An den Tischen für Roulette, Poker und Black Jack sind Konzentration und Geschick gefragt.
Interne AusbildungSiegburger Spielbank setzt auf helle Köpfe mit Charme

Merkur bildet künftige Mitarbeitende für die neue Spielbank in einem Ausbildungszentrum aus, American Roulette.
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„Rien ne va plus“, nichts geht mehr: Hat ein Croupier oder eine Croupière den Satz einmal gesagt, fängt für ihn oder sie die Arbeit erst richtig an. In wenigen Sekunden müssen sie taxieren, wie viele „Stücke“ vor ihm liegen, welchen Wert die Jetons haben, und sicher entscheiden, wer gewonnen, wer verloren hat. Kein leichter Job, und dem Zufall wird dabei nichts überlassen, auch nicht in der neuen Merkur-Spielbank auf der Siegburger Zange, die im Herbst eröffnet werden soll.
Das Unternehmen bildet selbst aus und hat dazu 430 Quadratmeter Gewerbefläche am Turm auf dem ehemaligen Phrix-Gelände bezogen. Drei American-Roulette-Tische, drei Black-Jack-Tische und ein Ultimate-Hold’em-Poker-Tisch, Kartentische und Roulette-Kessel sorgen im Backsteinambiente der ehemaligen Zellulosefabrik für ein gewisses Casino-Flair. An den Tischen herrscht höchste Konzentration, Karten werden aufgedeckt, die Roulettekugeln drehen sich unablässig, Chips wechseln die Besitzer.

Ultimate-Hold’em-Poker-Tisch im Ausbildungszentrum am Turm. Hinten stehend: Spielbank-Direktor Sebastian Kühn.
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In einem Nebenraum studieren 30 angehende Kolleginnen und Kollegen Kartenstapel mit Schemata von typischen Jeton-Belegungen auf einem Roulettetisch, die es künftig in Sekundenbruchteilschnelle zu bewerten gilt. Fehler sollten dann nicht unterlaufen, egal ob es um tausende oder zwei Euro geht, zur Not hilft die Kontrollkamera.
Absolute Konzentration gefragt
„Absolute Konzentration gehört dazu“, erläutert Spielbank-Direktor Sebastian Kühn. Das habe viel mit Rechnen zu tun, was einige Leute am Anfang ein wenig erstaunt. Allerdings: „Das visuelle Denken wird unterschätzt, irgendwann merkt man sich das bildlich“, hat PR-Leiter Torben Michael Adelhardt beobachtet. „Solange sie rechnen, sind sie langsam, aber dann bauen sich Standardbilder auf.“ Aber auch Geschick, manuelle Fähigkeiten sind gefragt. Fünf Wochen American Roulette stehen auf dem Ausbildungsplan, anschließend vier bis viereinhalb Wochen für Poker und Black Jack.
„Egal, ob sie aus einem Beruf kommen oder aus der Arbeitslosigkeit: Alle starten bei Null“, betont Kühn. „Wir stellen nicht nach Lebenslauf ein, wir versuchen herauszukriegen, ob die Leute zu uns passen.“ Immerhin sei man im ständigen Austausch mit Menschen. „Ein bisschen Charme kann nicht schaden, wenn man mit den Gästen im Kontakt ist. Ich mag mit Leuten zu tun zu haben, das ist Grundvoraussetzung.“ Offen für jeden, der kommt, sollten die Kolleginnen und Kollegen sein, egal ob für junge oder alte, entspannte oder gestresste Gäste. Allen mit Charme und Witz zu begegnen, das könne auch helfen, Situationen zu entschärfen.

