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1. FC KölnDas Derby könnte Schicksal spielen

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In die Knie gegangen, aber noch nicht in die Knie gezwungen: FC-Trainer Lukas Kwasniok kniet beim 1:1 gegen den Hamburger SV am Spielfeldrand.

In die Knie gegangen, aber noch nicht in die Knie gezwungen: FC-Trainer Lukas Kwasniok kniet beim 1:1 gegen den Hamburger SV am Spielfeldrand. 

Der 1. FC Köln hat sich ein verdientes 1:1 beim Hamburger SV erkämpft und Trainer Lukas Kwasniok bis zum Derby gegen Borussia Mönchengladbach aus der Schusslinie genommen.

Lukas Kwasniok war in seinem Element. Der Trainer des 1. FC Köln verabscheut im Fußballgeschäft nichts mehr als Eintönigkeit. Deshalb kam ihm am Samstagabend im Bauch des Volksparkstadions die Frage nach Merlin Polzins 50. Spiel hintereinander als Trainer des Hamburger SV gerade recht. Noch bevor sein Kollege die Glückwünsche annehmen konnte, unterbrach Kwasniok und forderte die Anwesenden auf, die Standards einer Pressekonferenz zu ignorieren und zu applaudieren. „50 Spiele in einem Traditionsverein, das schafft nicht jeder. Da bin ich noch weit von weg“, wollte Kwasniok gratulieren. Der 44-Jährige hat aktuell 26 Spiele und die Chancen stehen nach dem 1:1 (1:1) im Aufsteigerduell der Fußball-Bundesliga wieder besser, dass er es Polzin gleichtun kann.

Kwasniok gab sich nach dem verdienten Punktgewinn seiner Geißböcke vor 57.000 Zuschauern im Vergleich zu seinem Auftritt bei der PK am Donnerstag aufgeräumt. Die Anspannung des Trainers war verflogen, sein Job beim FC ist erst einmal gesichert. Auch wenn niemand der Kölner Verantwortlichen das Vier-Punkte-Ultimatum für Kwasniok bis zur Länderspielpause Ende März nach dem 0:2 in Augsburg bestätigt hat, wäre es bei einer Niederlage eng für den Trainer geworden. Nach dem 1:2 gegen Borussia Dortmund vergangene Woche und dem ersten Punktgewinn im insgesamt schon achten Samstagabend-Topspiel steht Kwasniok bei einem Zähler. Bleibt also noch das Derby am kommenden Samstag gegen Borussia Mönchengladbach, um die geforderte volle Punktzahl zu erreichen.

Ich bewerte den Trainer natürlich von Woche zu Woche und schaue mir die Arbeit an.
Thomas Kessler, Sportchef 1. FC Köln

„Wir sind einen kleinen Schritt vorangekommen. Ich bewerte den Trainer natürlich von Woche zu Woche und schaue mir die Arbeit an. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir auch wieder Fußballspiele gewinnen müssen“, gab Thomas Kessler im ZDF-Sportstudio keine Entwarnung für Kwasniok. Der FC-Sportchef verwies gleichwohl auf die „vernünftige“ Leistung der Mannschaft, der kämpferisch nichts vorzuwerfen sei und die nach einem Rückstand Moral bewiesen hätte: „Nach so einem 1:0 kann es schon mal passieren, dass der HSV Oberwasser bekommt. Das habe ich heute aber nicht gesehen.“

Die in der Tabelle fünf Punkte besser als der FC dastehenden Hanseaten hatten vielmehr vom Anpfiff weg wenig Interesse gezeigt, etwas für das Spiel zu tun. Polzin hatte offenbar ausgegeben, kompakt zu verteidigen und wenn möglich umzuschalten. Der Führungstreffer fiel deshalb aus dem Nichts und resultierte aus dem ersten Torschuss des HSV, der bis in die Nachspielzeit auch der einzige bleiben sollte.

Fabio Vieira demonstriert beim 1:0 „Weltklasse“

William Mikelbrencis hebelte mit einem genialen Chipper die Kölner Innenverteidigung mit Cenk Özkacar und Rav van den Berg aus, dann ließ Fabio Vieira mit seinem ersten Kontakt einen Kunstschuss los, der sich über den verdutzten Marvin Schwäbe hinweg zum 1:0 ins lange Eck senkte (39.). „Klar, ich war überrascht, weil er es richtig gut macht“, erkannte der FC-Keeper neidlos an und stand mit seiner Meinung nicht allein da. „Weltklasse“, adelten Lukas Kwasniok und Kölns Jungstar Said El Mala den Portugiesen mit dem gleichen Wort.

