deutschland bereits als Tourist besucht und schwärmte von Hamburg, Berlin und Bremen. Für ihn war die Favoritenrolle eindeutig. „Paraguay ist nicht gut genug“, sagte er und zählte mit Arda Güler, Kenan Yildiz, Orkun Kökcü und Baris Alper gleich mehrere mögliche Torschützen auf. Am Ende sollte sich dieser Optimismus allerdings nicht erfüllen.

Jeweils 280 US-Dollar für Tickets gezahlt

Wenig später lernte ich Martin Sermeño (30) kennen. Gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Onkel, seiner Schwester und seinem Neffen war er aus San José angereist. Die Familie stammt ursprünglich aus El Salvador. „Das ist unser Heimstadion. Warum sollten wir die Chance auf ein WM-Spiel nicht nutzen?“, fragte er schmunzelnd. Für die Eintrittskarten zahlte die Familie jeweils 280 US-Dollar. Trotzdem gab es für Sermeño keinen Zweifel. „Wir Latinos müssen zusammenhalten.“ Deshalb drückte er Paraguay die Daumen.

Zwei Männer, zwei Frauen und ein Baby stehen vor einem Stadium in Kalifornien.

Die Sermeños waren aus San José angereist, um Paraguay zu unterstützen.

Nur wenige Meter weiter wartete bereits die nächste Geschichte. Rebecca Troche (37) lebt heute in Texas, stammt aber aus Areguá in Paraguay. Gemeinsam mit ihren beiden Kindern, ihrem Vater und weiteren Angehörigen hatte sie rund 24 Stunden Reisezeit auf sich genommen, um ihre Nationalmannschaft live zu erleben. Als sie erfuhr, dass ich aus Deutschland komme, begann sie zu lächeln. „Wir haben viele deutschstämmige Familien in Areguá. Ich mag die Deutschen. Es sind freundliche Menschen.“

Erstes Tor fiel nach nur 64 Sekunden

Vor lauter Gesprächen verging die Zeit wie im Flug. Erst ein Blick auf die Uhr erinnerte mich daran, dass bis zum Anpfiff nur noch zwanzig Minuten blieben. Gerade noch rechtzeitig erreichte ich meinen Platz im überwiegend von türkischen Fans besetzten Block. Das frühe Führungstor Paraguays nach nur 64 Sekunden erlebte ich bereits von meinem Sitzplatz aus. Zur zweiten Halbzeit wechselte ich „freiwillig“ in den Stehplatzbereich des Mittelrangs, von wo aus sich das Geschehen deutlich besser verfolgen ließ.

Zwischen den WM-Spielen blieb außerdem Zeit, gemeinsam mit meinem Freund Patrick Sausen, der 2022 von Troisdorf-Oberlar nach Kalifornien ausgewandert ist, die beeindruckende Natur des amerikanischen Westens zu entdecken. Besonders der Sequoia-Nationalpark mit dem rund 2000 Jahre alten General Sherman Tree – dem gemessen am Holzvolumen größten Baum der Erde – hinterließ ebenso bleibende Eindrücke wie die Fahrt durch den Kings Canyon und der Besuch des Pinnacles-Nationalparks.

Eine Reise voller eindrücklicher Begegnungen

Während ich durch Kalifornien reiste, schrieben mir Freunde aus der Heimat, dass die Weltmeisterschaft inzwischen auch in Deutschland richtig Fahrt aufgenommen habe.

Für mich überwiegen nach zehn Tagen in den USA vor allem die vielen positiven Erinnerungen. Fußball hat einmal mehr seine völkerverbindende Kraft bewiesen. Menschen unterschiedlichster Nationen begegneten sich friedlich, offen und neugierig. Ich habe unzählige Gespräche geführt, spannende Lebensgeschichten gehört und überall freundliche Helfer sowie gut und mit viel Fingerspitzengefühl organisierte Abläufe erlebt.

Mein letztes WM-Spiel vor Ort sehe ich nun nicht mehr live im Stadion, sondern auf einem Bildschirm am Flughafen von San Francisco. Dort verfolge ich – zumindest teilweise – die Partie der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste, bevor es zurück nach Hause geht.

Die Weltmeisterschaft bleibt für mich damit vor allem eines: eine Reise voller Begegnungen, die weit über den Fußball hinaus in Erinnerung bleiben wird.