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Große Freiheit auf vier RädernIm Rhein-Sieg-Kreis bommt der Wohnmobil-Trend

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Ein Mann in einem bedruckten T-Shirt steht unter einem Carport vor einem Wohnmobil.

Der Siegburger Bernhard Simon ist seit mehr als 30 Jahren Wohnmobil-Fan. Aktuell fährt er einen Citroën.

Wohnmobile erfreuen sich großer Beliebtheit in Rhein-Sieg. Über die Gründe sprechen ein Siegburger Nutzer und ein Sankt Augustiner Händler. 

Um den Geschmack von Freiheit und Abenteuer zu erleben, hat der Marlboro-Cowboy längst ausgedient. Auch die Idee, den Mount Everest zu besteigen oder zwischen Weißen Haien zu tauchen, ist nicht jedermanns Traum. Doch es gibt ja noch „Easy Rider“ auf vier Rädern.

Das Wohnmobil, motorisiertes Zuhause auf vier Rädern, ermöglicht seinen Besitzern die freie Ortswahl im Rahmen der jeweiligen Freizeit, familiären Situation und finanziellen Mittel. Im Rhein-Sieg-Kreis hat sich von 2019 (Jahr eins vor Corona) bis heute die Zahl der Wohnmobile nahezu verdoppelt, von 4385 auf 8257 Fahrzeuge Anfang 2026, so eine neue Statistik von IT.NRW. Die 3872 zusätzlichen Wohnmobile zwischen Rheinbach und Windeck machen einen Zuwachs von 88,3 Prozent aus. Mit der Zahl seiner Wohnmobile liegt der Rhein-Sieg-Kreis im Regierungsbezirk Köln an der Spitze der Landkreise.

Dem alten „Transit“ 30 Jahre lang die Treue gehalten

Einer, der die große Freiheit seines Wohnmobils nicht erst seit Corona liebt, ist Bernhard Simon. „Ich habe immer schon gerne gecampt“, sagt der 72-jährige Siegburger. Auf den Geschmack kam er Ende der 1980er Jahre, als er mit Freunden durch die Vereinigten Staaten tourte: von Seattle im Norden durch diverse Nationalparks bis in den Süden.

Wieder zurück in der rheinischen Tiefebene, erwarb er Anfang der 90er sein eigenes Fahrzeug, einen alten Ford Transit - und blieb ihm lange treu: „Den Wagen habe ich 30 Jahre lang gefahren.“ Er wollte das „H“-Kennzeichen bekommen, erreichte dieses Oldtimer-Ziel und leistete sich erst danach mit Rücksicht auf sein eigenes Alter „etwas Größeres und Luxuriöseres“:  einen Citroën Jumper, in dem er aufrecht stehen kann.

Mittlerweile ist es ein Querschnitt der Gesellschaft.
Denis Lütz. Händler

Denis Lütz (44) kennt sich von Berufs wegen bestens mit Wohnmobilen aus. Mit seiner Ehefrau Christine führt der Unternehmer einen seit 35 Jahren bestehenden Familienbetrieb in Sankt Augustin-Niederpleis. Wohnmobile seien keineswegs „vor allem etwas für reiche Rentner“. Der Unternehmer: „Die Kunden sind heute sehr unterschiedlich. Vor Corona hätte ich gesagt, es ist die Generation 60 plus. Mittlerweile ist es ein Querschnitt der Gesellschaft.“

Ein Mann steht vor einem silberfarbenen Wohnmobil.

Experte für Wohnmobile und ihre Käufer und Käuferinnen ist Denis Lütz, Geschäftsführer eines Autohauses in Sankt Augustin-Niederpleis.

