Mit ihrer Tochter Celine Kuhnke führt die Troisdorferin Natalie Nier das Atelier für individuelle Kostüme, bietet aber auch Kolleginnen eine Plattform.
„Galerie Lafajeck“In Troisdorfer Atelier entstehen Einzelstücke für Karnevalsfreunde

Gemeinsam mit ihrer Tochter Celine Kuhnke führt Natalie Nier die Galerie Lafajeck.
Copyright: Dieter Krantz
Wer an Karneval mit seinem Kostüm nicht auffallen will, ist in der Hippolytusstraße 19 in der Troisdorfer Innenstadt ganz sicher an der falschen Adresse. Die „Galerie Lafajeck“ ist eine wahre Explosion von Farben, Glitzer, Bändern, Federn und seidig schimmernden Stoffen. Celine Kuhnke gründete das Unternehmen in der Karnevalssession 2022/23, gemeinsam mit ihrer Mutter Natalie Nier stattet sie nun das ganze Jahr über Menschen aus, die, so Nier, „leuchten möchten“.
Troisdorfer Label ziert Hüte, Gehröcke, Fliegen und Schiffchen
Die finden hier unter dem Label „Capdeluxe“ eine große Zahl von fertigen Outfits, mit viel Phantasie gestalteten Hüten und Accessoires, sie treffen vor allem aber auf Frauen, die in der Beratung vor Ideen sprühen. „Die meisten kommen mit einer Vorstellung her – und gehen mit meinem Design“, sagt Natalie Nier stolz. Enger sind die Grenzen bei den Vereinen, die hier arbeiten lassen: Da gibt es zum Beispiel vorgegebene Farben, die sie in ihren Vorschlägen aufgreifen muss. „Am schwierigsten“, sagt sie, „sind die Kunden, die gar keine Vorstellung davon haben, was sie eigentlich suchen.“
„Wir nähen keine Oberbekleidung“, stellt Natalie Nier klar: Nur für die Schiffchen, die hier in den Größen XS bis XL in zahllosen Farben und Stoffmustern vorrätig sind, sitzen Mutter und Tochter sowie ihre Mitarbeiterinnen selbst an der Nähmaschine. Die Gehröcke werden fertig eingekauft, im Troisdorfer Atelier werden daraus individuelle Sonderanfertigungen.
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Unzählige Bänder, nach Farben sortiert, sind im Laden vorrätig.
Copyright: Dieter Krantz
Auch für die Hüte wird das Gerüst eingekauft: Sonnenschlapphüte aus Stroh biegen Nier, Kuhnke und Co zum Dreispitz. „Richtig, richtig erfolgreich“ sei diese Idee, vor drei Jahren entwickelt. „Das ist sehr leicht und luftig“, darunter schwitze der Träger nicht wie beim klassischen (Kunst-)Filz.
Für alle Designs greifen Natalie Nier – die am Tag meines Besuchs auch für die grippekranke Tochter spricht – und die Mitstreiterinnen auf einen enormen Fundus an Zierrat zurück: Allein rund 1000 Bänder lagern, nach Farben sortiert, in einem Regal. Schier unbegrenzt ist auch die Auswahl an Perlen, Strasssteinchen, Federn oder Pelz. Beim Pelz haben Kundinnen und Kunden die Wahl: Kunst oder Recycling von gründlich gereinigtem echten Fell. „Das dritte Leben“ erhielten so die Tiere, sagt Nier. „Ich würde nie neue Pelze kaufen.“

Mitarbeiterin Deniz Hoff ist eine der Kreativen in der Galerie Lafajeck.
Copyright: Dieter Krantz
Mit Festivalhüten, zu denen Tochter Celine Cowboyhüte umgestaltete, startete vor einigen Jahren das Business; die Mutter stieß dazu, als sie in der Reha nach einer lebensbedrohlichen Erkrankung ihre Kreativität entdeckte. „Das ist sehr entspannend für Geist und Seele“, stellte sie fest. Was damals auf dem Küchentisch begann, hat seit Oktober 2025 mehr als 200 Quadratmeter Platz in der Hippolytusstraße.
Inzwischen sind 40 Prozent der Troisdorfer Kunden männlich
Dort bieten Mutter und Tochter neben der eigenen Kollektion auch Erzeugnisse anderer Designerinnen an, „die das nebenbei machen“. Da hängen dann Gehröcke, die aus Bademänteln entstanden sind, dort liegen im Regal überbordend gestaltete Hüte mit ganzen Landschaften – all das wird in der Galerie dann auf Kommission verkauft.
Den großen Erfolg verdankten sie wohl der Tatsache, dass sie 2024 im Kölner Maritim-Hotel einen kleinen Laden hatten, sagt Natalie Nier. Wer zu einer der 48 Veranstaltungen in den Festsälen ging, „der musste uns sehen“. Auch ein Schaufenster am Alter Markt in Köln bringt ebenfalls immer wieder Kundschaft nach Troisdorf.
Eine Kundschaft, die sich wandelt: Stellten die Damen anfangs noch 90 Prozent aus, sind es heute noch etwas mehr als die Hälfte. Es sind Kunden, die, so Nier, „weniger ein Kostüm als ein Statement“ hier kauften. „Keine Verkleidung, sondern ein fertiger Ausdruck der Persönlichkeit“.

Eines der wichtigsten Werkzeuge: die Heißklebepistole
Copyright: Dieter Krantz
Das hat seinen Preis: Schiffchen und Dreispitze beginnen bei 80 Euro; 200 Euro kann ein „Luxus-Kappen-Set“ aber auch schon einmal kosten, zu dem neben dem Schiffchen auch Fliege und Epauletten gehören. Dreispitze rangieren im Schnitt zwischen 100 und 150 Euro, es geht aber auch teurer. Der Gehrock kostet als Rohling 60 Euro, der Zierrat kommt extra. Aber auch mitgebrachte Jacken veredelt das Team.
„Je mehr drauf, um so teurer“ gilt für das gesamte Sortiment. Für kleineres Geld sind Fliegen, Schulterklappen oder glitzernde Taschen zu haben. Und das nicht nur zu Karneval, wie die Unternehmerinnen betonen. „Wir wechseln dann ein bisschen“, es gibt Kollektionen im Boho- oder Ibiza-Style, den Celine Kuhnke auch in ihrer Aloha-Boutique an der Kölner Straße verkauft. Es gibt Badetaschen oder Outfits, die sich an Festivals wie Cochella oder Burning Man orientieren. In der Galerie Lafajeck werden die Besucherinnen von Motto-Partys ebenso fündig wie Travestiekünstler, „wir hatten auch schon einen Stripper dabei.“

