Egal ob Schulkinder, Polizeibeamte oder Feuerwehrleute: Die Fähren transportieren in Zeiten der Brückensperrung deutlich mehr Menschen.
Über den Rhein pendelnVerstärkter Zulauf bei Mondorfer und Königswinterer Fähren wegen Brückensperrung

Die Rheinfähre „Christophorus“ in Niederkassel-Mondorf kann 140 Tonnen tragen.
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Mehr als zwei Wochen sind vergangen seit Stunde Null, seit die Bonner Nordbrücke für sämtlichen Verkehr gesperrt wurde. Die Mondorfer Fähre und die Königswinterer Fähre erleben seitdem einen verstärkten Zulauf, beide Betriebe suchen jedoch Kassiererinnen und Kassierer.
„Die Lage hat sich nicht beruhigt, es ist durchgehend voll: Morgens auf Niederkasseler Seite, nachmittags am Bonner Ufer“, sagt Ansgar Stüben, der als Fährführer auf einem der beiden Schiffe zwischen Mondorf und Graurheindorf arbeitet. „Vormittags ist es mal für eine halbe Stunde ein bisschen ruhiger, dann haben wir die Fähren nur zu 80 Prozent voll. Danach staut es sich wieder“, schildert er. Eine Fähre brauche neben einem Steuermann zwei Kassierer, die die Autos einwiesen und abkassierten.
Wir machen alle massiv Überstunden und stellen fleißig Personal ein.
„Wir machen alle massiv Überstunden und stellen fleißig Personal ein. Fünf bis sechs Mal so viele Fahrgäste wie vorher, schätzt Stüben, bringe die Lux-Werft nun über den Rhein. „Wir versuchen noch, unseren Rhythmus zu finden, derzeit ist es wirklich anstrengend. Sicher wird es bald entspannter, aber uns ist klar, dass die Lage nicht wie vorher werden wird.“ Am Freitag hatte Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder verkündet, dass die Nordbrücke nicht mehr für den Verkehr freigegeben werden kann. Die marode Vorlandbrücke auf der linken Rheinseite soll so schnell wie möglich neu gebaut werden.
Neben hunderten Schülerinnen und Schülern, die allmorgendlich zwei bis drei Fähren allein füllten, wählten auch viele Rettungswagen und Polizeistreifen den Weg übers Wasser – auch auf Einsatzfahrten, so der Fährführer. „Die fahren wir umsonst rüber“, versichert Stüben. Die Kundinnen und Kunden seien dankbar, dass die Werft tagsüber mit zwei Fähren unterwegs sei. Die dritte verkehrt zwischen Niederdollendorf und Bad Godesberg. Viele hätten sich inzwischen Zehnerkarten zugelegt. „Da ist es auch mehr geworden, aber nicht so extrem wie hier.“ Auch zwischen Linz und Remagen in Rheinland-Pfalz gibt es eine Fähre. „Ich habe gehört, dass die selbst dort zwei Fahrzeuge einsetzen“, sagt Stüben.
Entwicklung des Fährbetriebs hängt von der Brücken-Sperrung ab
Eine Nutzung der Nato-Rampen einige Kilometer flussaufwärts hält er für schwierig. Niederkasseler CDU-Politiker hatten vorgeschlagen, eine Fähre der Bundeswehr dort pendeln zu lassen. „Dafür braucht es Genehmigungen, die gibt es nicht von jetzt auf gleich. Wir könnten es nicht leisten, schon wegen des Personalmangels: Eine Ausbildung zum Fährführer dauert ein Jahr.“ Zudem seien die Führerscheine standortgebunden. „Wir haben vier Vollzeit-Kräfte und zwei Aushilfen – ich wäre der Einzige, der da fahren dürfte.“

Die NATO-Rampe in Niederkassel-Lülsdorf
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Vorerst staut sich alles, was rollt, weiterhin vor den Rampen in Mondorf und Graurheindorf. „Sattelzüge, Lkw, Traktoren mit allen Arten von Anbaugeräten“, zählt Stüben auf. Die große Fähre, die „Christophorus“, habe eine Traglast von 140 Tonnen, wobei ein einzelnes Fahrzeug nur maximal 52 Tonnen wiegen dürfe. „Seit die Brücke für Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen gesperrt wurde, kamen einzelne Lkw, jetzt kaum noch welche.“ Der allgemeine Andrang wirke sich jedoch auf den Umsatz aus. „Viele kaufen die 50er-Karten, auch die 10er-Karten gehen gut weg“, sagt Stüben. Wie sich der Fährbetrieb langfristig entwickeln soll, hänge von der Brücke ab. Bundesverkehrsminister Schnieder hatte in Aussicht gestellt, dass die Nordbrücke Ende 2028 wieder für den Verkehr freigegeben werden könne.
Fähre zwischen Königswinter und Bonn-Mehlem wird ab Juli Teil des ÖPNV
Deutlich mehr Verkehr auf der Fähre verzeichnet auch Michael Birk, Geschäftsführer der Rheinfähre zwischen Königswinter und Bonn-Mehlem. „Die Schlangen im Berufsverkehr kriegen wir morgens gut weg. Das liegt auch daran, dass unser Schiff 45 Autos transportieren kann“, sagt er. Viele Kundinnen und Kunden stammten aus der Umgebung südlich von Bonn und suchten auch von dort den Weg in die Stadt. „Wenn die Südbrücke gesperrt ist, ist es deutlich schlimmer“, stellt er klar.

Die Fähre wird für Radfahrer und Fußgänger während der Sperrung der Bahntrasse Teil des ÖPNV.
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Anders als in Mondorf wird die Fähre ab dem 10. Juli in den ÖPNV eingebunden. Die Verbindung ist dann unter anderem im Deutschland-Ticket mitenthalten. „Das gilt aber nur für Fußgänger und Radfahrer. Autofahrer zahlen den normalen Tarif“, sagt Birk. Diese Maßnahme hänge allerdings nicht mit der Brückensperrung zusammen, sondern der Generalsanierung der rechtsrheinischen Bahnstrecke. „Da ist der VRS auf uns zugekommen.“
Die Fähre starte um 5.45 Uhr in Königswinter, um 21.45 Uhr fahre die letzte des Tages. „Wir haben auf unserer Webseite eine anonyme Umfrage gestartet, ob wir eine Viertelstunde oder halbe Stunde eher anfangen sollen“, sagt Birk. „Die Kunden sind dankbar, dass wir fahren. Schlechte Laune ist nicht zu spüren, zumindest lassen sie die nicht an uns aus.“ Probleme mit dem Wasserstand in den Sommermonaten seien nicht zu erwarten. „Da unser Schiff kaum Tiefgang hat, kommt es mit jedem Wasserstand zurecht“, so Birk.