Wie oft der typische Käufer mit seinem Wohnmobil - für das er ja neu immerhin 60.000 bis 150.000 Euro bezahlt hat – unterwegs ist, vermag der Wohnmobilverkäufer nicht zu sagen. Der Grund ist einfach: „Es gibt nicht den typischen Käufer. Es gibt Kunden, die nutzen den Wagen einmal im Jahr, es gibt aber auch welche, die sind jedes Wochenende damit unterwegs.“ Wieder andere überwinterten mit ihrem Fahrzeug ein halbes Jahr in Spanien. „Und dann gibt es noch Kunden, die stehen an der Côte d’Azur und arbeiten dort im Homeoffice.“

Anstieg im Rhein-Sieg-Kreis flacht etwas ab

Statistisch betrachtet, hat sich das in den Corona-Jahren extrem starke Wachstum etwas abgeflacht. Stieg die Zahl der Wohnmobile im Kreis von 4790 zum Jahresbeginn 2020 auf 5440 zum Jahresbeginn 2021 (plus 13,6 Prozent), zum Jahresbeginn 2022 um 12,8 Prozent und zum Jahresbeginn 2023 um 8,8 Prozent, waren die folgenden Anstiege mit zweimal je 7,6 Prozent und zuletzt 6,9 Prozent etwas weniger ausgeprägt. Sorgenfalten sind auf dem Gesicht des Sankt Augustiner Händlers aber nicht zu erkennen: „Wir sind in vielen Produktsparten konjunkturunabhängig.“ Familienwohnwagen, die auch von einem E-Auto gezogen werden könnten, gebe es bereits für 15.000 Euro.

Experte für Wohnmobile und ihre KäuferInnen ist Denis Lütz, Geschäftsführer eines Autohauses in Sankt Augustin-Niederpleis.

Experte für Wohnmobile und ihre KäuferInnen ist Denis Lütz, Geschäftsführer eines Autohauses in Sankt Augustin-Niederpleis.

Im Regionalvergleich ist der Rhein-Sieg-Kreis übrigens nicht in allen Sparten Primus. So hat der Nachbarkreis Rhein-Berg beim Gesamtwachstum die Nase vorn (plus 96,6 Prozent), und der Eifel-Kreis Euskirchen ist Champion bei der Zahl der Wohnmobile auf 1000 Einwohner: Rund um Euskirchen liegt sie bei 16,4, rund um Siegburg bei 13,7 Fahrzeugen.  Deutlich geringer ist diese Quote in den Großstädten Köln (9,7), Leverkusen (9,3) und Bonn (8,2).

Wenn ich spontan die Idee habe, nach Holland oder sonst wohin zu fahren, kann ich es direkt machen.
Bernhard Simon, Wohnmobil-Besitzer

Den Siegburger Wohnmobilisten Bernhard Simon wundert das nicht: In den Großstädten sind Parkplätze knapper und teurer als in ländlichen Gebieten. Simon hat sein aktuelles Modell für knapp 50.000 Euro von einem Freund gekauft: „Es war mir wichtig zu wissen, wo der Wagen her ist.“ Er ist ziemlich oft unterwegs: zuletzt drei Wochen in Italien, sonst auch schon mal in Frankreich oder zu Kurzurlauben in den Niederlanden oder an Talsperren in Deutschland. Warum er sich für kaufen statt mieten entschieden hat? „Wenn ich spontan die Idee habe, nach Holland oder sonst wohin zu fahren, kann ich es direkt machen und muss nicht erst ein Fahrzeug mieten.“

Die Spontanität ist für den gelernten Vermessungsingenieur, der vor der Rente bei einer Behörde, nämlich der Kreisverwaltung, gearbeitet hat, im Übrigen ein entscheidendes Argument pro Wohnmobil und contra Wohnwagen-Anhänger: „Wenn es dir nicht mehr gefällt oder das Wetter schlecht wird, setzt du dich rein und fährst los. Du hast nicht immer die Rödelei, einen Wohnwagen wieder abrüsten und anhängen zu müssen. Und du kannst auch mal auf einem Parkplatz halten und schlafen.“

Der Aufenthalt auf dem Campingplatz hat für ihn einen eigenen Charme: „Wenn du vor deinem Auto sitzt, hast du immer was zu beobachten. Es ist wie im Kino, ganz anders als im Hotel. Und wenn du Kinder hast, dann hast auch du richtig Urlaub auf dem Campingplatz. Die Pänz sind dort nämlich sofort beschäftigt.“