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Zu hohe BelastungADAC-Experte zur Bonner Nordbrücke: Sperrung könnte zu Dominoeffekt führen

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Die Bonner Brücke ist gesperrt.

Die Bonner Brücke ist aktuell gesperrt.

Ein Verkehrswissenschaftler des ADAC warnt vor einem Zerfall der Brücken auf den Ausweichrouten – denn die werden nun noch stärker belastet.

„Zehn Prozent der Brücken in Nordrhein-Westfalen liegen auf der Intensivstation“, sagt Professor Roman Suthold, Leiter der Abteilung Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. Grund dafür sei das vorzeitige Ende ihrer Nutzungsdauer, das früher gekommen sei als erwartet. „Die Brücken wurden in den 60er- und 70er-Jahren gebaut. Damals ging man nicht von einem derartigen Verkehrsaufkommen auf, wie wir es heute haben. Und auch die Lkw sind viel schwerer als früher.“

Die Region trifft es derzeit besonders hart: Die Bonner Nordbrücke ist gesperrt, das Autobahnkreuz Bonn/Siegburg zum Teil, auf der A4 gibt es Einschränkungen im Bereich Köln-Eifeltor – alle gleichzeitig. „Man kann der Autobahn GmbH keinen Vorwurf machen, dass sie nicht genug tut oder die Maßnahmen nicht aufeinander abstimmt: Es wurde einfach in der Vergangenheit zu wenig getan. Sie muss gucken, dass der Verkehr überhaupt noch irgendwo fließt“, sagt Suthold. Die plötzliche Sperrung der Rahmedetalbrücke in Lüdenscheid habe die Zeitpläne durcheinander gebracht. „Zum Vergleich: Da fuhren täglich 50.000 Fahrzeuge drüber, in Bonn doppelt so viele.“

Zu viele Lkw können die Lebenszeit stark verkürzen

Allerdings habe es in der sauerländischen Kreisstadt keine Ausweichroute gegeben, alle Fahrzeuge mussten sich über die Hauptstraße im Ort quälen. „In Bonn gibt es ja noch andere Brücken.“ Diese würden dadurch jedoch stärker in Mitleidenschaft gezogen. „Wir haben das bei der Leverkusener Brücke gesehen: Die Mülheimer Brücke war wegen der Sperrung viel schneller sanierungsbedürftig gewesen.“ Ähnliches drohe bei der Kennedybrücke und der Konrad-Adenauer-Brücke in Bonn und bei der Rodenkirchener Brücke im Kölner Süden. „Ein Drittel der Lkw fährt jetzt über die A4 – das kann die Lebensdauer sehr stark verkürzen. Es ist ein Dominoeffekt“, warnt Suthold.

Generell seien die Lkw ein im Wortsinne schwerwiegendes Problem: „Grob geschätzt kann man sagen, dass ein Lkw die Brücke so stark belastet wie 60.000 Autos. Wenn die Bonner Nordbrücke wieder fahrbereit gemacht werden kann, dann nur für Pkw- und Radverkehr“, sagt er. Er hoffe, dass eine Ertüchtigung in wenigen Wochen mit Stahlstützen unter der Vorlandbrücke möglich sei. „Sie führt ja über Land. Aber auch die Hauptbrücke über den Rhein ist sanierungsbedürftig.“ Unerlässlich sei dann eine Schrankenanlage für Lkw. „Die baut man aber nicht mal eben über Nacht.“

Prof. Roman Suthold ist Verkehrswissenschaftler beim ADAC Nordrhein.

Prof. Roman Suthold ist Verkehrswissenschaftler beim ADAC Nordrhein.

Die Region stehe vor jahrelangen Einschränkungen, insbesondere, sobald Jahreszeiten mit schlechterem Wetter als jetzt anbrächen. „Die Zeit für den Neubau der Brücke beträgt zwei Jahre. Hinzu kommen aber die Zeit für Planung und Genehmigung. Bei der Rahmedetalbrücke in Lüdenscheid stand die neue Brücke nach vier Jahren. In Bonn war die Autobahn GmbH vorgewarnt und hat mit der Planung hoffentlich schon begonnen“, sagt er. Suthold rät, ob der Dringlichkeit einen Ersatzneubau statt der geplanten Brücke mit verbreiterten Fahrspuren zu prüfen, denn dies würde zu einem größeren bürokratischen Aufwand führen.

Der ADAC habe errechnet, dass die Brückensperrung in der Region einen wirtschaftlichen Schaden von 170 Millionen Euro anrichten werde – und das war nur eine Prognose, bevor der Fall am 3. Juni tatsächlich eintrat. „Vermutlich wird der Verkehr etwas zurückgehen, denn schrumpft die Wirtschaft, geht auch der Verkehr zurück.“

Fachleute fehlen für den Drei-Schicht-Betrieb

Wer mit dem Auto durch Frankreich, die Niederlande oder Italien fahre, sehe oft, dass nachts an Baustellen gearbeitet werde. „Dort gibt es aber viel mehr freie Strecke, wohingegen unsere Autobahnen durch Ballungsgebiete führen. Wenn da nachts gearbeitet wird, beschweren sich die Anwohner.“ Zwar schreibe die Autobahn GmbH ihre Baustellen als Drei-Schicht-Betrieb aus – also rund um die Uhr – jedoch würden die Baufirmen nur zwei oder gar eine Schicht anbieten. „Es fehlen nun mal die Fachleute.“

Der ADAC-Mobilitätsexperte rät den Verantwortlichen in den Kommunen, Fahrrad- und Umweltspuren nicht für den Autoverkehr zu opfern. „Das Fahrrad ist ja derzeit das einzige Verkehrsmittel, mit dem man noch vorankommt.“ Auch der ADAC biete seinen Mitarbeitenden seit fünf Jahren an, ein Fahrrad zu nutzen, um zur Arbeit zu kommen. „Gerade in Bonn gibt es viele Bundesbehörden mit tausenden Mitarbeitenden. Da muss sich die öffentliche Hand einfach bewegen.“ Auch Homeoffice und Fahrgemeinschaften könnten helfen. „Klar ist aber auch, dass alle Bemühungen nicht ausreichen werden, um den Verkehr zu entlasten.“