Wie in einer richtigen Stadt geht es in einem Projekt des Evangelischen Jugendwerks zu – Finanzamt inklusive.
Projekt für KinderGroßer Ferienspaß in Mini-Siegburg

Mini-Siegburg: Das Team der Bäckerei hat alle Hände voll zu tun.
Copyright: Andreas Helfer
Drei Bürgermeister in drei Wochen, das ist schon ein ganz schöner Verschleiß. Und trotzdem: Entscheidungen werden getroffen, Ämter funktionieren reibungslos, Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern werden anstandslos und zügig bearbeitet. Wäre es doch nur immer und überall wie in Mini-Siegburg, dem Kinderprojekt des Evangelischen Jugendwerks, das in den ersten drei Ferienwochen an der Hans-Alfred-Keller-Schule in Siegburg-Deichhaus über die Bühne geht. Mitmachen können schulpflichtige Kinder bis zwölf Jahre.
Auf dem Schulgelände brummt es: 175 Kinder gehören laut Leiterin Jennifer Lübke in dieser Woche zur Bürgerschaft und bringen Leben und Fleiß in die Bäckerei, das Elterncafé, eine Kreativwerkstatt, einen Stadtrat, ein Arbeits- und ein Finanzamt und vieles mehr. Die Gruppe in der ersten Woche war 170 Kinder stark. Radio und eine Zeitung entstehen in einer Medienwerkstatt, Besucher können selbst gebastelte Souvenirs kaufen. „Wir sind der Großhandel“, verkündet eine Logistiktruppe in der Turnhalle, wo ein prächtig ausgestattetes Lager mit Materialien aller Art lockt: Bastelperlen, Stifte, Klebstoff, Papierbögen und vieles mehr. Was fehlt, kann schnell bestellt werden.
„Konflikte gibt es kaum, die Kinder können machen, was sie lieben, alle werden respektiert.“
„Alle machen super mit“, lobt Mitarbeiter Noah (17), der selbst als Kind schon Mini-Siegburger war. „Konflikte gibt es kaum, die Kinder können machen, was sie lieben, alle werden respektiert.“ Wie alle Helfer hat er vor dem ersten Tag eine Schulung bekommen. „Wie geht man mit Kindern um, worauf muss man achten“ – das habe im Vordergrund gestanden.“ Helferin oder Helfer kann man ab 16 Jahren werden.
Zwei Siegi gehen ans Finanzamt
Gut zu tun haben auch Felix, Jari und Paul. Die Neunjährigen verdienen sich ihre Siegis – so heißt die offizielle Währung – mit Führungen, unter anderem für die Presse. „Wir haben auch ein Gesetz“, hebt Felix hervor. Einig sind sich die drei, dass der fünfte der wichtigste Paragraf ist: „Der Lohn für jede Arbeit beträgt 10 Siegi pro Stunde. Davon werden zwei Siegi beim Finanzamt abgegeben.“

Auch Schachspielen zählt als Arbeit und wird in Siegis bezahlt.
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Allerdings: „Wir sind so reich, dass wir gar nicht mehr arbeiten müssen“, heben Felix und Paul hervor. So reich, dass sie sogar Jari unterstützen können, der noch nicht so lange dabei ist. Das ist Ehrensache: „Er ist ja unser Freund.“ Die drei kennen sich aus Schule, Kindergarten und vom Spielen auf der Straße. Der Begriff Arbeit wird erfreulicherweise weit gefasst: Darunter fällt auch Schach oder Spielen mit Lego oder Playmobil. Umsonst ist das Leben in Mini-Siegburg keineswegs. Ein Kakao etwa kostet vier Siegis, Schokoobst sechs und ein Obstspieß vier Siegis.

Waren aller Art finden sich im Großmarkt.
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Der Schulhof ist der Marktplatz von Mini-Siegburg, hier finden auch wichtige Versammlungen und die Bürgermeisterwahl statt. Das Amt lässt durchaus Raum für wichtige Privatangelegenheiten: Vize-Bürgermeisterin Pia (8) hat im Zelt neben dem großen Verkehrsparcours gerade den theoretischen Teil ihrer Führerscheinprüfung absolviert, jetzt folgt der praktische Teil auf einem der stattlich und robust aussehenden Kettcars. Im Amt ist ihr die Sammelbox besonders wichtig, in der Eingaben von Bürgerinnen und Bürgern gesammelt werden. „Da muss man gucken, was jemandem nicht gefällt, und das dann auch umsetzen“, stellt sie ganz pragmatisch fest.
Viele Helferinnen und Helfer waren schon als Kinder dabei
Crepes sind in der Bäckerei besonders gefragt, im Angebot sind aber auch Kekse oder Apfelkuchen. Geliefert werden auch Waffeln für das Elterncafé neben dem Haupteingang. „Das ist eine schöne Beschäftigung in den Sommerferien“, findet Helferin Finja (18), die ebenfalls schon als Kind mit dabei war. „Die Bäckerei fand ich immer schon faszinierend.“ Kollege Jan gehört ein paar Zelte weiter zum Team der Medienwerkstatt und ist auch für den die Radiosendungen zuständig. „Wir bringen das Wetter sowie Interviews und gehen auf Musikwünsche ein“, beschreibt er seinen Alltag. „Das macht einfach Spaß.“
Zufrieden mit dem Standort ist Projektleiterin Jennifer Lübke, nachdem es auch schon am Neuenhof und auf dem Brückberg Mini-Siegburgs gab. Auftraggeber ist die Kreisstadt. Rund um die Grundschule gebe es viele schattige Plätze, teils unter hochgewachsenen, hohen Bäumen, was sich wohl auch angesichts der bevorstehenden Hitzewelle auszahlen werde. „Wir raten den Eltern, ihre Kinder schon zu Hause mit Sonnenschutz einzucremen“, schildert sie. Auch Trinkflaschen seien wichtig. „Wenn es richtig heiß wird, kommt am Freitag die Feuerwehr und wir machen eine Wasserschlacht.“
Für die dritte Woche ab kommendem Montag, 3. August, gibt es noch freie Plätze. Die Teilnahme täglich von 9.30 Uhr bis 15.45 Uhr kostet für Siegburger Kinder 75 Euro, aus anderen Städten 145 Euro. Für die Frühbetreuung mit Frühstück ab 8 Uhr werden weitere 15 Euro berechnet. Anmeldung online.