Baustelle für die neue Merkur-Spielbank an der Isaac-Bürger Straße in Siegburg: Im Herbst soll eröffnet werden.
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Nach dem Ausbildungszentrum folgt schnell der Sprung ins kalte Wasser, mit der „Verschickung“ in die „richtigen“ Spielbanken. „Dann ist auch der Kontakt mit den Kunden, die Atmosphäre und auch eine andere Geräuschkulisse da“, schildert Kühn.
Höchstleistung am Abend und in der Nacht
Von Beginn der Ausbildung an wird ein volles Gehalt bezahlt. Später kommen allerdings erhebliche Zuschläge hinzu, in den Spielbanken wird fast rund um die Uhr gearbeitet. In Siegburg wird von 11 bis 5 Uhr geöffnet sein. Kühn: „Man muss auch mit den Arbeitszeiten zurechtkommen, Höchstleistung am Abend bringen und auch nachts um 1 noch rechnen können. Das kriegt vom Biorhythmus nicht jeder hin.“

Auch Black Jack ist im Angebot.
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An den Tischen werde in einem anderen Rhythmus als in anderen Firmen gearbeitet. Alle 45 Minuten gebe es eine Viertelstunde Pause, so Kühn.Er versuche, möglichst Leute zu finden, die „alles wollen und können“. Es fänden sich aber Lösungen, wenn sich herausstelle, dass das Klassische Spiel doch nicht zu einem Mitarbeitenden passe. Auch Service, Rezeption, Wechselkasse und Umgang mit Automaten gehören zum Aufgabenspektrum. Bewerbungen für weitere Ausbildungsrunden sind möglich, insgesamt will Merkur 100 Arbeitsplätze in Siegburg schaffen.
Sehr viel verarbeiten und umsetzen
Markus Meyer ist gelernter Schreiner und hat auch schon in der Versorgungsabteilung eines Krankenhauses gearbeitet. Schwierig sei das Handwerk geworden: „Viele Leute geben dafür kein Geld mehr aus.“ Die Ausbildung bei Merkur mache Spaß. Allerdings: „Es gibt sehr viel Info, man muss sehr viel verarbeiten und umsetzen.“
„Spielerschutz nehmen wir extrem ernst“, betont Kühn. Der Kölner Suchttherapeut Dr. Wolfgang Kursawe helfe, Zeichen für eine gefährliche Entwicklung zu erkennen. Kühn: „Einen Gast, der oft kommt, erkennen die Mitarbeitenden. Wenn der auf einmal nicht mehr ansprechbar ist, Schweißperlen auf der Stirn hat oder sagt, er müsse etwas zurückgewinnen, wird das Gespräch gesucht.“
Bei Merkur gibt es zudem besondere Spielerschützer, die deutlich mehr als die für alle vorgesehenen sechs Stunden zu dem Thema ausgebildet werden. Sie vermitteln an Beratungsstellen, sprechen über eine freiwillige Selbstsperre. Minimum sind dabei drei Monate. „Man muss sich aktiv entsperren lassen“, betont Kühn, das sei oft eine Hürde. Wichtig: Kunden sollen nicht in den schwarzen oder Online-Markt abwandern. „Da gibt es keinen sicheren Rahmen mehr, und es drohen ganz andere Gefahren.“
4,8 Millionen Euro aus der Spielbank-Abgabe
Die Merkur-Group investiert an der Isaac-Bürger-Straße rund 35 Millionen Euro. Die Kreisstadt rechnet mit jährlichen Einnahmen von 4,8 Millionen Euro aus der Spielbank-Abgabe. Neben klassischem Spiel und 250 Automaten ist ein umfangreiches Unterhaltungsprogramm vorgesehen, etwa große moderierte und aufwendig inszenierte Bingo-Shows.
Die Gruppe hatte 2021 den Zuschlag für die Vergabe der nordrhein-westfälischen Spielbanken bekommen. Siegburg wird neben Aachen, Bad Oeynhausen, Dortmund-Hohensyburg, Duisburg und Monheim am Rhein das sechste Casino in NRW.
An der Ansiedlung hatte auch Bornheim Interesse gezeigt, wie die Stadtverwaltung im Februar 2024 bestätigte. Man habe sich dem Vorhaben gegenüber offen gezeigt, „weil wir mit der Ansiedlung der Spielbank durchaus einige positive Effekte verknüpft haben, wie etwa Einnahmen für den städtischen Haushalt und Schaffung einer Veranstaltungs- und Eventstätte“. Konkret sei es um Standorte in Hersel und Roisdorf gegangen,
