Im Dezember 2015 eröffnete das ökumenische Angebot auf dem Höhepunkt der Flüchtlingsbewegung.
Ökumenische Hilfe für GeflüchteteCafé International in Troisdorf feiert zehnjähriges Bestehen

Zur Sozialkirche mit vielen Angeboten hat sich die Katholische Kirche Heilige Familie in Troisdorf-Oberlar entwickelt. Auch das Café International ist hierhin umgezogen.
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Eine Tasse Kaffee sollte es hier geben, einen Tee. Vielleicht eine Kleinigkeit zu essen. Vor allem aber sollten die Besucherinnen hier ein offenes Ohr finden, jemanden, der zuhörte und half. Vor zehn Jahren eröffnete das Café International in Troisdorf, ein ökumenisch getragener Anlaufpunkt für Geflüchtete.
„Wir sind noch da“, stellte nun wenige Tage vor dem Jubiläum Diakon Ersfeld fest, einer der Mitbegründer im Jahr 2015. Und: „Wir werden nach wie vor gebraucht.“ Auch wenn die Herausforderungen heute vielleicht andere sind als damals und auch die gesellschaftliche wie politische Stimmung sich seither deutlich geändert hat. „Es weht ein anderer Wind“, weiß Pfarrer Michael Lunkenheimer von der Evangelischen Friedenskirchengemeinde in Troisdorf.
Troisdorfer Kirchengemeinden setzten Idee ökumenisch um
Am Ende des Jahres 2015, als Menschen aus Syrien in großer Zahl auch nach Troisdorf kamen, entwickelten Ersfeld und Markus Schlüter die ökumenische Idee des Cafés, das zunächst im Pfarrsaal von St. Gerhard in Troisdorf stattfand. Eine Ortswahl mit Kalkül, waren doch in der ehemaligen Förderschule Im Laach viele der Neuankömmlinge untergebracht. Bei ihnen traf denn auch das neue Angebot auf große Resonanz.

Immer donnerstags trifft man sich in der katholischen Kirche Heilige Familie in Troisdorf-Oberlar.
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2016 brachte dreistellige Besucherzahlen: Die Menschen hatten ein Dach über dem Kopf, schlugen sich aber mit einer Vielzahl von Alltagsproblemen herum. Wo finde ich einen Arzt? Wie eröffne ich ein Konto? Die Gespräche kreisten um Aufenthaltstitel und Spracherwerb, aber auch die Sorge um Angehörige in der Heimat.
Die Ehrenamtlichen kennen viele gelungene Integrationsgeschichten
Seinen Niederschlag fanden die Themen stets auch in der Café-Post, die in Deutsch, Ukrainisch und Arabisch erscheint – und das inzwischen mit der 161. Ausgabe. Anfangs sei es hier vor allem um mögliche Anlaufstellen gegangen, berichtet der ehemalige Schulleiter Peter Simon: wo bekommt man was? Stets haben die Herausgeber aber auch versucht, kulturelle Gegebenheiten zu vermitteln: Was steckt hinter Karneval, Weihnachten oder Ramadan.

Seit Jahren erscheint die Café-Post mit Informationen auch zu deutschen Feiertagen und Gebräuchen wie Karneval oder St. Martin
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Inzwischen, so berichtet Simon, der 2017 zum Team der ehrenamtlich Engagierten stieß, suchten viele Menschen Rat, die Probleme beispielsweise mit Anträgen auf Bürger- oder Wohngeld haben. „Das können sie nicht selbst bewältigen.“ Dass das Café heute von weniger Menschen besucht wird, sieht wohl nicht nur Michael Lunkenheimer als Zeichen dafür, „dass es viele gelungene Integrationsgeschichten gibt“. Viele seien in die Pflege gegangen, sagt Lunkenheimer; Peter Simon weiß von einer Frau aus einem afrikanischen Land, die inzwischen als Busfahrerin arbeitet.
Die Menschen hätten Arbeit und deswegen keine Zeit mehr, sie seien in eigene Wohnungen anderswo umgezogen. Zugleich gehören ehemalige Gäste des Cafés, das immer donnerstags von 16 bis 17.30 Uhr öffnet, heute zum Team der Ehrenamtlichen, das im Kern 15 bis 20 Mitglieder hat.
Mit Plexiglasscheiben und Lebensmitteln, die verpackt durch Ausgabeschlitze gereicht wurden, kam das Café durch die Corona-Pandemie. Damals habe man überlegt, wie es weitergehen solle. Auch ein Ende des Projekts stand zur Debatte. Doch dann, so erinnert sich Klaus Ersfeld, „kam der Ukrainekrieg und wir dachten, wir müssen offenhalten.“
Zum Mittagstisch kommen viele nach Troisdorf Geflüchtete aus der Ukraine
Die Geflüchteten, die aus Osteuropa nach Troisdorf kamen, waren anfangs nur schwer zu erreichen für die ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen. „Sehr zurückhaltend“, seien sie zunächst gewesen, so Klaus Ersfeld, Menschen in „Warteschleife“ vor einer Rückkehr in die Heimat. Inzwischen habe sich die Perspektive für viele verschoben, weiß Michael Lunkenheimer: Sie richteten sich nun zumindest auf einen längeren Aufenthalt in Deutschland ein.

Das Cafe International feiert dieser Tage sein zehnjähriges Bestehen. Mit dabei (v.l.): Klaus Ersfeld, Barbara Fröhling, Peter Simon und Michael Lunkenheimer.
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Viele der vor dem Krieg in der Ukraine Geflüchteten besuchten inzwischen den wöchentlichen Mittagstisch „Mahlzeit plus“, der jeden Mittwoch von 12 bis 14 Uhr in der Kirche Heilige Familie in Oberlar gedeckt ist: unweit der ehemaligen Bundesbahnschule, wo viele ein Obdach gefunden haben. In die große Kirche an der Lindlaustraße ist inzwischen auch das Café International umgezogen. Hier gibt es zudem das Nähcafé „Näh Näh“, hier treffen sich Lehrende und Lernende zum 2025 eröffneten Sprachcafé.
Troisdorfer Heimatpreis 2019 würdigte das Engagement
„Der Standort hat sich als Sozialkirche Heilige Familie etabliert“, stellt Michael Lunkenheimer heute fest. Und Klaus Ersfeld setzt hinzu: „ökumenisch“. Zugleich sieht er zu den regelmäßigen Angeboten, für die die Kirche mehrfach in der Woche geöffnet ist, stets auch biblische Entsprechungen. In der Armenspeisung ebenso wie im Psalm 146 mit der Zusage „Ich lasse die Fremden nicht allein.“
Die Fülle des Engagements wurde 2019 gewürdigt, als das Café International den ersten von der Stadt Troisdorf vergebenen Heimatpreis erhielt. Ein Höhepunkt in der Geschichte des Cafés, freut sich Michael Lunkenheimer noch heute. „Und eine Anerkennung für die Ehrenamtlichen.“

