Verkehr in Rhein-SiegNeue alternative Tunnel-Lösung für Großprojekt Südtangente

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Eine mit Damm 600 Meter lange Brücke würde für die Südtangente quer durchs Lauterbachtal gebaut, Blick von Rauschendorf Richtung Birlinghoven.

Sankt Augustin – Die Kritiker haben den Vorschlag unter anderem als „verkehrspolitische Rolle rückwärts“ bezeichnet. Doch die CDU Sankt Augustin gibt die Hoffnung nicht auf: Fraktionsvorsitzender Georg Schell warb am Dienstag gemeinsam mit dem ehemaligen Amtsinhaber Arno Koll und dem früheren Kreis-Verkehrsplaner Professor Lothar Franz für eine Tunnellösung der seit langem umstrittenen Südtangente.

„Alle Siedlungsbereiche würden entlastet“, führte Franz an. Lediglich die Konrad-Adenauer-Straße und ein Teil der Bundesstraße  8 in Buisdorf würden mehr Verkehr zu spüren kommen, sagte Schell zu dem Entwurf. Im Stadtrat Sankt Augustin hatte das Ansinnen keine Mehrheit gefunden, im Planungsausschuss des Rhein-Sieg-Kreises hatte sich eine knappe Mehrheit dafür ausgesprochen, eine Höherstufung des Projekts Südtangente in die Kategorie „vordringlicher Bedarf“ zu fordern. Eine Linienführung legt der Bundesverkehrswegeplan noch nicht fest.

„Jetzt gibt es eine Alternative“, sagte Schell am Dienstagnachmittag; abweichend von der bisherigen Planung – mit deutlich kürzerem Tunnel und Anschluss bei Birlinghoven – sieht der Entwurf, den Koll entwickelt hat, eine fast vollständige Tunnellösung zwischen Oberkassel und der Autobahn 3 zwischen Stieldorferhohn und Bockeroth vor. Südlich von Vinxel und nördlich von Stieldorferhohn soll demnach der etwas mehr als sechs Kilometer lange Tunnel verlaufen, bebaute Gebiete werden nicht unterquert.

ÖPNV hilft nicht

„Es ist die einzige Lösung, die Entlastung bringen würde“, versicherte Franz: Koll beseitige die „Mängel der alten Planung“. Auch die Kosten sind für den ehemaligen Kreis-Verkehrsplaner kein unüberwindliches Hindernis: Der Kosten-Nutzen-Faktor liege derzeit bei 6, im Entwurf des Bundesverkehrswegeplans sind 680 Millionen Euro als Investitionsbedarf angesetzt.

Doch selbst wenn das Tunnel-Vorhaben doppelt so teuer würde – wovon er nicht ausgehe – sei der Wert immer noch gut. Nicht umsonst, so Schell, plädierten die Gewerbetreibenden für diese Entlastung der Fernstraßen rings um Bonn. „Denen hilft kein ÖPNV“. „Eine Diskussionsgrundlage für die, die entscheiden müssen“, nennt Ingenieur und Bauunternehmer Koll, heute 79 Jahre alt, seinen Plan. Vier Spuren hat er in seiner Skizze vorgesehen, zusätzlich auch die Option für einen Schienenstrang.

„Aus unserer Sicht ist das so realisierbar“, tritt Schell den Grünen entgegen, die unter Verweis auf hydrologische Probleme das Projekt abgelehnt hatten. „Der Tunnel geht“, betonte auch Franz. Und alle gemeinsam erinnerten an die Erfahrungen vor dem Bau der ICE-Trasse: „Das war in der Hauptsache auch oberirdisch geplant“, sagte Schell. Damals habe der gemeinsame Protest auch funktioniert mit dem Ergebnis der heutigen Tunnellösung statt einer „Hochbahn“ über die Sieg.

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