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Wirtschaftsförderer des Rhein-Sieg-KreisesHermann Tengler geht in den Ruhestand

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Hermann Fengler geht beim Rhein-Sieg-Kreis als Wirtschaftsförderer in den Ruhestand.

Rhein-Sieg-Kreis – Er kam als Einzelkämpfer. Spötter meinten damals, er habe seinen Job selbst zuvor in einem Gutachten beschrieben. Am Freitag hat der erste Wirtschaftsförderer des Rhein-Sieg-Kreises, Hermann Tengler, nach 33 Jahren den letzten Tag am Arbeitsplatz und verabschiedet sich von 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die ihn gebeten haben, Wanderschuhe mitzubringen. „Ich lasse mich überraschen“, meint er.

„Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis hatten als einzige noch keinen Wirtschaftsförderer“, erinnert sich der fast 66-Jährige. In einem Gutachten hatte der Volkswirt, Wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand der Universität Bonn 1986 festgestellt, dass es um die Wirtschaft in der Bundeshauptstadt und dem Land an Rhein und Sieg gar nicht so gut bestellt war, dass sie stark auf die Jobs rund um Parlament und Regierung konzentriert war.

Als er Angebote von der Stadt Bonn und vom Rhein-Sieg-Kreis bekam, riet ihm der damalige Kollege Andreas Pinkwart zum Kreis. Die Aufgaben seien abwechslungsreicher und interessanter.

Geplant waren zwei Jahre

„Ich wollte zwei Jahre bleiben“, erinnert sich Tengler. Dann kam 1991 der Bonn-Berlin-Beschluss und für den Wirtschaftsförderer die Aufgabe, den Strukturwandel links und rechts des Rheins zu begleiten. An jedem Arbeitsplatz in den Ministerien hätten mindestens ein weitere Jobs in der Region in Handel, Gewerbe und Handwerk gehangen, erinnert er sich. 2,8 Milliarden Mark wurden 1994 schließlich als Ausgleich für den Umzug an die Spree vereinbart.

Die Fachhochschule mit den Standorten Sankt Augustin und Rheinbach mit heute 10.000 statt der prognostizierten 2300 Studierenden stand ebenso auf der Agenda wie Industrie- und Gewerbeprojekte. „Ich sah es als meine Aufgabe, Trends frühzeitig zu erkennen und zu reagieren“, beschreibt Tengler, der damals auch das erste regionale Gewerbeflächenkonzept entwickelte.

„Es ging angesichts der Globalisierung darum, als Region Bonn-Rhein-Sieg-Ahrweiler zu kooperieren.“ 440 Hektar Industrie- und Gewerbegebiete und mehr als 30.000 Arbeitsplätze seien im Rhein-Sieg-Kreis entstanden. Auch den Klimawandel hatte der Kreis früh im Blick und mit der Erstellung eines Solardachkatasters die Nase vorn. „Das war gut für unser Handwerk.“

Die digitale Infrastruktur ist entscheidend

Das Ende großer Betriebe wie Kabelmetal, Schöller, Boge oder Huwil habe sich in den ländlichen Kommunen nicht vollständig kompensieren lassen. Lange seien Einwohnerzahlen zurückgegangen. Das sehe nun wieder anders aus, sagt Tengler und sieht darin wieder einen Trend: „Corona hat der Digitalisierung Schub verliehen.“

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Die wiederum habe den ländlichen Raum aufgewertet. „Entscheidend ist heute nicht mehr der Autobahnanschluss, sondern die Datenverbindung.“

Fachkräfte könnten auch da arbeiten, wo sie sich Grundstücke und Wohnraum für ihre Familien leisten könnten. Auch das sei ein Grund für die „Resuburbanisierung“, die Wiederentdeckung des ländlichen Raums, die er deutlich wahrnehme. Stolz ist Tengler auf die ab 2008 mit 1,8 Millionen Euro EU-Mitteln geschaffene Naturregion Sieg. „Wir hatte schon immer die Idee einer Wanderregion“, erinnert er sich. Die diene nicht allein dem Tourismus.

Vielmehr steigere sie die Attraktivität der Region auch für die Menschen, die hier leben. Im Zentrum steht der Natursteig Sieg mit inzwischen 240 Kilometern Länge und 25 Erlebniswegen. Tengler: „Ein tolles Projekt, von dem ich auch privat weiter profitieren werde.“ Seine Kollegen dürften mit ihrem Hinweis zum letzten Arbeitstag also richtig liegen.