Die Kölner fanden eine schnelle, und für ihre Verhältnisse ungewöhnliche Antwort. El Mala lief nach einer Ecke von Jakub Kaminski und einer Verlängerung von van den Berg am zweiten Pfosten durch und nickte problemlos zum 1:1 ein. Es war das neunte Saisontor des 19-Jährigen und sein erster Kopfballtreffer als Bundesliga-Profi (45.).

Ich hoffe, er läuft immer noch durch.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

Der Ausgleich rief einen weiteren unterhaltsamen Wortbeitrag des Kölner Trainers hervor: „Die Mannschaft hat sich endlich mal für ihren Aufwand in den Trainingseinheiten bei Standards belohnt. Das war ein Co-Trainer-Tor und Said die ausübende Gewalt, weil er durchgelaufen ist. Am zweiten Pfosten wird das Geld verdient, das sind einfache Tore“, sagte Kwasniok beschwingt und belegte diesen Fakt mit einer seiner Anekdoten. „Als Trainer in Saarbrücken hatte ich Nicklas Shipnowski im Team. Der hat die Hälfte seiner Tore gemacht, weil er am zweiten Pfosten durchgelaufen ist. Das hat ihm einen Vertrag in Düsseldorf gebracht“, erinnerte der FC-Coach an die Saison 2021/22 und sendete Grüße an seinen Ex-Spieler, der inzwischen für den SGV Freiberg in der Regionalliga Südwest kickt. „Ich hoffe, er läuft immer noch durch.“

Kwasniok erzählte diese Geschichte auch und vor allem, um ein dickes Lob auszusprechen: „Said hat die Ansage zu 100 Prozent umgesetzt. Das ist ein Entwicklungsschritt, sich nicht nur auf sich selbst zu verlassen, sondern auch auf einen Co-Trainer.“

Das 1:1 gab den Kölnern Selbstvertrauen für die zweite Hälfte, in der sie das Offensivspiel des HSV weitgehend einzuengen wussten. Der FC musste nur in der fünften Minute der Nachspielzeit das Glück in Anspruch nehmen, als Daniel Elfadlis mit seinem Kopfball der Kölner Geschichte von unverdienten Niederlagen beinahe das nächste Kapitel zugefügt und den FC-Trainer arg in Bedrängnis gebracht hätte.

Ich spiele lieber 1:1 in Hamburg und gewinnen gegen Gladbach als umgekehrt.
Lukas Kwasniok, Trainer 1. FC Köln

So aber konnte Kwasniok seine Ideen weiter sprudeln lassen und der PK trotz der verpassten Chance auf drei Punkte einen launigen Anstrich verleihen: „Es gibt null, einen oder drei Punkte. Heute wäre ein Tag gewesen, an dem wir zwei Punkte verdient hätten“, schlug er in Anlehnung an die Regelung beim Eishockey vor und fing sich selbst wieder ein: „Wir wollen aber nicht vermessen sein. Jeder Punkt ist Gold wert, um den Verbleib in der sehr schwierigen Bundesliga zu schaffen.“

Der Kölner Fokus richtet sich mit dem Rückenwind des ersten nicht verlorenen Samstagabend-Topspiels nun auf das rheinische Derby gegen den Erzrivalen. „Das ist für unsere Region ein besonderes Spiel. Unsere Fans freuen sich extrem auf dieses Spiel und ich habe heute eine Mannschaft gesehen, bei der ich die absolute Überzeugung habe, dass sie am Samstag alles in die Waagschale werfen wird, um zu Hause die drei Punkte gegen Gladbach zu behalten“, erklärte Thomas Kessler.

Sein Trainer schaute ebenso optimistisch nach vorn und machte seine ganz persönliche Rechnung auf: „Ich spiele lieber 1:1 in Hamburg und gewinne gegen Gladbach als umgekehrt. Dann kommen in Summe auch vier Punkte zusammen“, sprach Kwasniok selbst die magische Zahl an und blickte zurück auf das schmerzhafte 1:3 im Hinspiel: „Wir haben etwas gutzumachen und wollen in unserem Wohnzimmer gewinnen, um die Fans und uns glücklich zu machen.“ Und, um sich selbst dem kleinen Jubiläum von Merlin Polzin von 50 Spielen in Serie bei einem Traditionsverein weiter nähern zu können.