Der Ton im ÖPNV wird immer rauer, vor allem Beschäftigte im öffentlichen Nahverkehr sehen sich verstärkt Gewalt durch Fahrgäste ausgesetzt.
„Regelmäßige Szenarien“Wie Verkehrsgesellschaften in Rhein-Sieg ihr Personal vor Gewalt im ÖPNV schützen

Eine Fahrkartenkontrolleurin kontrolliert mit einem elektronischen Lesegerät in einer U-Bahn den Fahrschein eines Fahrgastes. (Symbolbild)
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Statistiken zeigen seit Jahren einen steigenden Trend bei Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Übergriffe und Gewaltdelikte richten sich dann besonders gegen Mitarbeitende im ÖPNV wie Service- und Kontrollpersonal. Im vergangenen Jahr wurden laut DB mehr als 3000 Mitarbeitende angegriffen. Die Zahl steigt nach Auswertungen des Statistischen Bundesamts seit Jahren fast kontinuierlich an. Aber auch in Bussen und Stadtbahnen nimmt die Gewaltbereitschaft zu.
Oft brauchen die Mitarbeitenden in solchen Fällen sogar Schulungen in deeskalierender Sprache oder müssen sich anderweitig selbst schützen. Unter anderem werden dafür inzwischen Körper-Kameras genutzt, die Vorfälle aufzeichnen. Die steigende Gewaltbereitschaft ist auch in der Region ein bekanntes Thema. Die Verkehrsgesellschaften wollen ihre Service-Teams bestmöglich schützen.
ÖPNV-Beschäftigte denken wegen Gewalt über Berufswechsel nach
Denn: Viele Beschäftigte denken aufgrund der steigenden Gewalt sogar darüber nach, den Beruf zu wechseln. Das ist das Ergebnis der aktuellen Sicherheitsumfrage der Eisenbahn- und Verkehrsgesellschaft. Demnach spielt knapp ein Drittel der Beschäftigten mittlerweile mit dem Gedanken, sich einen anderen Beruf zu suchen. „Zwei Drittel der Befragten fühlen sich auf der Arbeit immer unsicherer“, teilt die EVG mit. „Jeder Zweite hat mittlerweile einen körperlichen Angriff erleben müssen.“ Verbale Übergriffe wie Beleidigungnen oder Bedrohungen hätten 85 Prozent der rund 4000 Befragten erlebt.
Wie Nils Laschinsky, Prokurist bei der RSVG, auf Anfrage mitteilt, hätten auch im hiesigen Einzugsgebiet in den vergangenen Jahren die Anfeindungen und Auseinandersetzungen zwischen Fahrgästen und Kontrolleuren zugenommen. Aus diesem Grund habe sich die RSVG entschieden, externes Kontrollpersonal einzusetzen, da „unser eigenen Personal nicht über die Ausbildung und Sachkunde des Sicherheitsgewerbes verfügt“.
Die Gefährdungsbeurteilung und die Schutzmaßnahmen oblägen damit dem Kontrolldienst des Auftragnehmers, in diesem Fall die Firma Stölting, die seit März im Gebiet der RSVG im Einsatz ist. In den RSVG-Fahrzeugen würden aber derzeit keine Arten von Waffen oder Kameras durch das Kontrollpersonal verwendet.
Der Einsatz der Bodycams hat tätliche Angriffe in der Folge deutlich reduziert.
Laut Regionalverkehr Köln GmbH sind „verbale Angriffe gegenüber den Serviceteams der RVK in Form von Beschimpfungen und Drohungen leider regelmäßige Szenarien“, erklärt Pressesprecher Jan Peter Fischer auf Anfrage der Redaktion. Die RVK ist für den öffentlichen Busverkehr im linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreis, sowie im Rhein-Bergischen Kreis und in Euskirchen verantwortlich.
Dem Anstieg körperlicher Angriffe sei die RVK 2023 mit der Ausrüstung von Bodycam-Westen entgegengetreten. „Diese zeichne bei Aktivierung Vorgänge datenschutzkonform auf Video auf“, erklärt Fischer. Und es sei ein erfolgreiches Konzept: „Der Einsatz der Bodycams hat tätliche Angriffe in der Folge deutlich reduziert.“ Die Mitarbeitenden würden zudem jährlich in Seminaren geschult. Es gebe spezialisierte Trainings zur Deeskalation und Selbstverteidigung.
Stadtwerke Bonn verzeichnen gleichbleibend hohes Niveau von Gewaltvorfällen
Auch bei den Stadtwerken Bonn Bus und Bahn (SWB) ist das Thema Angriffe auf Kontrolleurinnen und Kontrolleure nicht unbekannt. Die erfassten Zahlen von Vorfällen wie Gewalttätigkeit und verbalen Angriffen seien in den vergangenen Jahren auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Im Jahr 2024 habe es 27 Vorfälle gegeben, teilt Maximilian Mühlens, stellvertretender Pressesprecher der SWB, mit. Im Jahr 2022 seien es 27 Vorfälle, die aufgezeichnet worden seien, 2023 insgesamt 26.
„Jeder Angriff auf unser Fahrpersonal, das Service- und Kontrollpersonal – ob physisch oder verbal – ist ein Angriff zu viel“, betont Mühlens. Um die Servicekräfte zu schützen, würden die Mitarbeitenden regelmäßig geschult, um deeskalierend handeln zu können. Im Fall eines Übergriffs oder Vorfalls in einem Fahrzeug informiere das Fahrpersonal sofort die Leitstelle von SWB Bus und Bahn.
„Von dort erhält das Fahrpersonal dann weiterre Hilfe und Anweisungen“, schildert Mühlens. Die Leitstelle informiere zudem umgehend die Polizei. „Auch haben wir die Möglichkeit einen beuaftragten Sicherheitsdienst an die Örtlichkeit zu schicken.“ Alle Busse und Bahnen seien mit Kameras ausgestattet, eine Videosicherung könne durch die Polizei oder Betriebsleitung angeordnet werden.
