Gemeinsam feiern gehört zur Inklusion: Paul Ittenbach möchte die erste inklusive Karnevalssitzung im Rhein-Sieg-Kreis organisieren.
„Jetzt erst recht“Paul Ittenbach aus Troisdorf kämpft für Inklusion – auch im Karneval

Paul Ittenbach (56) erzählt von Ausgrenzung, Barrieren und seinem Einsatz für Teilhabe.
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Über Inklusion werde gern gesprochen, es sei leicht zu betonen, wie wichtig sie sei. Inklusion auch wirklich zu leben, das sei aber eine ganz andere Geschichte, sagt Paul Ittenbach aus Troisdorf. „Tatsächlich ist Inklusion immer noch ein sehr heikles Thema. Behindertensport zum Beispiel wird ganz gut gefördert, aber das, was wir machen? Überhaupt nicht.“ Mit seinem Verein „Together – Behindert – Na und!“ engagiert sich der 56-Jährige für mehr Inklusion in allen Teilen der Gesellschaft, insbesondere im Karneval.
Mit Anfeindungen konfrontiert, seit er im Rollstuhl sitzt
Seit zehn Jahren sitzt Paul Ittenbach im Rollstuhl, schon vorher war er eingeschränkt. Grund war ein Betriebsunfall. Früher habe er viel Sport gemacht und es schon immer geliebt, Karneval zu feiern, erzählt der Troisdorfer. „Dann war es auch für mich natürlich am Anfang nicht leicht, mich an meine neue Situation zu gewöhnen.“ Übelste Beschimpfungen, die er im Alltag habe ertragen müssen, seit er im Rollstuhl sitzt, machten diese Umstellung noch härter. „In einem Restaurant sagte mal jemand zu mir: ‚Wenn es Hitler noch gäbe, dann gäbe es Sie nicht.‘“ Ein Siegburger Café habe er einmal verlassen müssen, als sich ein anderer Kunde vom Anblick seines Rollstuhls gestört gefühlt habe.
„Zum Glück war die wichtigste Person, meine Frau, immer an meiner Seite“, sagt Paul Ittenbach. Mit ihr hat er zwei Kinder im Alter von 18 und 31 Jahren. Heute erfülle es ihn, mit seiner Vereinsarbeit Menschen helfen zu können, die ebenfalls Behinderungen haben. Regelmäßig plant er im Troisdorfer Stadtteilzentrum an der Kronprinzenstraße 14 Freizeit-Treffs für Menschen mit und ohne Behinderung aller Generationen. Hier gibt es gemeinsame Spiele, kostenfreie Getränke und Kuchen. Seine Arbeit finanziert der Verein komplett durch Spenden.

Für den Brückberger Veedelszoch 2026 verwandelte Ittenbach seinen Rollstuhl in ein Floß.
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„Leider verstehen gesunde Leute oft nicht, warum es so wichtig ist, dass bei uns alles kostenfrei ist“, schildert Paul Ittenbach. „Aber wenn man eine Behinderung hat, kann man oft aufgrund dessen nicht mehr arbeiten. Man geht früh in Rente oder bekommt die Grundsicherung, aber damit bleibt für Freizeit kaum was übrig.“ Viele Veranstaltungen seien zu teuer oder nicht barrierefrei. „Wir haben in Deutschland um die neun Millionen Menschen mit Behinderungen. Auf großen Veranstaltungen sieht man, wenns hochkommt, zehn.“
Inklusive Veranstaltungen wie Karnevalssitzungen gebe es oft nur in Einrichtungen, wo Menschen mit Behinderung lebten, „aber warum sollen wir unter uns bleiben und nicht alle gemeinsam feiern?“ Seit er in Wiesbaden vor einigen Jahren zu einer inklusiven Karnevalssitzung eingeladen wurde, ist es Ittenbachs Ziel, die erste solche Sitzung im Rhein-Sieg-Kreis auf die Beine zu stellen.
