Ihr Wille zur Freiheit konnte nicht gebrochen werden, mehrfach flüchtete die Kuh vor Menschen, bis sie auf einen Gnadenhof kam. Nun ist sie tot.
Ungezähmtes HerzAuf dem Weg zum Schlachter ausgebüxte Kuh „Wilde Hilde“ ist tot

Kuh Hilde (später Astrid) auf ihrer Zwischenstation bei der Tara Tierhilfe in Lohmar, bevor sie nach Niedersachsen kam. (Archivbild)
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Kuh Astrid, die in dieser Region besser unter dem Namen „Wilde Hilde“ bekannt ist, hat Anfang des Jahres für viel Furore gesorgt. Die Kuh mit dem unbeirrbaren Willen, frei zu sein, war im Dezember 2024 im oberbergischen Nümbrecht beim Verladen zum Schlachter ausgebüxt und in den Wald geflohen.
Sechs Wochen lang streifte sie durch den verschneiten Wald in Much-Herfterath, bis ihr schließlich ein Platz auf einem Lebenshof in Niedersachsen ermöglicht wurde. Nun ist die „wilde Hilde“ tot.
Jetzt bist du in den Wolken, so frei wie du hier nie sein konntest
„Hoffentlich findest du Ruhe und Seelenfrieden da, wo du jetzt bist, du wildes Herz“, schreibt der Lebenshof Wilde Hilde in einem Beitrag in den sozialen Medien über den Tod der Kuh Astrid. Dass sie den gleichen Namen trug wie der Hof, auf dem sie schließlich ihr restliches Leben verbringen sollte, war Zufall – aber vielleicht auch etwas Schicksal. Zu Ehren ihrer Retterin Astrid Rath wurde die Kuh schließlich umbenannt.
„Jetzt bist du in den Wolken, so frei wie du hier nie sein konntest“, schreibt das Team des Lebenshofs weiter. Viele Menschen waren an der Rettung des eigenwilligen Tiers beteiligt und nahmen Anteil an ihrer Flucht.
Sie war im Dezember 2024 auf dem Weg zum Schlachthof beim Verladen im oberbergischen Nümbrecht entkommen, sprang über eine hohe Absperrung und lief in den benachbarten Mucher Wald im Rhein-Sieg-Kreis. Dort streunte sie sechs Wochen lang umher, bis sie gefangen werden konnte. „Ich bin beeindruckt von dieser Energie und dem Lebenswillen“, sagte eine Tierschützerin aus dem südlichen Kreis damals dieser Zeitung. Gefangen wurde die Wilde Hilde aber schlussendlich nicht, um sie doch noch zum Schlachter zu bringen.
Kuh Hilde sprang aus dem Stand über 1,50 Meter hohe Hindernisse
Zahlreiche Tierschützerinnen und Tierschützer aus den Gegenden um Nümbrecht und Ruppichteroth schlossen sich zusammen, um die Kuh zu kaufen, sobald sie erfolgreich eingefangen war. Im Januar 2025 konnte die damals fünfjährige Kuh endlich eingefangen werden; vorübergehend wurde sie nach Lohmar auf den Hof der Tara Tierhilfe gebracht. Es hatte sich jedoch schon länger gezeigt, dass die Kuh sich gegenüber Menschen sehr ängstlich verhielt.
Einen endgültigen Platz fand die Wilde Hilde auf dem namentlich passenden Lebenshof Wilde Hilde in Niedersachsen, wo sie zu mehreren „Rindern mit Special Effects“ gehörte, wie Hofleiterin Melanie Vogelei sagte – gemeint ist, ihre Neigung über Zäune und Tore zu springen. Denn auch in Niedersachsen überwand die Wilde Hilde – jetzt Astrid – erstmal einen Zaun. Sie springe aus dem Stand über 1,50 Meter hoch, so Vogelei.

Am 3. Juli wurde auf dem Lebenshof 'Wilde Hilde' von Kuh Astrid das Kälbchen Ludwig geboren. Um Ludwig wird sich der Hof weiter kümmern.
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Das Verhalten von Astrid änderte sich aber auch nach längerer Zeit auf dem Lebenshof nicht. „Uns war sehr bewusst, wie gefährlich du bist, aber wir wussten auch, dass es keine reine Bosheit war, sondern irgendwas schrecklich schiefgelaufen war in deiner Vergangenheit“, so formuliert es der Lebenshof Wilde Hilde. Noch aggressiver sei Astrid geworden, als sie im Juli überraschend ein Kalb (Ludwig) geboren hatte, und ihr Mutterinstinkt hinzukam. Es habe Fortschritte und Rückschritte gegeben, heißt es seitens des Lebenshofes. „Mal ließt du Melli im Stall arbeiten, und Minuten später hast du zum Sprung angesetzt, um Zweibeiner vom Futtertisch zu prügeln.“
Die Kuh sei nun am 19. November gestorben, nachdem sie mit einer Betäubung habe ruhiggestellt werden müssen. Eine weitere Kuh namens Janell lag krank im Stall und Astrid ließ Mitarbeitende und Tierärzte nicht vorbei. Astrid habe aufgrund ihres aggressiven Verhaltens und ihrer Neigung, über Zäune und Tore zu springen, schon öfter ruhiggestellt werden müssen, heißt es vom Hof, dabei gebe es immer ein Risiko. Diesmal wachte sie von der Betäubung nicht mehr auf. Um ihr Kalb Ludwig will sich der Hof weiter kümmern.

