Königsschießen in TroisdorfBruderschaft St. Hubertus wagt sich aus der Pandemiepause

Regina Völz zielt auf den Vogel, beobachtet von Brudermeister Roland Trömpert.
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Troisdorf – Die Dirndl hängen im Schrank. Regina Völz, die Schützenkönigin von 2019/20, trägt wie ihre Vereinskameradinnen lieber Uniformrock und -hose im gut gelüfteten Untergeschoss. Sie verreibt das Desinfektionsmittel in den kalten Händen, bevor sie zum Kleinkaliber-Gewehr greift. Trotz hoher Inzidenzzahlen hat sich die Bruderschaft St. Hubertus Oberlar aus der Pandemiepause gewagt und sich zurückgemeldet – zum ersten Schießsport-Wochenende seit zwei Jahren.
Holzvogel in 25 Metern Entfernung
Einige aus der Traditionsbruderschaft hätten dem Wettbewerb entgegengefiebert, andere seien nur „schwer vom Sofa wegzubekommen“, erklärt Brudermeister Roland Trömpert, der Hauptverantwortliche, der nicht nur heute viel zu tun hat. Denn sein Sport stehe wie kaum ein anderer im Visier der Behörden, der Schießstand, die Waffen unterliegen strikten Kontrollen, erklärt er. Wer zum Kleinkaliber greifen will, muss zuvor zahlreiche Prüfungen ablegen und einige Hundert Euro investieren.
In der Nazi-Zeit verboten
Der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS) wurde 1928 unter dem Namen Erzbruderschaft vom Heiligen Sebastianus gegründet. Er versteht sich als Dachorganisation der katholischen Schützenbruderschaften und umfasst 1300 Vereine mit rund 250 000 aktiven Schützen und 600 000 Mitgliedern. Sein Motto lautet „Für Glaube, Sitte und Heimat“.Nach anfänglicher Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten wurde die Bruderschaft 1936 wegen ihres oppositionellen Verhaltens 1936 verboten und aufgelöst. Nach dem Krieg formierten sich lokal neue Bruderschaften. 1951 schlossen sich die Diözesanverbände zum Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften zusammen.Am 12. März 2017 hat der BHDS in seinen Statuten einen früheren Beschluss aufgehoben, wonach Homosexuelle nicht mit ihrem Lebenspartner als Königspaar auftreten durften, und öffnete sich für Muslime. (coh)
Im hell erleuchteten Kellergeschoss des in Eigenregie erbauten Schützenheims wird scharf geschossen: auf Scheiben oder – wie jetzt zum besonderen Anlass – auf den 40 Zentimeter hohen Holzvogel, der in 25 Metern Entfernung hängt. Folgende Teile müssen in der richtigen Reihenfolge fallen: der Kopf, der rechte und der linke Flügel und der Schweif, jeweils markiert mit gelben Punkten.
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Gut in Schuss fühlten sich viele Sportler derzeit nicht, weil ihnen das Training fehle, sagt Trömpert. „Die Muskulatur verliert das Gedächtnis“, ergänzt der 64-Jährige, der sein Hobby seit der Schulzeit pflegt. Es brauche neben der Konzentration, der ruhigen Hand auch einen starken Rücken. Der Sport fordere den ganzen Körper: „Manch einer hat schon einen Krampf im Bein bekommen.“Die Zwangspause habe aber auch den Organisatoren zugesetzt. Eingangskontrollen wegen der 3G-Regel, Masken, Abstände, Desinfektionsmittel – an so viel sei zu denken gewesen, dass er doch glatt die Blumen vergessen habe zum Mannschaftsschießen der auswärtigen Bruderschaften, erzählt Trömpert. Diese Panne wird ebenso ausgebügelt wie die technischen Probleme mit dem Lasergewehr beim Bürgerschießen. „Die Schützen aus Porz haben uns dafür einen Gipsvogel zur Verfügung gestellt.“ 13 Teilnehmer dürfen mit einem Luftgewehr und echter Munition das Tier erlegen, mal größere, mal kleinere Stücke platzen ab, typisch Gips eben. „Das war ein zäher Vogel“, sagt Trömpert schmunzelnd, das anschließende Königsschießen der Bruderschaft startet deshalb mit Verspätung.
Nach der Corona-Pause steht nun vieles an für den Verein mit seinen 69 Mitgliedern, davon die Hälfte Aktive. Die Zahl der Inaktiven ist geschrumpft durch Todesfälle, hinzugekommen ist niemand. Eine Jugendabteilung existiert schon seit Jahren nicht mehr.
Das Bürgerschießen sei eine gute Möglichkeit, neue Sportler zu werben, sagt der Brudermeister. Talent bringt zweifelsohne Claudia Jung mit, die überraschend gleich beim ersten Versuch den Kopf und den linken Flügel abgeschossen hat. „Macht Spaß!“, sagt die 56-Jährige strahlend. „Einmal im Jahr reicht mir aber. Mein Hobby ist der Garten.“



