Abo

„Pen and Paper“In der Troisdorfer Stadtbibliothek beginnen fantastische Spielereisen

3 min
Block, Würfel und eine Person mit Bleistift an einem Tisch.

Viel mehr braucht es nicht für ein Abenteuer in fantastische Welten: Würfel, Block und Bleistift sind die Utensilien für ein Pen and Paper Rollenspiel.

Regelmäßig öffnet das Bibliotheksteam die Räume für Spielerunden, die Gruppe von Max Radenhäuser spielt seit einem halben Jahr. 

Nach einem eisigen Ritt auf den Winterwölfen erreichen die Reisenden das Fischerdorf Sirmarip, es ist nachts, die Landschaft ist von einer dicken Schneedecke eingehüllt. Die Gruppe bekommt noch ein Zimmer im Gasthaus, bevor sie morgen im Dorf mehr zum Bösewicht Crowley erfahren wollen.

All das findet aber nur in der Fantasie der Spieler statt, die gemeinsam an einem runden Tisch sitzen, vor ihnen nur ein paar Würfel sowie Stift und Papier. Wegen der geringen physischen Ausstattung, die für dieses Rollenspiel von Nöten ist, nennt man es „Pen and Paper“. Konkret erleben die sieben Spieler ein Abenteuer aus dem Kosmos von „Dungeons and Dragons“.

Hier steht der Mörder nicht von Anfang an fest

Die Stadtbibliothek Troisdorf öffnet regelmäßig die Türen für Rollenspiel-Gruppen, die immer von einem Dungeonmaster, einer Art Spielleiter, angeleitet werden. Die Gruppe von Max Radenhäuser existiert in dieser Konstellation seit einem halben Jahr und bei jedem Treffen geht das Abenteuer in der mystischen Fantasywelt weiter. „In erster Linie geht es um ein gemeinsames Abenteuer“, betont Radenhäuser.

Pen and Paper Rollenspiel

Max Radenhäuser ist Dungeonmaster (Spielleiter).

Max Radenhäuser ist der Dungeonmaster oder Spielleiter seiner Gruppe.

Im Grunde sei der Ablauf von „Dungeons and Dragons“ mit einem Krimi-Dinner vergleichbar, jeder verkörpert einen Charakter und während des Spiels versucht man mehr oder weniger in der Rolle zu sprechen und zu handeln. „Ein Krimi-Dinner ist aber sehr viel geleiteter, das Ende steht von Anfang an fest, der Mörder ist eindeutig“, erklärt Radenhäuser. „Dungeons and Dragons“ sei in der Hinsicht viel flexibler, der Ausgang eines Abenteuers sei eben nicht von Beginn an gesetzt.

Die Spieler entscheiden, was sie als nächstes tun. „Da kommt es dann auf die Erfahrung und Flexibilität des Spielleiters an“, bemerkt eine Spielerin aus der Gruppe. Auch Teile der Charaktere denken sich die Teilnehmer selber aus. Es gibt sogenannte Rassen, wie Elfen, Orks, Zwerge und Menschen, die in gewisse Klassen eingeteilt sind. Darunter versteht man eine Ausrichtung, eine Art Job, dem man nachgeht.

So kann man etwa Barbar oder Krieger spielen, die in erster Linie auf Kämpfe spezialisiert sind. Sie haben einen hohen Wert, was die Stärke angeht. Auch Intelligenz und Geschicklichkeit sind Charakterzüge, die bei den Figuren unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Dafür hat ein Barde beispielsweise einen besonders hohen Charisma-Wert, da er Musik macht und Leute unterhält. Er wird daher von der Gruppe besonders gerne vorgeschickt, um mit Fremden zu sprechen.

Die Suche nach dem Bösewicht geht in Troisdorf weiter

Apropos Fremde: Die werden allesamt von Dungeonmaster Max Radenhäuser verkörpert, er verstellt seine Stimme und mimt die sogenannten NPCs (Non Playable Characters). Auch fungiert er als Erzähler und steht für Nachfragen zur Verfügung. Die Regeln des Spiels sind nämlich sehr intensiv. Auf dem Tisch liegt ein großes Buch, über 300 Seiten ist es dick und dient praktisch als Nachschlagewerk.

Dort werden etwa Monster beschrieben, auf die die Spieler treffen können. Das Wichtigste für den direkten Kampf ist die Rüstungsklasse. Als Spieler muss man mit seinen Würfeln diesen Wert überbieten, Schaden zu verursachen. Wie viele Lebenspunkte der Gegner dann verliert, wird auch wieder erwürfelt. Im Wesentlichen besteht das Spiel aber aus Dialogen und Vorstellungskraft.

Den Bösewicht Crowley haben die sieben Spieler übrigens immer noch nicht ausfindig machen können. Eine Fischerin im Dorf hat ihn aber vor ein paar Tagen gesehen. Beim nächsten Treffen geht das Abenteuer also weiter.