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Bei Angriff getötetTrauer in Sankt Augustin um ukrainischen Partner

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Zwei Männer neben einer ukrainischen Flagge.

Taras Didytsch zeichnete Gunter Maassen und den Verein 'Sankt Augustin Hilft' nach einem Hilfstransport in die Ukraine aus.

Taras Didytsch war Vorsteher der eng mit den Sankt Augustiner Helfern verbundenen Gemeinde Dmytriwka. 

Es ist eine Nachricht, „die uns zutiefst erschüttert und den Boden unter den Füßen wegreißt“, heißt es auf der Internetseite des Vereins Sankt Augustin and friends hilft. „Unser enger Wegbegleiter und lieber Freund Taras Didytsch, Gemeindevorsteher von Dmytriwka, ist bei einem russischen Angriff ums Leben gekommen.“ Didytsch, so berichten die Sankt Augustiner Helfer, starb, als er nach einem Raketeneinschlag Hilfs- und Rettungsmaßnahmen vor Ort koordinierte.

Ersthelfer kamen von der Feuerwache „Sankt Augustin 1“

„Er war Ersthelfer“, sagt Gunter Maassen am Sonntag, „das war immer sein Ding“. Mitten in der Nacht hatten ihn Mitglieder des Vereins und nur wenig später Menschen aus der Ukraine angerufen. „Es sind teilweise Freunde, die es getroffen hat“, erklärte Maassen sichtlich berührt. „Wir haben ja relativ viele Kontakte in den Ort.“

In der Ortschaft Myla, die zu der Verbandsgemeinde gehört, stand bis zu dem verheerenden Angriff das Hotel, das die Helfer aus Sankt Augustin nutzten, wenn sie während des Winters in der Ukraine waren. In der Nachbarschaft gab es zudem ein Altersheim, einen Wasserabfüllbetrieb und ein Logistikzentrum. Gesichert ist laut Maassen die Information, dass in der Folge des ersten Angriffs Munition „hochgegangen“ ist. Ob die in dem Logistikzentrum gelagert wurde, sei noch nicht geklärt.

Nach dem anfänglichen Brand, so berichten Maassens Quellen vor Ort, habe es über eineinhalb Stunden hinweg jede Minute eine neue Detonation gegeben. „Die löschen immer noch“, wusste Maassen am Sonntag gegen 13.30 Uhr. Fast alle Mitglieder der Feuerwache „Sankt Augustin 1“ seien verletzt worden; glücklicherweie nur leicht, da sie sich nach ersten Explosionen hinter ein Gebäude zurückzogen. Taras Didytsch sei gestorben, als er sich im Altersheim um die Räumung kümmerte.

„Hölle pur“ nennt Gunter Maassen das Geschehen, das Dorf sei „komplett auf links gedreht“. Die Sankt Augustiner gingen auch davon aus, dass das vor einigen Jahren in die Ukraine gebrachte Löschfahrzeug zerstört wurde. Schon am Sonntag begann daher die Suche nach Ersatz, im Oktober soll es den dann 51. Konvoi in die Gegend geben.

Ukraine-Konvoi
Auch ein Feuerwehrfahrzeug und ein Müllwagen gehen in die Ukraine

Auch ein Feuerwehrfahrzeug und ein Müllwagen gingen bei einem Konvoi im Jahr 2022 in die Ukraine

Maassen denkt nicht ans Aufgeben, obwohl vor wenigen Tagen auch ein wichtiger Kontaktmann in Beryskin bei einem Angriff starb. „Wir lassen uns von Putin nicht vorschreiben, was wir da machen“, der Verein müsse aber immer eine Risikoabwägung treffen: „Kann man da Ehrenamtliche hinschicken?“ Natürlich passe man die Aktionen auch immer wieder an. Die Fahrt zu Weihnachten, mit Geschenken für die Kinder, werde es auch in diesem Jahr geben.

Die bisher übliche große Feier mit Aufführungen der Kinder und Jugendlichen, ist aber bereits gestrichen. Zu viele junge Menschen würden sich an einem Ort versammeln, bei einem Angriff könnte auf einen Schlag eine Generation verloren sein, sagt Maassen. 

Sankt Augustiner organisierten bislang 50 Konvois

50 mal sind seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine Mitglieder von Sankt Augustin and friends hilft nach Osteuropa gefahren. Ungezählte Tonnen von Hilfsgütern für die geschundenen Menschen dort haben sie in Konvois dorthin transportiert. Ganz besonders eng sind die Beziehungen zur Gemeinde Dmytrivka unweit der Hauptstadt Kiew: Gunter Maassen, Initiator der Hilfskonvois, wurde 2023 sogar Ehrenbürger der Kommune im Kreis Butcha; auch Frank Zoller, Didi Hinscheid, Dr. Johannes Peter und Dirk Umbach wurde diese Ehre zuteil.

Lars Viehöfer und Stephan Vester ernannte die dortige Feuerwehr zu Ehrenmitgliedern, eine Feuerwache in der Gemeinde trägt den Namen Sankt Augustin. 

Drei Männer bei der Übergabe einer Urkunde.

Im Jahr 2023 wurde Gunter Maassen (rechts) zum Ehrenbürger der Gemeinde in der Ukraine ernannt.

Seit 1994 war Taras Didytsch Vorsteher der rund 20.000 Eiwohner zählenden Gemeinde, wie der Sankt Augustiner Verein nun mitteilte. „Für unseren Verein war Taras weit mehr als nur ein offizieller Ansprechpartner“; vielmehr sei er „einer der Schlüssel und Herzstücke unserer Arbeit in der Region“ gewesen.

„Vor allem aber wird uns seine menschliche Wärme und seine herzliche Gastfreundschaft für immer im Gedächtnis bleiben“, würdigt der Verein den getöteten Gemeindevorsteher. Betroffen äußerte sich in einem Social Media-Beitrag auch der Sankt Augustiner Landtagsabgeordnete Sascha Lienesch, der vor zwei Jahren einen Konvoi in die Ukraine begleitete und dabei auch Taras Didytsch kennengelernt hatte. „Dieser Krieg muss endlich zu Ende gehen“, forderte Lienesch seinen Post.