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Nach Konflikten im RatSo geht es mit dem Neubau der Kita „Waldgeister“ in Lohmar weiter

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Richtfest bei der Kita "Waldgeister" an der Lohmarer Pützerau

Kinder konnten den Rohbau ihrer zukünftigen Kita beim Richtfest entdecken.

Bürgermeister Matthias Schmitz (CDU) war gegen den neuen Standort der Kita „Waldgeister“ an der Pützerau, jetzt möchte er Vorbehalte auflösen.  

Zum 1. August 2026 sollen bis zu 100 Kinder in die neue Kita „Waldgeister“ einziehen können, „aber wenn ich mir den Baufortschritt anschaue, wäre das vielleicht theoretisch schon an Ostern möglich“, schätzte der Beigeordnete Andreas Behncke beim Richtfest am Donnerstag, 15. Januar. Auf 1200 Quadratmetern finden sechs Kita-Gruppen Platz. 

Lohmarer CDU hatte sich entschieden gegen den Bau an der Pützerau ausgesprochen

Der Rohbau wirkt beim Betreten geräumig und verwinkelt, mit insgesamt 18 Aufenthaltsräumen, entsprechend einem Drei-Raum-Konzept für jede Gruppe. Die alten Kita-Räumlichkeiten an der Hermann-Löns-Straße sollen nach dem Standortwechsel der „Waldgeister“ für Schulzwecke genutzt werden; idealerweise sollten in den Sommerferien schon Umbaumaßnahmen stattfinden können, sagte Andreas Behncke. Man habe also ein Interesse an einer früheren Fertigstellung, noch sei das aber nicht sicher absehbar. „Die großen Hürden sind wettertechnisch umschifft; das Dach ist drauf, die Fenster sind weitestgehend drin.“

Richtfest bei der Kita "Waldgeister" an der Lohmarer Pützerau

Über die Nutzung des kleinen Innenhofs sollen Kita-Kinder selbst entscheiden können.

Auch das Außengelände müsse noch angelegt werden, das werde vermutlich erst Mitte des Jahres passieren, so Behncke. Außergewöhnlich ist ein „Atrium“, ein kleiner Innenhof mitten im Kita-Gebäude. Über dessen Nutzung sollten die Kinder selbst entscheiden können, kündigte Behncke, beispielsweise könne hier ein kleiner Kräutergarten entstehen. 

Zum Richtfest waren Vertreterinnen und Vertreter aus der Politik, von der Kindertagesstätte und dem zugehörigen Förderverein, dem Architekturbüro Heinz Hennes und die Investoren Sven Hofmann und Rainer Herzberg erschienen. Auch die aktuell noch im Schulzentrum in der Hermann-Löns-Straße untergebrachten Kinder konnten mit ihren Eltern den bereits fortgeschrittenen Rohbau entdecken.

Richtfest bei der Kita "Waldgeister" an der Lohmarer Pützerau

Bürgermeister Matthias Schmitz erschien zum Richtfest, Kinder präsentieren ihre Wünsche für die neue Kita.

Die Verlegung der Kita wurde wegen starken Aufkommens an Elterntaxis am Schulzentrum beschlossen, außerdem befindet sich die Kita dort im Obergeschoss, ist also weder barrierefrei noch besonders kindergeeignet. Um den Standort der neuen Kita „Waldgeister“ hatte es starke Auseinandersetzungen zwischen der damaligen Ratskooperation aus Grünen, SPD und UWG und der CDU gegeben. Erstere konnten den Standort an der Pützerau als damalige Ratsmehrheit durchsetzen. Ende August 2025 folgte der Spatenstich mit der damaligen Bürgermeisterin Claudia Wieja.

Bürgermeister Matthias Schmitz erschien zum Richtfest: „Ausdruck lebendiger Demokratie“

Die CDU hatte sich wegen befürchteter Verkehrsprobleme entschieden gegen die Pützerau als Kita-Standort ausgesprochen und der Kooperation vorgeworfen, alternative Standorte nicht genügend geprüft zu haben. Dies stimme nicht, hatten Grüne, SPD und UWG sowie der von SPD zu CDU gewechselte Beigeordnete Andreas Behncke entgegnet: Man habe andere Standorte sorgfältig geprüft und keine Alternative in Lohmar-Ort gefunden. Der Grünen-Vorsitzende Horst Becker warf der Lohmarer CDU vor, auch im Wahlkampf „zusammen mit AfD-Mitgliedern populistisch gegen die neue Kita an der Pützerau gewettert“ zu haben.

Richtfest bei der Kita "Waldgeister" an der Lohmarer Pützerau

Der Bau schreitet schneller voran als geplant, so der Beigeordnete Andreas Behncke.

Der im Septemeber neu gewählte Bürgermeister Matthias Schmitz (CDU) erschien zum Richtfest, obwohl auch er „nicht der größte Befürworter für den Standort“ war. Dennoch das Richtfest zu feiern, sehe er als „Ausdruck lebendiger Demokratie“, der Bau an der Pützerau sei schließlich durch eine gewählte Ratsmehrheit entschieden worden. Hier biete sich außerdem die Möglichkeit, zu erfahren, wie die Umsetzung des Bauprojekts erfolge, „und auch auf dieser Basis zu schauen, wie man den Herausforderungen, Nöten und Ängsten der Anwohnerinnen und Anwohner hier entgegenkommen kann“.

Sorgen in der Nachbarschaft: Verkehrssituation soll nach dem Kita-Bau evaluiert werden

Er sehe heute auch die positiven Aspekte des neuen Kita-Standortes direkt am Wald, sagt Matthias Schmitz. Als Bürgermeister sei es seine Aufgabe, „Vorbehalte aufzulösen und bei Problemen oder Befürchtungen, die es gibt, zu versuchen, bestmögliche Lösungen zu finden, damit ein gemeinsames Leben der Anwohnerschaft und der Kita ermöglicht wird“.

Menschen aus der Nachbarschaft der Pützerau hatten sich um das erwartete erhöhte Verkehrsaufkommen durch den Hol- und Bringverkehr gesorgt. Die Stadt Lohmar war kurz nach Baubeginn in den Dialog mit Menschen im Umfeld des Standorts getreten. Laut einem Gutachten, das der Beigeordnete Bernhard Esch vorgestellt hatte, ist nur mit einer geringen Zunahme an Verkehr zu rechnen.

Wirklich einschätzen können werde man die Lage erst, wenn der normale Kita-Betrieb begonnen habe, sagte Bernhard Esch beim Richtfest. Sobald dies der Fall sei, wolle man rasch eine Evaluation zur Verkehrssituation durchführen. Hier wolle man dann erneut mit Anwohnerinnen und Anwohnern sprechen und Verbesserungsvorschläge aufnehmen.