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Shitstorm gegen EventagenturTourguides lehnen Brauhausführung durch Siegburg für die AfD ab

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Um Brauereien und Kneipen geht es bei einer Führung der Agentur Guiders durch Siegburg.

Um Brauereien und Kneipen geht es bei einer Führung der Agentur Guiders durch Siegburg.

Ein Veranstalter verweigerte der AfD-Ratsfraktion Ruppichteroth eine Exkursion. Es folgte eine Flut von Negativbewertungen online.

Ein süffiges Michel oder ein Siegburger im Brauhaus zum Löwen, ein Stadtspaziergang zur Geschichte der Brauerzunft in der Stadt und zu aktuellen Kneipen oder längst geschlossenen Wirtshäusern: Das ist ein verlockendes Angebot für eine Führung durch die Kreisstadt. Offenbar auch nach Vorstellung der AfD-Fraktion im Gemeinderat von Ruppichteroth, die eine solche Exkursion bei der Eventagentur Guiders GmbH im Wiesbaden buchte – aber nicht bekam.

Guiders-Geschäftsführer Thomas Zimmerling zufolge wurde die Führung auf einen Privatnamen gebucht. Aber: „Bei Eingang des Überweisungsbetrags haben wir festgestellt, dass die AfD-Ratsfraktion Ruppichteroth dahintersteckt.“ Seine Reaktion: „Da wir nicht für extremistische Organisationen arbeiten, haben wir die Buchung storniert.“ Daraufhin gab es einen Shitstorm. Seit Mittwoch, 29. Juli, seien binnen zwei Tagen „41 schlechte Bewertungen von der Fraktionsvorsitzenden und anderen, darunter mutmaßlich etliche AfD-Mitglieder oder -Sympathisanten“, eingegangen, berichtet Zimmerling.

Eventagentur für Outdoor- und Indoor-Erlebnisse

Guiders ist laut dem Unternehmensauftritt im Internet „eine spezialisierte Eventagentur für Outdoor- und Indoor-Erlebnisse in ganz Deutschland. Wir konzipieren und organisieren Firmen- und Teamevents, Betriebsausflüge, Sommerfeste, Weihnachtsfeiern sowie Junggesellen- und Junggesellinnenabschiede“.

Wer Guiders bei Google Maps sucht und findet, kann nachlesen, was AfD-Parteimitglieder oder Sympathisanten von der Firma halten: „Uns wurde eine Dienstleistung verwehrt, weil die Geschäftsleitung nicht mit unserer politischen Einstellung einverstanden war“, ist unter dem Namen Filip Dimov zu lesen. „Diskriminieren entgegen Art.3 GG Personen aufgrund ihrer politischen Ausrichtung“, schreibt „Adlerauge4“. Eine Laura Osterwald-Mayer meldet sich zu Wort: „‚Maßgeschneidert‘ für jede Gruppe steht bei euch auf der Website – solange die Gruppe nicht die falsche Partei wählt. Dann seid ihr plötzlich zu fein. Ihr seid keine Eventfirma, ihr seid ein Gesinnungsfilter mit Firmensitz.“

Unter dem Namen Jürgen Bergmann schreibt jemand: „Wir haben für ein Event ganz normal bezahlt. Das Geld kam zurück, mit der Begründung, dass wir die falsche politische Einstellung haben. Von wegen weltoffen und diskriminierungsfrei. Kann die Firma nicht empfehlen. Da wird bei einem Ausflug ein falsches Wort zur Tragödie.“

Enttäuscht vom Umgang mit der AfD

Carmen Gummersbach, Fraktionsvorsitzende der AfD in Ruppichteroth, reagierte folgendermaßen: „Das Geld soll zwar zurückerstattet werden, dennoch empfinde ich es als äußert unprofessionell, einen bereits geschlossenen Vertrag erst nachträglich aus politischen Gründen zu stornieren. Wer mit Kunden Geschäfte macht, sollte aus meiner Sicht unabhängig von deren politischer Zugehörigkeit zuverlässig und fair handeln. Ich bin von diesem Umgang sehr enttäuscht und werde das Unternehmen nicht weiterempfehlen.“ Direkt schrieb sie das Unternehmen Zimmerling zufolge nicht an.

Auch Nachtwächterführungen bietet die Evenagentur Guiders für Siegburg an.

Auch Nachtwächterführungen bietet die Evenagentur Guiders für Siegburg an.

Bei den Bewertungen wurde dann jeweils nur einer von fünf möglichen Punkten abgegeben. Hinzu kommen Rezensionen ohne Kommentar und Klarnamen, bei denen ebenfalls nur ein Punkt gegeben wurde. In der Folge sank der Bewertungsdurchschnitt auf lediglich 2,4 Punkte. Zimmerling: „Das ist für uns ein sehr schlechter Durchschnitt. Wir kommen normalerweise auf 4,5 bis 5 Punkte, die Kunden sind sehr zufrieden mit uns.“ Er habe bemerkt, dass deutlich weniger Anfragen für Führungen eingegangen seien. „Ich vermute, dass das eine Kampagne ist. Beweisen kann ich das allerdings nicht.“

Carmen Gummersbach wollte auf Anfrage der Redaktion weder bestätigen noch dementieren, dass auf ihre Anregung oder Veranlassung anderer AfD-Mitglieder hin die anonymen Rezensionen abgegeben wurden. Die Anfrage habe sie an einen Rechtsanwalt weitergeleitet.

Firma nennt Vertragsfreiheit als Argument

Das Rechtsverständnis hinter der AfD-Kritik findet Zimmerling „vollkommen krude“. Artikel 3 mit seinem Diskriminierungsverbot gelte für den Staat, für seine Firma dagegen Vertragsfreiheit. „Es ist unser gutes Recht, Kunden abzulehnen.“ Das gelte auch für seinen Führungsleiter in Siegburg: „Wenn der erfahren würde, dass er eine AfD-Gruppe vor sich hat, würde er die einfach stehenlassen.“ Eine Beschwerde bei Google blieb zunächst ohne Erfolg.

Auf die Anfrage der Redaktion, wie Nutzer vor solchen geschäftsschädigenden Bewertungen geschützt werden, hieß es seitens Google, man äußere sich nicht zu Einzelfällen, und verwies auf die Richtlinie von Google Maps: „Beiträge oder Änderungen müssen auf tatsächlichen Erfahrungen und Informationen basieren“, heißt es dort. „Fake-Inhalte, kopierte oder gestohlene Fotos, nicht themenbezogene Rezensionen, Verleumdungen, Beleidigungen, persönliche Angriffe sowie unnötige oder falsche Angaben verstoßen gegen unsere Richtlinien.“

Algorithmen für maschinelles Lernen seien im Einsatz, um Beiträge auf Hinweise zu verdächtigen Nutzeraktivitäten zu finden, die gegen die Richtlinien verstießen. „Inhalte, die gegen die Richtlinien verstoßen, werden entweder automatisch entfernt oder gemeldet. Gemeldete Inhalte werden dann von geschulten Mitarbeitern und Analysten weiteren Prüfungen unterzogen, die mit unseren Algorithmen allein möglicherweise nur schwer durchführbar wären.“

Zwischenzeitlich geriet dann doch Bewegung in die Sache: Thomas Zimmerling teilte am Freitag vergangener Woche mit, dass Google die negativen Rezensionen, auch den Beitrag von Carmen Gummersbach, gelöscht habe.