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Vater und SohnTroisdorfer Bilderbuchmuseum zeigt Philip und F.K.Waechter

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Ausstellung Väter und Söhne III im Bilderbuchmuseum F.K. Waechter und Philip Waechter

Orwells Farm der Tiere haben sowohl F.K. als auch Philip Waechter illustriert.

Orwells Farm der Tiere haben sowohl F.K. als auch Philip Waechter - hier mit Pauline Liesen - illustriert.

Die Ausstellung setzt die Reihe „Väter und Söhne“ fort, die schon Karl und Nikolaus Heidelbach sowie Wolf und Leonard Erlbruch präsentierte.

Kinder, die in die Fußstapfen ihrer Künstler-Eltern treten, haben es oft schwer. Entweder werde ihr Schaffen dann als „zu ähnlich“ oder „zu eigenständig“ wahrgenommen; „sie können es nur falsch machen“, beschreibt Pauline Liesen diese Zwickmühle. Dass Philip Waechter aber doch vieles richtig gemacht hat, beweist die neue Ausstellung im Troisdorfer Bilderbuchmuseum Burg Wissem: Sie ist F.K. Waechter und seinem Sohn Philip Waechter gewidmet.

Mit dem Anti-Struwwelpeter machte der Vater Furore

Das Erdgeschoss zeigt die Arbeiten des 1937 in Danzig geborenen Vaters Friedrich Karl Waechter. „Ein bisschen bekannt als Revoluzzer“, so Museumsleiterin Liesen, schuf dieser 1970 den „Anti-Struwwelpeter“, der eigentlich eher ein erwachsenes Publikum ansprach. Den Deutschen Jugendbuchpreis erhielt Waechter, prägend tätig auch bei den Satiremagazinen „pardon“ und „Titanic“, für sein Bilderbuch „Wir können noch viel zusammen machen“, das Solidarität und Toleranz thematisierte. Zum Markenzeichen F.K. Waechters sollte sich der Mitmachteil entwickeln: eine Aufforderung, im Buch aktiv zu werden.

Ausstellung Väter und Söhne III im Bilderbuchmuseum F.K. Waechter und Philip Waechter
Opa Huckes Mitmach-Kabinett ist eines der Mitmach-Bücher von F.K. Waechter

„Opa Huckes Mitmach-Kabinett“ ist eines der Mitmach-Bücher von F.K. Waechter.

„Er hat das auch gelebt“, sagt Sohn Philip Waechter heute über den Vater, der die Kinder im Kinderladen mitgestalten ließ: Mit einem Gitarre spielenden Freund besuchte er die Kinder, sang und spielte nicht nur mit den eigenen Söhnen –und ließ sie teilhaben an der Entstehung des Buches „Brülle ich zum Fenster raus“. Eine einschneidende Erfahrung für den Sohn Philip, der als Kind oft neben dem Vater saß, wenn der zeichnete. 

Auch an „Opa Huckes Mitmachkabinett“ waren die Söhne beteiligt. Der Vater zeigte ihnen seine Ideen, fragte nach ihrer Meinung und Anregungen. „Das hat einfach großen Spaß gemacht“, erinnert sich Philip Waechter heute. Als Jugendlicher habe er dennoch neben einer Laufbahn als Künstler sowohl eine Ausbildung zum Koch als auch eine Fußballerkarriere erwogen.

Dass er doch Illustrator wurde, verdankt die Kunstwelt einem Zufall: Mehrfach abgelehnt an diversen Kunsthochschulen, machte der 1968 geborene Philip Waechter nur deshalb noch einen Anlauf in Mainz, weil die Freundin seines Mitbewohners ihn dazu ermutigte. „Sonst würde ich heute nicht hier sitzen“, sagte der Illustrator, der zur Vorbereitung der Ausstellung nach Troisdorf gekommen war.

Ausstellung Väter und Söhne III im Bilderbuchmuseum F.K. Waechter und Philip Waechter
Bücher wie "ich" wurden in Lizenz auch international verkauft.

Bücher wie "ich" von Philip Waechter wurden in Lizenz auch international verkauft.

