Reisebüros verzeichnen kein steigendes Interesse an kühleren Zielen, kurzfristiges Umbuchen ist schwierig.
Trotz Feuer und HitzeReisende aus dem Rhein-Sieg-Kreis wollen weiter in den Süden

Nach Süden, ans Meer zieht es auch in diesem Jahr die Reisenden auch aus dem Rhein-Sieg-Kreis.
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Brände im Süden und Osten Europas, erbarmungslose Hitze in Zentralspanien, Niedrigwasser in den Flüssen. Gründe, im Urlaub lieber zuhause zu bleiben oder in kühlere Gefilde aufzubrechen? Offenbar nicht, wie eine Zufallsbefragung in Reisebüros ergab.
Wir beten jeden Tag, dass es richtig regnet
„Bei uns reisen sie alle tapfer“, berichtet Nicole Reif von „Reisen+mehr“ in Niederkassel. „Sie wollen alle reisen.“ Spanien, Griechenland, Türkei seien nach wie vor gefragte Ziele; „schwer im Kommen“ sei Ägypten. „Weil es preislich sehr attraktiv ist, gerade für Familien“, erläutert Reif. Die großen Waldbrände der vergangenen Wochen hatten keine Auswirkung auf Kunden der Niederkasseler Kauffrau.
Die anhaltende Trockenheit allerdings zwingt hin und wieder die Veranstalter von Flusskreuzfahrten zu Planänderungen: So wurden unlängst Reisende, die eigentlich in Bonn an Bord gehen wollten, nach Utrecht gefahren, wo sie dann das Schiff bestiegen. „Wir beten jeden Tag, dass es richtig regnet“, sagt Reif. Auch wenn sie diese Trockenheit im Sommer ja inzwischen gewohnt seien. Und: „Im Herbst regnet es dann zu viel, und die Schiffe fahren auch nicht.“

Waldbrände wie hier in Griechenland wüten auch in diesem Jahr in vielen Lländern Südeuropas.
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Ein verstärktes Interesse an Reisezielen im Norden hat Nicole Reif nicht feststellen können. Wohl gebe es eine große Nachfrage nach Reisen mit der Aussicht auf Polarlichter. Die meisten Kunden schreckten aber zurück, „wenn man ihnen die Preise zeigt für die deutsche See“. Die sind, so Reif, „wirklich hoch“. Und dann überlegten sich viele Kunden eben doch, in den Urlaub zu fliegen.
„Normales Geschäft“ im Hennefer Reisebüro
Dass Klimaextreme einen Einfluss auf das Buchungsverhalten haben, hat auch Adina Maas im Hennefer Büro Martius Reisen nicht festgestellt. „Ganz normal“ laufe das Geschäft, bei den Zielgebieten lägen die Klassiker vorn: Spanien, Griechenland und Türkei. Notwendige Änderungen bei der Route von Flusskreuzfahrten regelten die Reedereien im direkten Kontakt mit den Reisenden, eigene Kunden seien aber davon nicht betroffen.

Das anhaltende Niedrigwasser des Rheins macht den Veranstaltern von Flusskreuzfahrten und ihren Kunden zu schaffen.
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„Es ist natürlich teurer geworden“, bestätigt Adina Maas; für Menschen mit kleinerem Budget werde es daher schwieriger, eine passende Reise zu finden. Insbesondere gelte das kurzfristige Buchungen. Vorbei sind offenbar die Zeiten, da „last minute“ gute Preise versprach. „Je früher Sie buchen, desto besser“, sagt Adina Maas. Mit begrenztem Budget falle da vieles raus.
Am anderen Ende der Preisskala wird indes nach wie vor gebucht: Hochpreisige Angebote sind gefragt. „Wir buchen weniger Personen für mehr Geld“, sagt Adina Maas.
4000 Euro für eine Woche, die zwei Erwachsene und ein Kind im ägyptischen Hurghada verbringen wollten – da machten die Interessenten im Siegburger Reisebüro Radigewski wieder kehrt. „Die Leute haben alle wenig Geld“, hat Manfred Radigewski festgestellt; zugleich seien wie an den Tankstellen die Reisepreise in die Höhe gegangen.

Freibad Siegburg statt Mittelmeer? Mafred Radigewski vermutet, dass viele Menschen in diesem Sommer hier bleiben.
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„Weit zurückgegangen“ seien daher die Buchungen. Extremes Wetter in klassischen Zielgebieten macht er dafür nicht verantwortlich. Aber: „Die Leute bleiben bei dem schönen Wetter zuhause in Siegburg, gehen hier ins Freibad oder ins Aggua.“
Bedenken seiner Kunden angesichts von Waldbränden in Südeuropa kennt Denis Kezic, Reiseverkehrskaufmann und Mitinhaber des TUI Reisecenters in Sankt Augustin. Allerdings würden die meist erst im Sommer laut, wenn die Reise bevorstehe. Kunden wollten dann umbuchen, gerade für Ziele in Griechenland sei das schon im vergangenen Jahr mehrfach der Fall gewesen. Viel tun kann Kezic dann aber nicht.
Kurzfristige Alternativen sind schwierig zu finden – und oft auch teurer
„Wir sind diejenigen, die eine Pauschalreise vermitteln“, stellt er klar. Für die Durchführung sei der Veranstalter zuständig. Kostenfrei stornieren lasse sich eine Reise erst dann, wenn zum Beispiel das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für das Ziel ausspreche. Oder der Veranstalter räume ein, dass eine Reise unzumutbar sei. Vorher versuchen Kezic und seine Kollegen, die Kunden zu beruhigen.
„Es brennt ja oft nur in einer Region“, sagt er. Länder wie Griechenland oder Kroation seien auch in der Prävention gut darauf eingestellt. Ohnehin sei es oft schwierig, kurzfristig eine – auch preislich – adäquate Alternative zu finden.
Reedereien haben einige Flusskreuzfahrten abgesagt
Sinkende Wasserstände sind „eine Katastrophe“ für Flusskreuzfahrten. Einige seien in den vergangenen Wochen abgesagt worden, berichtet Denis Kezic. „Wir versuchen dann, die Kunden umzubuchen“, Veranstalter böten beispielsweise eine Moselfahrt statt der Rheinreise ab Bonn an. Aber nicht jeder wolle das annehmen. Weil die Reise nicht durchführbar ist, bekommen die Kunden dann ihr Geld komplett zurück. Nur das Reisebüro gehe dann leer aus, sagt Denis Kezic, der für seine Arbeit in so einem Fall kein Geld bekommt.
Dass angesichts immer heißerer Sommer Ziele im kühleren Norden boomen, hat Denis Kezic bislang nicht beobachten können. „Der Trend ist noch da, dass die Leute nach Süden wollen, ans Meer.“
