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Eine Welt in Schwarz und WeißNeue Ausstellung im Siegburger Pumpwerk mit Fotografien und Gemälden

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Arbeite von Boogie Hebel: Großformatige Gemälde, deren Strukturen oft erst auf den zweiten Blick offenbar werden.

Arbeiten von Boogie Hebel: Großformatige Gemälde, deren Strukturen oft erst auf den zweiten Blick offenbar werden.

Obwohl die beiden Künstler wenig gemeinsam zu haben scheinen, ergänzen sich ihre Arbeiten sehr gut. Ein Blick ins Pumpwerk.

Das Pumpwerk als Wohnzimmer – das hat es in der 25-jährigen Geschichte dieses Ausstellungsortes noch nicht gegeben. Nun haben Boogie Hebel und Ralf Scherer in den beiden Untergeschossen des Gebäudes kurzerhand zwei Sitzecken mit Stühlen, Kuhfell-Teppich und Accessoires eingerichtet.

Schon dadurch erhält der nüchterne Zweckbau einen Hauch von Gemütlichkeit, der an eine etwas überdimensionierte Studentenbude erinnert. Eine halbvolle Flasche Pastis auf dem Tisch rundet das Bild ab. Dies passt zu den ausgestellten Arbeiten der beiden Künstler, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben und sich doch wunderbar ergänzen.

Künstler Hebel und Scherer arbeiten beide in Schwarz-Weiß

Immerhin: Der in Ostbelgien lebende Boogie Hebel und der Hattinger Scherer arbeiten beide in Schwarz-Weiß. Bei Hebel sind es oft großformatige Arbeiten, wuchtig und energiegeladen, die in den sehr speziellen Räumen des Pumpwerks hervorragend zur Geltung kommen. Immer wieder ist es die schwarze Farbe, aufgetragen auf Leinwände mit Spachteln und Rakeln in mehreren Schichtungen. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich Strukturen und Muster; die vermeintliche Willkür erweist sich als System, entwickelt Bewegungsmuster, Raumtiefe und Plastizität. Gibt es dafür Anleihen aus der Natur? Man weiß es nicht. „Diese Bilder saugen ein“, sinnierte Reinhard Lättgen, Vorsitzender des Kunstvereins für den Rhein-Sieg-Kreis, bei der Einführung.

Einem ganz anderen Konzept folgen die Schwarz-Weiß-Fotografien von Ralf Scherer. Ausgestattet mit einer robusten, einfach zu bedienenden Kamera findet er seine Motive auf Reisen. Immer geht es um den Menschen – mal in Gestalt eines grantelnden Priesters, einer genervten Pop-Punk-Göre oder eines Mannes, der eiligen Schrittes an einem geschlossenen Sex-Shop vorbeieilt.

Schwarz-Weiß Fotografien von Ralf Scherer im Siegburger Pumpwerk

Schwarz-Weiß Fotografien von Ralf Scherer im Siegburger Pumpwerk

Scherer geht es nicht um das perfekt komponierte Bild, sondern um die Dynamik des Moments, die er intuitiv einzufangen versteht. Kurzum: Es geht um das Besondere im Alltäglichen, was mitunter in den Bereich der Street-Fotografie oder Reportagefotografie hineinspielt. Der Umstand, dass Scherer einige seiner Arbeiten für die Ausstellung massiv vergrößern ließ, lädt noch einmal zum besonders genauen Betrachten ein. „Schwarz-Weiß birgt Authentizität und einen leichten nostalgischen Klang“, fasste es Reinhard Lättgen zusammen.

Die Künstler haben ihre Schau unter das Motto „Spätschicht“ gestellt: „Die Spätschicht beginnt, wenn das Licht seine Farbe verliert und der Kontrast seine Sprache findet“, heißt es in ihrem Manifest. „Die Spätschicht beginnt dort, wo der Tag aufhört und Kontraste sichtbar werden, die im hellen Licht oft verborgen bleiben. Und sie beginnt dort, wo das Licht sich verändert, Schatten länger werden und vertraute Dinge eine besondere Präsenz bekommen.“ Ein Anspruch, der durch die ausgestellten Arbeiten dieser gelungenen Schau perfekt eingelöst wurde.

Die Ausstellung „Spätschicht“ von Boogie Hebel und Ralf Scherer wird bis zum 23. Oktober im Kunstverein für den Rhein-Sieg-Kreis / Pumpwerk, Bonner Straße 65 in Siegburg gezeigt.

Öffnungszeiten: Montag 15 bis 18 Uhr, Freitag 11 bis 13 Uhr und Sonntag 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung. Die Midissage unter dem Motto „Artist Talk – Kunst wie Musik auf Vinyl“ findet am Samstag, 3. Oktober, ab 13 Uhr statt. Die musikalische Untermalung erfolgt dabei tatsächlich auf der Basis von Vinyl-Schallplatten.