Schon im Studium illustrierte Philip Waechter erste Bücher; die fand Vater F.K. „noch nicht so toll“. Anders war das bei „Rosi in der Geisterbahn“, in F.K. Waechters Sterbejahr 2005 erschienen und das erste Werk des Sohnes, das auf einer eigenen Geschichte basiert. „Ich hatte erkannt, dass man aus einer kleinen Idee eine Geschichte entwickeln kann“, dass am Anfang eines Buchprojekts eben nicht die eine geniale Idee stehen müsse, stellt der Sohn heute fest.

Troisdorf zeigt die Fortsetzung einer familiären Tradition

Wenige Jahre zuvor hatte der Vater eine zehnjährige Zeichenpause beendet und war mit einem völlig neuem, weit malerischeren Stil in die Illustratorenwelt zurückgekehrt: Die Schöpfung, 2002 bei Diogenes erschienen,  „Der Kleine im Glaspott“ oder „Da bin ich“ legen im Erdgeschoss des Herrenhauses eindrucksvolles Zeugnis davon ab. 

Ausstellung Väter und Söhne III im Bilderbuchmuseum F.K. Waechter und Philip Waechter.

Zu den Büchern „Ein Tag mit Freunden“ und „Weltreise mit Freunden“ von Philip Waechter sind Originale in Troisdorf zu sehen.

Die Vielfalt im Schaffen von Philip Waechter zeigt sich in der ersten Etage: Hier sind die Comics ebenso zu sehen wie die Fußballgeschichten – die Affinität blieb erhalten – und die Wimmelbücher. In den „Quatschbüchern“, die Waechter mit seiner Frau Moni Port aufgelegt hat, setzt sich die Tradition der familiären Mitwirkung fort: Den Anstoß gaben Sprüche des Sohnes, später Zungenbrecher oder Bauernregeln.

In Troisdorf ist auch der Schaffensprozess nachvollziehbar

Themen wie Freundschaft und Probleme im Kinderalltag behandeln die Bilderbücher, denen ein eigener Raum gewidmet ist: „Mit feinem hintergründigen Humor“ widme sich der Künstler seinen Themen, erklärt Pauline Liesen. Skizzen  zu einzelnen Figuren machen den Schaffensprozess nachvollziehbar und belegen die Akribie, mit der Philip Waechter zu Werke geht.

Ausstellung Väter und Söhne III im Bilderbuchmuseum F.K. Waechter und Philip Waechter

Sohn Philip hatte die Originale seines Vaters seit vielen Jahren nicht gesehen.

Sohn Philip hatte die Originale seines Vaters – hier zu „Die Mondtücher“ – seit vielen Jahren nicht gesehen.

Einen Einblick in das private Leben der Familie Waechter gewährt die Auswahl von weit mehr als 100 „Tageskarten“ in der Troisdorfer Schau. Seit der Geburt des Sohnes im Jahr 2005 arbeitet Philip Waechter an diesem zeichnerischen Tagebuch, allabendlich entsteht eine kleinformatige Rückschau auf den Tag. Mehr als 10.000 hätten nun zur Auswahl gestanden, so Waechter.

Den Bogen zum Werk des Vaters – dessen berühmter Name für den Sohn bisweilen Türöffner war, aber manchmal auch ein wenig Hypothek, wie er einräumt – schlagen schließlich die Kinderkünstler-Bücher: „Uns war es wichtig, Kreativbücher zu machen“, sagt Philip Waechter, „wo Aufgaben gestellt werden und vieles möglich ist.“ Inzwischen gibt es mehrere Bände in dieser Reihe der Mitmachbücher. 


Die Ausstellung „Väter und Söhne III“ setzt eine Reihe fort, die das Werk von Karl und Nikolaus Heidelbach ebenso vorstellte wie später das von Wolf und Leonard Erlbruch. Eröffnung ist am Sonntag, 13. September, um 15 Uhr im Herrenhaus der Burg Wissem, Burgallee.

Zur Einführung gibt es ein Gespräch von Philip Waechter mit Benno Hennig von Lage aus dem Literaturhaus Frankfurt; im Anschluss liest Waechter aus seinen Werken und signiert seine Bücher. Der Eintritt zur Eröffnungsveranstaltung ist kostenlos.

Im Anschluss ist die Ausstellung zu den üblichen Öffnungszeiten geöffnet: im Erdgeschoss (F.K.Waechter) bis zum 29. November 2026, im ersten Obergeschoss (Philip Waechter) bis Januar 2027.