Sascha Böhm, der Troisdorfer Prinz der vergangenen Session, sei von dieser Idee begeistert gewesen. Eigentlich wollte Ittenbach mit dessen Unterstützung schon im kommenden November die erste inklusive Karnevalssitzung im Rhein-Sieg-Kreis organisieren. Da die Session so kurz sei, habe das leider nicht geklappt. „Das wird eben keine Profit-Veranstaltung.“ Für nächstes Jahr setze er aber alles dran und sei bereits dabei, Spenden zu sammeln: „Das ist zwar noch ein bisschen hin, aber ich bin schon Feuer und Flamme!“
Veranstaltungsort für erste inklusive Karnevalssitzung steht bereits
Der Veranstaltungsort stehe bereits fest: die Hütte in Troisdorf-Friedrich-Wilhelmshütte. „Ein kleiner Saal, aber man kommt überall super mit Rollstuhl und Rollatoren durch, und es gibt eine Behindertentoilette.“ Etwa 150 bis 200 Personen finden hier Platz. Bei der Programmplanung werde die Finanzierbarkeit im Vordergrund stehen, „Es wäre toll, wenn sich Musiker oder Gruppen finden. In der heutigen Zeit stelle ich mir das aber schwer vor, jemanden zu finden, der umsonst auftreten würde.“ Auch Gebärdendolmetscher möchte Ittenbach organisieren –„eigentlich sollte es das auf jeder Veranstaltung geben“.
Politisch gehen wir gerade total rückwärts, was Inklusion angeht.
An Karneval wird Ittenbach gern mit selbstgebastelten Kostümen kreativ, in die er seinen Rollstuhl integriert. In der vergangenen Session baute er beispielsweise ein Floß drumherum, auch als Lokomotive von Jim Knopf hat er sich schon verkleidet. „Oft fällt das Erwachsenen und Kindern auf, die selbst Einschränkungen haben. Das freut mich jedes Mal.“
Menschen ohne Behinderung müssen seiner Ansicht nach überhaupt nicht viel für Menschen mit Behinderung tun. Wenn man unsicher sei, ob er einem Rollstuhlfahrer beispielsweise die Tür aufhalten solle, empfiehlt Ittenbach, einfach nachzufragen. „Das Wichtigste ist in meinen Augen, uns einfach normal zu behandeln“, betont Ittenbach. Oft falle ihm auf, dass Menschen nicht mit ihm sprächen, sondern mit Leuten, die ihn begleiteten. „An Karneval passiert das oft. Und wenn die Leute dann mich ansprechen, reden sie ganz langsam: ‚Hallo, du hast aber ein schönes Kostüm‘. Viele nehmen einfach an, ich hätte auch eine geistige Einschränkung.“
Der politische Umgang mit Menschen mit Behinderung bereite ihm Sorgen: „Politisch gehen wir gerade total rückwärts, was Inklusion angeht. Überall werden die Gelder gestrichen. Das ist schrecklich.“ Dazu kommt das zunehmende Erstarken der AfD. Auf TikTok habe er schon zahlreiche Videos gesehen, wo Teilnehmer mit AfD-Sympathien Menschen mit Behinderung aufs Schlimmste beleidigten, so Ittenbach. „Ich kenne auch Menschen, die die AfD gewählt haben. Ich kann sie dann nur darauf aufmerksam machen, dass sie damit in Kauf nehmen, dass ich in Gefahr gerate.“ Der zunehmende Rechtsruck halte ihn aber nicht von seinen Plänen ab. „Im Gegenteil: Jetzt erst recht!“
Inklusiver Maltag für Kinder und Erwachsene
Am Sonntag, 6. September, organisiert der Verein „Together –Behindert – Na und!“ mit der Kita Heidepänz einen inklusiven Maltag für Menschen mit und ohne Behinderung. Zwischen 11 und 17 Uhr wird in der Troisdorfer Kita, Uckendorfer Straße 53, gemeinsam gemalt. Eine Anmeldung ist wegen der begrenzten Platzzahl erforderlich, per E-Mail an together-behindertnaund@online.de.
